Dax
Die Nervosität der Anleger steigt

Der Dax kämpft um Anschluss: Obwohl die Börsen am Montag leicht zulegen konnten, sind die Anleger verunsichert. Die Nervosität geht um auf dem Parkett, mit kräftigen Gewinnen rechnet kurzfristig kaum jemand mehr.

FRANKFURT. Nervosität, so steht es in medizinischen Fachbüchern geschrieben, bezeichnet einen Zustand innerer Unruhe. Nicht selten wird der nervöse Geist geplagt von Schweißausbrüchen, zitternden Händen, zuckenden Augenlidern oder kalten Füßen. Er ist launisch, oft unberechenbar.

An der Börse hat die Zahl der nervösen Geister mit den kalten Füßen zuletzt zugenommen; die Zweifel an der fulminanten Aktienrally, die den Deutschen Aktienindex (Dax) vor nicht allzu langer Zeit wieder ganz dicht an die 6 000er-Marke herangebracht hat, wachsen. Bereits in der vergangenen Handelswoche hat der Dax deutlich an Boden verloren; allein am Freitag sackte der Index um mehr als drei Prozent ab. Gestern pendelte der Chart lange Zeit um die Marke von 5 400 Punkten, ehe positive Konjunkturdaten aus den USA den Kursen einen Schub gaben. Die US-Industrie ist in einem deutlich besseren Zustand als erwartet. Der Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager stieg im Oktober auf 55,7 Punkte, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte; im September lag er noch bei 52,6 Punkten. Der aktuelle Stand ist immerhin der höchste seit April 2006.

Und dennoch: Dass es mit den Aktienkursen in den kommenden Handelstagen wieder kräftig nach oben geht, erwarten nur wenige. Viele Investoren sind vorsichtig geworden. Gewinne mitnehmen und dann erst einmal abwarten lautet in diesen Tagen die Devise. Vielleicht gar keine so schlechte Strategie. Die Charttechniker von der BHF Bank rechnen mit einer Korrekturphase, die durchaus mehrere Wochen andauern könnte.

Dass die Nervosität auf dem Parkett zuletzt deutlich gestiegen ist, zeigt ein Blick auf den VDax, das sogenannte Nervenbarometer der Frankfurter Börse (siehe oben). Gestern kletterte der Index zeitweise um gut vier Prozent auf mehr als 32 Punkte. Der Zählerstand errechnet sich anhand der Kauf- und Verkaufsoptionen auf die im Dax gelisteten Aktien. Je höher der Punktestand, desto größer ist die Nervosität.

Das jetzige Niveau von rund 32 bedeutet, dass die Marktteilnehmer auf Sicht von 30 Tagen mit einer Schwankungsbreite von etwa 32 Prozent für Dax-Aktien rechnen. In ruhigen Börsenzeiten liegt der Wert unter 20. Am Freitag hatte der VDax mit einem Anstieg von knapp 14 Prozent sein größtes Tagesplus seit Mitte August verbucht.

Aber warum werden die Investoren plötzlich so nervös? Ganz klar: Anleger, die schon im Frühjahr eingestiegen sind, nutzen den rasanten Kursanstieg seit März und machen Kasse. Hinzu kommt, dass die Erwartungen an die Unternehmen deutlich gestiegen sind - das zeigt die gerade laufende Berichtssaison in Europa, aber auch in den USA. Ganz so einfach sind die Anleger nämlich nicht mehr zu beeindrucken. Sie schauen mittlerweile ganz genau hin, insbesondere bei den Umsätzen. Die signalisieren, ob die Geschäfte auch tatsächlich wieder anlaufen. Der zum Teil üppige Gewinn, den viele Unternehmen zuletzt stolz verkündeten, kommt größtenteils daher, dass die Firmen ihre Kosten radikal gesenkt haben. Mittelfristig werden die Sparprogramme den Aktienkursen aber nicht mehr weiterhelfen. Da muss sich auch bei den Umsätzen etwas tun. Von Unternehmensseite hätte der Markt derzeit nicht allzu viel zu erwarten, sagt Oliver Roth, Chefhändler von der Close Brothers Seydler Bank.

Wie stark viele Konzerne unter den Folgen der Finanzkrise leiden, zeigt Hugo Boss. Der im MDax notierte Modekonzern enttäuschte mit seinen Zahlen gestern auf ganzer Linie. Weil bei den Konsumenten das Geld nicht mehr ganz so locker sitzt, bleiben viele Anzüge des Edelschneiders auf der Stange hängen. Um gut neun Prozent auf 1,24 Mrd. Euro schrumpfte der Konzernumsatz in den ersten neun Monaten zusammen; von der Jahresprognose, den Umsatz im Vergleich zu 2008 stabil zu halten, will Konzernchef Claus-Dietrich Lahrs deshalb besser nichts mehr wissen. Die Hugo-Boss-Aktie sackte zeitweise um rund fünf Prozent ab.

Besser sah es bei Dax-Konzern Linde aus, der ebenfalls seine Quartalszahlen vorstellte: Der Industriegasehersteller spürte die weltweite Wirtschaftskrise im dritten Jahresviertel weniger stark als im Vorquartal und schnitt vor allem mit dem operativen Konzernergebnis (EBITDA) besser ab als von Analysten erwartet. Die Linde-Aktie gehörte zu den Gewinnern im Dax und legte gut drei Prozent zu.

Gefragt waren auch die Papiere von Chiphersteller Infineon und Sportartikelkonzern Adidas. Beide Unternehmen profitierten von positiven Analysteneinschätzungen.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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