Marktbericht: Börse Frankfurt
Konjunkturangst reißt Dax in die Tiefe

Am deutschen Aktienmarkt haben die Bären wieder das Heft in der Hand. Die drastischen Zinssenkungen der Notenbanken und der pessimistische Ausblick des IWF haben Rezessionssorgen wieder in den Fokus gerückt. Darunter leiden Industrieaktien besonders. Aber auch Bankwerte brechen einmal mehr ein.

HB FRANKFURT. Die Atempause an den Aktienmärkten ist vorüber, die Baisse meldet sich mit Macht zurück. Eine historische Zinssenkung der Bank of England um 1,5 Prozentpunkte und die Ankündigung der Europäischen Zentralbanken (EZB), die Zinsen nach der Rücknahme um 0,5 Prozentpunkte womöglich noch weiter zu senken, wurden am Markt als klares Krisensignal interpretiert. Verstärkt wurde der Verkaufsdruck durch Aussagen des Internationalen Währungsfonds, der die Welt auf eine Rezession zusteuern sieht. Den Dax drückte die Fülle an Belastungsfaktoren um 6,8 Prozent auf 4 813 Punkte.

Die EZB hatte ihren Leitzins auf 3,25 Prozent gesenkt. Zuvor hatte der Dax als Reaktion auf die überraschend deutliche Zinssenkung der Bank of England (BoE) um 150 Basispunkte auf 3,0 Prozent seine Verluste zeitweilig eingegrenzt. Doch die positive Sichtweise wich schnell einer skeptischen Auslegung der Notenbankaktionen. Die Ankündigung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, dass er die Zinsen womöglich weiter senken wird, konnte die Anleger nicht beruhigen. Zwar sind sinkende Zinsen tendenziell gut für die Unternehmen, da sie die Refinanzierung verbilligen. Doch dieser Effekt tritt zurzeit stark in den Hintergrund, da die Zinssenkungen vor allem dazu dienen, das Ausmaß der Wirtschaftskrise zu dämpfen. Für Optimismus ist da wenig Platz.

Wie schlimm es um die internationale Konjunktur steht, machte der Wirtschaftsausblick des Internaitonalen Währungsfonds (IWF) deutlich. Die schwere Finanzkrise drückt die Weltkonjunktur nach Einschätzung des Fonds 2009 in die Rezession und lässt auch die deutsche Wirtschaft schrumpfen. Kommendes Jahr werde das globale Wachstum nur noch 2,2 Prozent betragen, hieß es vom IWF. Nach seiner Definition liegt eine Rezession vor, wenn die weltweite Wirtschaft um weniger als drei Prozent wächst. Die deutsche Wirtschaft werde nächstes Jahr um 0,8 Prozent schrumpfen, hießt es in dem Bericht weiter. Im Oktober war der IWF noch von einer Stagnation ausgegangen.

Besonders unter Druck standen im Dax Finanzwerte. Commerzbank und Deutsche Bank fielen jeweils um mehr als zwölf Prozent. Die Aktien von Allianz gaben zehn Prozent nach, die der Münchener Rück verloren 5,5 Prozent. "Es gibt jetzt zwar einen Rettungsschirm, aber das heißt ja nicht, dass die Probleme der Finanzbranche gelöst sind", sagte ein Händler. Am Freitag veröffentlicht die Münchener Rück ihre Zahlen, am Montag folgt die Allianz. "Gut werden die Zahlen nicht", prophezeite ein Händler. Dem Finanzvertrieb MLP hat die Finanzkrise die Bilanz bereits verhagelt. Der Gewinn des Finanzdienstleisters brach um 95 Prozent ein und lag nur noch knapp über der Nulllinie. Die im MDax notierten Aktien hielten sich mit einem Minus von zwei Prozent allerdings noch relativ gut.

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