Marktbericht Frankfurt
Dax scheitert 20 Punkte vor Rekord

Der Dax hat am Donnerstag erneut vergeblich Anlauf auf ein neues Rekordhoch genommen. Nachdem der deutsche Leitindex schon zu Handelsbeginn bis auf rund 20 Punkte an seinen alten Höchststand aus dem März 2000 herangekommen war, stiegen im Laufe des Tages immer mehr Anleger auf die Bremse.

HB FRANKFURT. Auch von der Wall Street kam kein Rückenwind. In den USA fielen die Aktienkurse. Am Ende des Tages stand für den Dax ein Minus von 1,09 Prozent auf 7 987,13 Zähler auf der Anzeigetafel.

Händler machten dafür vor allem zwei Faktoren verantwortlich: Zum einen sorgte der Brand eines Tanklastwagens auf der Autobahn München-Nürnberg für Aufregung, der zunächst Anschlagsängste schürte, sich dann aber als Autounfall entpuppte. Zum anderen deuteten viele Marktteilnehmer Aussagen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet nicht nur als Signal für eine Zinserhöhung im September, sondern auch als Hinweis auf eine weitere Straffung der Geldpolitik bis ins kommende Jahr hinein. Beides habe in Folge technischer Kursreaktionen den Markt wieder nach unten gedrückt, sagten Händler. „Die Nervosität ist extrem hoch. Viele haben heute Stopp-Orders eingegeben, durch die dann automatische Verkäufe von Aktienpaketen ausgelöst wurden“, erläuterte ein Börsianer.

Neben der Verunsicherung im Zusammenhang mit der Sicherheitslage - Meldungen über ein U-Bahn-Unglück in London trugen das ihre dazu bei - belaste auch der hohe Ölpreis. „Öl kostete heute so viel wie seit einem Jahr nicht mehr. Das musste negativ am Markt zu Buche schlagen“, sagte ein Händler. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins für die Euro-Zone bei vier Prozent belassen.

Als einziger Dax-Wert schafften es Metro-Papiere ins Plus. Die zuletzt eher unbeliebten Titel gewannen 0,4 Prozent auf 61,95 Euro. Eon dagegen litten nach Aussage von Händlern unter Gewinnmitnahmen und verbilligten sich um 2,4 Prozent auf 121,23 Euro - das bedeutete die rote Laterne im Dax. Auch der Dax-Neuling Merck musste Federn lassen. Der Schlusskurs stand bei 101,44 Euro - ein Minus von zwei Prozent.

Aktien des Bezahlfernsehsenders Premiere waren mit einem Plus von 5,6 Prozent auf 18,53 Euro die mit weitem Abstand gefragtesten Papiere im MDax, nachdem das Kartellamt die Vertriebskooperation mit Arena für die Bundesliga grundsätzlich genehmigt hatte. Ein Zukauf von Pro Sieben Sat 1 kam dagegen weniger gut an, die Aktien lagen 1,6 Prozent im Minus. Die Münchener übernehmen den österreichischen Regionalsender Puls TV.

Air Berlin gingen im SDax auf Höhenflug und verteuerten sich um 5,5 Prozent auf 16,98 Euro. Mehrere Händler berichteten von Gerüchten, Europas größter Billigflieger Ryanair sei an der deutschen Airline interessiert. Ein Sprecher von Air Berlin sagte, ihm sei kein Übernahmeinteresse seitens der Iren bekannt. Ryanair wollte das Gerücht nicht kommentieren.

Die Aussicht auf geringere Hilfen seitens der Politik für die Sonnenenergiewirtschaft drückte die im TecDax versammelten Solarwerte. Q-Cells, Ersol, Conergy und Solon gaben um bis zu zwei Prozent nach. Analyst Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS interpretierte einen in Berlin vorgestellten Erfahrungsbericht mit dem „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ allerdings moderater als die Investoren: „Ab 2009 wird sich natürlich der Preisdruck in der Branche entsprechend erhöhen, aber damit musste die Branche rechnen. Ich sehe da keine dramatische Wende. Alles in allem kein Grund zur Panik als Solar-Aktionär.“

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