Devisen
EZB-Chef Draghi beflügelt Euro

Seit Ende Juli befindet sich der Euro im Aufwind. Verantwortlich für diesen Aufwärtstrend ist alleine die EZB. Am heutigen Handelstag sprang der Kurs sogar kurz über Marke von 1,30 Dollar.
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DüsseldorfDer Einfluss der Europäischen Zentralbank auf die Aktienmärkte ist heute größer denn je.  Die Aussagen von EZB-Chef Draghi  geben den Trend vor. Andere wichtige Fundamentaldaten rücken in den Hintergrund der Analyse.

Auch die Devisenmärkte werden von den Entscheidungen der EZB getrieben. Seit der Ankündigung von EZB-Chef Draghi, den Euro mit allen Mitteln verteidigen zu wollen, befindet sich der Euro im Aufwärtstrend. Seit Ende Juli konnte die Währung von 1,20 US-Dollar auf zwischenzeitlich über 1,30 US-Dollar zulegen.

Am Donnerstag stieg der Euro dann kurzzeitig über die Marke von 1,30 US-Dollar. Händler nannten Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi als Grund. In der Spitze kostete ein Euro im Nachmittagshandel 1,3001 Dollar und damit so viel wie zuletzt vor zwei Wochen.

Nach einem ruhigen Vormittagshandel nahm der Euro am Nachmittag Fahrt auf. Für Belebung sorgte, dass die Neigung der EZB zu weiteren Zinssenkungen derzeit nicht besonders ausgeprägt zu sein scheint: Bei der auswärtigen Ratssitzung in Slowenien sei die Möglichkeit eines Zinsschritts noch nicht einmal diskutiert worden, sagte EZB-Präsident Mario Draghi in Ljubljana. „Eine abermalige Senkung dürfte aber nicht ganz vom Tisch sein“, sagte Expertin Jana Meier vom Bankhaus HSBC Trinkaus. Sie verwies auf die anhaltend schwache Konjunktur im Währungsraum.


Zunächst jedoch bleibt der für die Banken wichtige Leitzins auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent, wie der EZB-Rat am Donnerstag entschied. Die anschließende Pressekonferenz ergab kaum Neues: Draghi verteidigte das neue Anleihekaufprogramm der Notenbank gegen kritische Stimmen. Er unterstrich, die EZB bleibe auch dann politisch unabhängig, falls sie Anleihen krisengeschwächter Euroländer kaufen sollte. Die Notenbank werde die Käufe sofort einstellen, sollten die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sein, sagte Draghi. Die EZB verlangt, dass sich die Länder zu konkreten Auflagen verpflichten, bevor sie von Anleihekäufen der Notenbank profitieren können.

Die weitere Entwicklung der Euro-Schuldenkrise hat großen Einfluss auf den Euro. Sollte sich die Situation der europäischen Peripheriestaaten in den kommenden Monaten weiter zuspitzen, dürfte auch der Euro unter Druck geraten. Sollten die Maßnahmen der EZB greifen, könnte der Euro Angriff auf seinen 52-Wochen Höchststand von 1,42 US-Dollar nehmen.

Serkan Dizbay
Serkan Dizbay
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Deutschland, durch seine aggressive Exportpolitik und den darauf folgenden Leistungsbilanzüberschuss, strebt eine Wirtschafts- und Finanzhegemonie über Europa an.
    Das muss die EU mit allen Mitteln verhindern.
    Die heutige Lage ruft die Zeit vor dem Münchner Diktat von 30. September 1938 in Erinnerung.
    Damals hat Europa vor Deutschland kapituliert und dadurch Deutschlands Hegemoniestreben ermutigt. Das darf sich nicht wiederholen, die Zukunft ganz Europa steht wieder auf dem Spiel, Wenn wir jetzt nachgeben gibt es kein Halten mehr und Deutschland hat endlich sein Ziel erreicht: Europa zu beherrschen. Diesmal ohne Waffengewalt aber mit dem gleichen Ziel: Beherrschung und Ausbeutung der anderen EU-Ländern durch eine Vertikale Arbeitsteilung innerhalb der Währungsunion, ähnlich der Politik der Bananenrepubliken die früher die USA gegenüber Südamerika geführt haben. Griechenland, Portugal sind dafür schon wegweisend, andere werden folgen!

  • Was Draghi macht ist das einzige das gemacht werden kann, das Problem sind die EU-Verträge selbst:
    Die Euro- und EU-Verträge, von der deutsch-französische Achse entworfen und durchgesetzt, führen zu eine Art Morgenthau-Plan für die Peripherieländer der Währungsunion.
    Die wirtschaftlich schwache Euro-Länder werden, weil ihre Wirtschaft gegen die stärkere Wirtschaften nicht geschützt ist, immer schwächer. Dies führt dazu dass vielen jungen und gut ausgebildete Menschen aus diesen Länder keine andere Alternative bleibt als Europa den Rücken zu kehren und ihr Glück auf andere Kontinente zu suchen.
    Diese Hämorrhagie ist nicht nur eine menschliche Tragödie aber auch wirtschaftlich nachteilig für Europa. Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Euro-Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst deren Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.
    Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer berücksichtigen und entgegen wirken.
    Es geht um Europa, nicht um Deutschland das aber nur Teil davon ist!

  • Ich muß leider zugeben:

    Die EZB macht es richtig, der Zug für eine andere Lösung ist schon etwas länger abgefahren.

    Jetzt gilt es, Augen zu und durch....

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