Eurozone
Schuldenkrise hält Märkte in Atem

Eine Lösung der Probleme der Eurozone ist in weiter Ferne. Dabei gibt es kaum eine Nische im gesamten Markt, die die Nervosität der Anleger noch nicht berührt. Heute ist ein Beben durch die Märkte gegangen.
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FrankfurtDie Schuldenkrise in Europa hat die Finanzmärkte am Dienstag durchgerüttelt. Anleger fürchteten, dass sich ein Übergreifen auf andere Sorgenkinder der EU kaum noch vermeiden lässt. „Weil nun auch Italien massiv unter Druck steht, ist die Unsicherheit einfach wahnsinnig groß“, sagte ein Händler. Im Handelsverlauf machten sich aber Hoffnungen auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Krise breit, nachdem ein EU-Diplomat in Brüssel einen Sondergipfel zu dem Thema für Freitag ankündigt hatte.

Der Dax rutschte bei hohen Umsätzen zeitweise um mehr als drei Prozent ab unter die Marke von 7000 Punkten. Bis zum Nachmittag notierte der deutsche Leitindex noch 0,8 Prozent schwächer bei 7173 Punkten. Bereits am Vortag hatte er über zwei Prozent verloren. Der italienische Leitindex rauschte in der Spitze um 4,8 Prozent die Tiefe und notierte damit so niedrig wie seit April 2009 nicht mehr. Seit Monatsbeginn hat er mehr als neun Prozent verloren. An den US-Börsen zeichnete sich ein etwas schwächerer Handelsstart ab.

Die Rendite der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen kletterte mit sechs Prozent auf den höchsten Stand seit 14 Jahren. Auch hier beruhigten sich die Kurse wieder, nachdem eine Auktion von italienischen Staatsanleihen mit zwölfmonatiger Laufzeit nach Meinung von Börsianern erfolgreich verlaufen war. Allerdings war die Rendite der Papiere mit 3,67 Prozent so hoch wie seit September 2008 nicht mehr. Der Euro fiel auf ein Vier-Monats-Tief von 1,3838 Dollar, kämpfte sich am Nachmittag aber wieder an die Marke von 1,40 Dollar heran.

Die wachsenden Sorgen vor einem Staatspleite Italiens hatten den Ausverkauf an den Märkten zuletzt beschleunigt. Das Mittelmeerland drückt ein Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandprodukts.Sollte Italien nun in den Teufelskreislauf steigender Zins- und Schuldlasten geraten, wären die Folgen weitaus gravierender als beim kleineren Griechenland. Experten gehen davon aus, dass der Euro-Rettungsschirm mit einer faktischen Staatspleite dieser Größe überfordert wäre.

Nach Einschätzung von Händlern hoffen die Märkte jedoch, dass die EU die Krise doch noch in den Griff bekommt. Auch Aussagen des luxemburgischen Finanzministers Luc Frieden, wonach in der Euro-Zone kein Land pleite gehe, beruhigte die Investoren etwas. Sein niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager hatte am Morgen mit der Aussage, dass ein selektiver Zahlungsausfall Griechenlands nicht mehr ausgeschlossen sei, die Nervosität der Märkte erhöht.

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Finanztitel auf Achterbahnfahrt

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