Pfund und Euro weiter schwach
Japans Aktienmarkt atmet vorsichtig durch

Britisches Pfund und Euro weiter unter Druck, Japans Aktien erholt. Devisen- und Aktienmärkte tasten sich vorsichtig in die erste Börsenwoche nach dem Brexit.

TokioJapans Ministerpräsident Shinzo Abe hat die Bekämpfung des Brexit-Fallouts an den Finanzmärkten zur Chefsache gemacht. Noch vor Handelsbeginn der Börse trafen Schlüsselminister der Regierung und Vertreter der Notenbank zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Und Abes Botschaft nach dem Treffen war klar: Die Regierung will alles tun, um Volatilität im Devisen- und Aktienmarkt zu zügeln.

Japan wolle die Sorgen der Märkte über den Brexit lindern, sagte der Regierungschef. Seine Regierung ergreife zudem Schritte, um die Folgen der Unruhe an den Märkten für Japans Wirtschaft zu mildern. Darüber hinaus instruierte er die Bank von Japan, genug Liquidität zur Verfügung zu stellen und das Banksystem zu stützen.

Die konzertierte verbale Intervention der Regierung hatte kurzfristig Erfolg: Nachdem Japan am Freitag um 7,9 Prozent eingebrochen war, stieg der der Nikkei-225-Aktienpreisdurchschnitt um 2,4 Prozent und schloss bei 15.309 Punkten. Auch der Dollar verharrte jenseits der 100-Yen-Marke, die in Japan als Schmerzgrenze gilt.

Das Pfund verlor gegenüber dem US-Dollar im frühen asiatischen Geschäft mehr als zwei Prozent und wurde mit 1,3355 Dollar gehandelt. Damit näherte sich die britische Währung wieder dem tiefsten Wert seit 1985 an. Auch auf den Euro-Kurs übte die Entscheidung der Briten unvermindert Druck aus. Die Gemeinschaftswährung gab in Fernost zum Dollar gut ein Prozent nach und rutsche kurzzeitig unter 1,1000 Dollar.

Abes prominentes Eingreifen hat mehrere Gründe: Kurz vor den Oberhauswahlen am 10. Juli will er sich nicht nur als kompetenter Krisenmanager darstellen. Er kämpft auch um die Anfangserfolge seiner Abenomics genannten Wirtschaftspolitik, die mit einer Mischung aus Konjunkturprogrammen und einer Geldschwemme der Notenbank seit April 2013 einen Sturzflug des Yen und damit rasant steigende Firmengewinne und Aktienkurse ausgelöst hatte.

Doch seit Chinas Börsencrash Anfang des Jahres ist der Yen um rund ein Fünftel mehr Wert geworden, weil die Anleger wie gewohnt in stürmischen Zeiten im sicheren Hafen Japan Schutz suchen. Nach dem Brexit-Votum fiel der US-Dollar kurzzeitig sogar unter 100 Yen und stärkte damit die Erwartungen, dass Japan in den Devisenmarkt eingreifen könnte, um seine Währung zu schwächen.

Das Problem: Derzeit ist der Wechselkurs des Yen wieder auf dem Niveau, bevor Abe Ende 2012 Regierungschef wurde und mit seiner Abenomics genannten Wirtschaftspolitik einen Sturzflug des Yen und damit einen Boom an der Börse auslöste. Bleibt der Yen auf diesem Niveau oder steigt sogar weiter, drohen den Firmen massive Wechselkursverluste und der Konjunktur Schaden.

Die Ökonomen von Barclays Capital haben bereits am Freitag ihre Wachstumsprognose für 2016 leicht auf 0,6 Prozent und für 2017 deutlich von 1,7 auf 1,2 Prozent gesenkt. Denn sie rechnen nach dem Brexit damit, dass der US-Dollar auf bis Mitte 2017 auf 83 Yen zum US-Dollar absacken wird, weil die Anleger in aller Welt wie so oft in stürmischen Zeiten in den vermeintlichen sicheren Hafen des Yen fliehen werden.

Die Regierung wird sich nun auch mit den vom Brexit betroffenen Firmen kurzschließen. Am Montag werden sich Beamte des Ministeriums für Handel, Wirtschaft und Industrie unter anderen mit Vertretern von Toyota, Nissan und Hitachi treffen, die allesamt massiv in Fabriken in England investiert haben.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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