Internationaler Aktienhandel
Börse Wien setzt Kurssturz fort

Die Wiener Börse hat ihren Crash-Kurs am Freitag fortgesetzt. Der ATX fiel um 159,31 Punkte oder 7,37 Prozent auf 2002,05 Einheiten und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2004. Auch an anderen Börsen ging es am Freitag rasant nach unten.

dpa-afx/apa WIEN. Die Wiener Börse hat ihren Crash-Kurs am Freitag fortgesetzt. Der ATX fiel um 159,31 Punkte oder 7,37 Prozent auf 2002,05 Einheiten und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2004. Auch an anderen Börsen ging es am Freitag rasant nach unten.

Nach einer Aussetzung des Aktienhandels am Vormittag stürzte die Börse gleich nach Handelsaufnahme gegen zwölf Uhr um mehr als zehn Prozent ab. Die Verluste konnten im weiteren Verlauf etwas eingeschränkt werden, unterm Strich bleibt aber immer noch ein dramatisches Minus. Allein in dieser Woche hat der ATX bereits rund 29 Prozent an Wert verloren. Seit Jahresbeginn haben sich gemessen an der Marktkapitalisierung österreichischer Unternehmen schon rund 90 Mrd. Euro an Börsenwert in Luft aufgelöst.

Aktienhändler berichteten von Panikverkäufen durch die Bank. Von Privatanlegern bis Fondsmanagern würden viele Anleger ihre Aktienpositionen weiter verkaufen. "Die Investoren versuchen derzeit möglichst viel Cash zu generieren, egal wie", berichtete ein Händler. Am Geldmarkt seien derzeit keine kurzfristigen Gelder mehr zu bekommen, entsprechend sei der Bargeldbedarf der Unternehmen enorm, hieß es.

Das durch die Aktienverkäufe generierte Geld werde derzeit aus Angst einfach nicht weitergegeben, sagte ein Händler. "Keiner traut sich mehr mit einem anderen zu handeln, weil man nicht weiß, ob es Deinen Handelspartner in den nächsten drei Stunden noch gibt oder es ihn schon zerfetzt hat", beschrieb ein Händler die Situation am Markt. Angesichts der weiter angespannten Situation am Geldmarkt und der damit massiv erschwerten Finanzierung der Unternehmen seien drastische Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu befürchten, vermutete ein Aktienhändler.

Entscheidend für die Entwicklung in der kommenden Woche ist nun laut Händlern, ob am Wochenende weitere politische Rettungspakete für die Finanzmärkte geschnürt werden. So hänge nun viel vom Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten am Wochenende in Washington ab. Je nach den Nachrichten am Wochenende könne es am Montag kräftig hinauf oder hinunter an den Börsen gehen, hieß es am Markt. Unbestätigten Marktgerüchten zufolge könnten die Börsen in Europa am Montag aber vorerst überhaupt geschlossen bleiben.

Am Markt herrsche Angst, dass es noch weiter nach unten gehen könnte, erklärt Unicredit-Analyst Alexander Hodosi. Das sei durchaus vorstellbar, da sich die Märkte sehr von den Fundamentaldaten entkoppelt hätten. Die Wall Street habe sieben verlustreiche Tage hinter sich, und die Erleichterung wäre groß, würde der Dow Jones eine Erholungspause von den Kursverlusten einlegen, so der Unicredit-Experte.

Massiv unter Druck kamen am Freitag angesichts der Finanzkrise erneut die Bankenwerte. Raiffeisen International stürzten um 15,00 Prozent auf 27,20 Euro und damit auf ein neues Allzeittief ab (1 610 327 gehandelte Stück). Die Aktie leidet Marktkreisen zufolge angesichts ihres Russland-Engagements besonders unter die Krise. Erste Group fielen um 10,66 Prozent auf 22,20 Euro.

Auch viele andere Schwergewichte brachen deutlich ein. So fielen Telekom Austria um 13,59 Prozent auf 9,60 Euro, OMV sanken um 6,66 Prozent auf 22,70 Euro. Zahlreiche andere Aktien sahen Verluste von deutlich mehr als zehn Prozent. größter Verlierer im Prime Market waren Immoeast mit einem Minus von 30,00 Prozent auf 0,77 Euro.

Gegen den Trend sehr fest notierten Zumtobel und stiegen um 16,37 Prozent auf 9,95 Euro. Auffällig gut gesucht waren auch Voestalpine und gewannen 13,58 Prozent auf 18,40 Euro (2 780 267 Stück). Angesichts der ungewöhnlich starken Gewinne in einem dramatisch fallenden Markt vermuteten Händler Aktienkäufe strategischer Investoren. Möglicherweise versuche ein anderer Stahlkonzern die Kurseinbrüche für einen Einstieg zu nutzen, hieß es am Markt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%