Finanzmärkte
Alles muss raus

Die Euro-Krise schlägt voll auf die Finanzmärkte durch. Der Euro droht unter 1,20 Dollar zu rutschen, die Aktienkurse geben kräftig nach. Am härtesten trifft es die Papiere der Banken. Der Schlussverkauf hat begonnen.
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Am Nachmittag bekommt der Dax einen Schlag und sackt in sich zusammen. Als klar wird, dass auch die New Yorker Wall Street mit Kursverlusten in den Handel starten würde, werfen immer mehr Investoren an den europäischen Börsen ihre Aktien auf den Markt. Der Dax verliert zuletzt mehr als drei Prozent, der Index für europäische Standardwerte, der Euro Stoxx 50, schneidet kaum besser ab. Auch er rutscht mehr als drei Prozent ab.

Investoren in aller Welt fürchten um den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone - und um die Finanzstabilität Spaniens.
Noch stärker erwischt es die Börsen in Madrid und Mailand, wo die Leitindizes um 3,1 und 3,9 Prozent absackten. Der spanische Ibex markiert mit 5905 Zählern den niedrigsten Stand seit neun Jahren. Nicht nur Aktien, auch Anleihen werden eilig verkauft. Die Renditen für spanische Bonds etwa steigen zeitweise auf ein neues Allzeithoch bei mehr als 7,5 Prozent. Wenn das so weiter geht, wird Spanien nicht mehr lange für seinen riesigen Schuldenberg zahlen können. Der Euro rutscht erstmals seit zwei Jahren wieder unter die Marke von 1,21 Dollar.

"Es braut sich was zusammen", schreiben die Analysten der Metzler-Bank. "Die Nerven der Akteure dürften in den kommenden Tagen erneut auf eine harte Probe gestellt werden." Chefvolkswirt Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank meint sogar: "Der K.O. der Eurozone ist zunehmend eine Frage des Zeitpunkts und weniger des 'Ob'." Seine Bank habe das Risiko des Scheiterns der Eurozone zuletzt auf 20 Prozent beziffert. "Nach den jüngsten Entwicklungen liegt dieses Risiko jenseits der 40-Prozent-Marke mit zunehmender Tendenz."

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist einem Zeitungsbericht zufolge nicht bereit, Griechenland nochmals Finanzhilfen zu gewähren. Da Athen aber wohl weitere Darlehen von bis zu 50 Milliarden Euro benötige, werde ein Bankrott des südeuropäischen Landes immer wahrscheinlicher, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung keine Prognose über einen Verbleib der Griechen in der Euro-Zone abgeben. Wirtschaftsminister Philipp Rösler gibt dem Land dagegen kaum noch Chancen dafür. Am Dienstag wird die Troika aus EZB, IWF und EU in Athen zur Prüfung der bisherigen Sparanstrengungen erwartet. Griechenland wartet derzeit nach Angaben aus dem deutschen Finanzministerium auf die Freigabe einer weiteren Tranche von gut 31 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfeprogramm.

Der Volatilitätsindex VDax, der sogenannte Angstindex der Frankfurter Börse, klettert um bis zu 33 Prozent in die Höhe auf ein Fünf-Monats-Hoch von 28,98 Punkten. Das ist das größte Tagesplus seit der Atom-Katastrophe von Fukushima Katastrophe im März 2011. Sein pan-europäisches Pendant, der VStoxx, stieg am Montag ebenso wie der US-amerikanische Vix um gut 25 Prozent.

In Spanien breitet sich die Finanzkrise unterdessen immer weiter aus. Nach Valencia muss nun offenbar bald auch Murcia als zweite spanische Provinz die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten, wie am Sonntag bekannt wurde. Laut Händlern wird spekuliert, dass Spanien doch noch unter den Rettungsschirm springen muss. Bisher will die Regierung in Madrid lediglich für ihre Banken Hilfsgelder der Euro-Partner annehmen.

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  • Noch vor 5 Jahren wurden all diejenigen, die ihren gesunden Menschenverstand benutzten, als "sozialistische Träumer" denunziert. Diejenigen, die sich davon nicht haben beeindrucken lassen, stehen jetzt bestens vorbereitet da.

    Jeder, der sein Hirn einschaltet, muss doch erkennen, dass die Shareholder-Value-Denke, die maximal bis zum kommenden Quartalsende reicht, auf die Dauer in den Abgrund führt. Erfolg hat stets auf WEITSICHT beruht, nicht auf kurzfristige Gier.

    Wie gewonnen, so zerronnen!

  • Wohl dem, der auf dem Lande lebt und Gartenarbeit liebt! Der Garten ist -wie immer - bestellt.

  • Da muss ich @hanswurst recht geben. Das ist nur Theater. Aus meiner Sicht passiert vor den Wahlen in den USA nichts wirklich Weltbewegendes. Was hinter dieser Vorstellung steckt kann man nur Raten. Ich denke es dient dazu Druck auf die Bevölkerungen der Nehmerländer und auf das BVerfG auszuüben. Beim BVerfG bin ich mir sehr unsicher ob das überhaupt notwendig ist.

    Ich bin mal gespannt wie diese Situation des Endspiels des Systems diesmal aufgelöst wird. Eine Möglichkeit wäre ja der Iran, aber Russland und in Gefolgschafft China sind Widerspenstiger geworden.

    Mit einem Krieg läßt sich natürlich dann alles erklären. Wirklich alles. Die "Bösen" haben uns dazu gezwungen Hyperinflation zu erzeugen und euch alle Rechte weg zu nehmen. Es ist immer irgendjemand böses der das macht. Wie ein Märchen für Kinder.

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