Rekordhoch
Dax im Höhenrausch

Der Dax klettert auf den höchsten Stand aller Zeiten. Die US-Notenbank wird weiter billiges Geld liefern - darauf lässt eine Personalie schließen. Zugleich wird damit deutlich, wie abhängig die Anleger von der Fed sind.
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Düsseldorf8626 Punkte. So hoch stand der Deutsche Aktienindex noch nie. Doch das Allzeithoch, das der Dax am Montag gleich nach Bösenstart erreicht hat, löst keine Begeisterung aus. Die Börsianer nehmen es zur Kenntnis. Sie wissen zugleich, wie schnell diese Börsenrally vorbei sein kann. Der letzte große Crash ist nicht vergessen.

„Wo bleibt der Jubel?“, fragt Patrick Hussy vom Marktforschungsinstitut Sentix. Der Börsenpsychologe untersucht, wie sich die Stimmung der Anleger von Woche zu Woche verändert. Von Euphorie ist in den aktuellen Umfragen keine Spur. „Wir stellen einen eher verhaltenen Umgang mit den positiven Signalen fest. Die Krise der letzten fünf Jahre hat die Anleger gefesselt und es fällt schwer, eine Verbesserung zu akzeptieren“, erklärt Hussy.

Das alte Rekordhoch vom Mai 2013 lag bei 8558 Zählern - es hat nur wenige Monate gehalten. Vordergründig ist es die Entspannung in der Syrien-Krise, die für Erleichterung an der Börse sorgt. Die USA und Russland einigten sich in Genf auf eine diplomatische Lösung. Die Amerikaner dürften sich mit einem Angriff zunächst zurückhalten. Das Assad-Regime erhält bis Ende der Woche Zeit, seine Chemiewaffen der internationale Kontrolle zu übergeben.

Doch es gibt noch tiefer liegende Ursachen für die Börsenrally: Die US-Notenbank (Fed) wird die Märkte wohl auch künftig mit billigem Geld versorgen - darauf lässt eine entscheidende Personalie schließen. Der frühere Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama, Larry Summers, zieht seine Kandidatur für den Posten des Chefs der Notenbank zurück. Er hätte möglicherweise eine restriktivere Geldpolitik als sein Vorgänger Ben Bernanke durchgesetzt. Analysten rechnen nun damit, dass Fed-Vizechefin Janet Yellen Anfang nächsten Jahres Nachfolgerin von Bernanke werden könnte. Sie gilt als Verfechterin der laxen Geldpolitik der Fed und dürfte eine eher langsame Rückführung der milliardenschweren Anleihenkäufe bevorzugen.

„Die Märkte werden dies voraussichtlich als eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für eine weitgehende Fortsetzung der Geldpolitik der Fed deuten“, schrieb Mohamed El- Erian, Vorstandschef von Pimco, in einem Kommentar auf der Internetseite Business Insider.

Das Geld der Notenbanken hatte die Börsen in den vergangenen Jahren auf neue Höhen getrieben. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise senkte die US-Notenbank die Zinsen und stellte Geld so billig wie nie zur Verfügung. Zusätzlich kaufte sie Staatsanleihen und Immobilienpapiere auf (Quantitative Easing). Bislang hat die Fed dafür beinahe drei Billionen Dollar ausgegeben. Ein beträchtlicher Teil des Geldes dürfte in Aktien, Anleihen und andere Anlagen geflossen sein.

Seit dem Tief im Frühjahr 2009 haben Aktienindizes wie der S&P 500 in den USA oder der Dax in Frankfurt ihren Wert mehr als verdoppelt. Hätten die Unternehmensgewinne oder die Konjunkturdaten in gleicher Weise zugelegt, wäre eine solcher Anstieg gerechtfertigt. Doch viele Anleger ahnen, dass die Börsenrally ohne Doping nicht möglich gewesen wäre. Das könnte auch der Grund sein, warum die Freude über das neue Allzeithoch eher verhalten ausfällt.

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Ein kleiner Trick hilft dem Dax

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  • Die Lage in dem Euro-Raum kann nicht dramatischer sein.
    Während die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland zwischen 4% und 12 % je nach Bundesland liegt, erreichen die Südländer traurige Rekordwerte.

    Jugendarbeitslosigkeit im Euro-Raum

    Griechenland 62,9 %
    Spanien 56 %
    Italien 39,5 %
    Zypern 37,9 %
    Portugal 37,5 %
    Frankreich 28 %

    Das sind sehr hässliche Zukunftsaussichten für unsere jungen Menschen. Wie soll eine solide Familienplanung möglich sein? Unter diesen wirtschaftlichen Bedingungen halten sich die Familien, Paare und Eheleute mit dem Kindernachwuchs zurück. Wer will gerne Kinder in eine ungewisse Zukunft setzen.

    Das alles hat mit der falschen Währung im Euro-Raum zu tun. Die Banken produzieren keine Autos, ernten Weintrauben oder melken Kühe.

    Es ist unerklärlich, wie unbelehrbar einige Menschen sind.
    Sie sitzen wie die Lemminge in einem Zug, der den Abgrund zu fährt. Dabei schauen die Lemminge aus dem Fenster und freuen sich wie grün die Landschaft ist. Dass in wenigen Metern der Zug in den Abgrund stürzt interessiert keinem der Lemminge. Je länger auf die Lemminge eingeredet wurde, dass die Farbe gelb statt blau ist, umso mehr sind von der gelben Farbe überzeugt, obwohl die Farbe in Wirklichkeit blau ist. Aber das interessiert unsere Lemminge nicht. Sie freuen sich und scherzen bis zur letzten Sekunde. Keiner der Lemminge zieht im Wagon die Notbremse. Als der Zug in den Abgrund stürzt ertönt aus der Ferne das Geschrei der Lemminge. Wenige Minuten später kehrt Stille ein. Die Euro-Lemminge haben sich soeben selber beerdigt.

  • 10000 im Dax ist doch überhaupt kein Problem, es wird ja alles auf Pump gekauft und das ohne Limit. Die Investoren sehen alle nur noch die schnellen Millionengewinne. Was war heute eigentlich der Grund? Ich glaube das Bernankes Nachfolger nun ein anderer wird
    Oder doch das Wahlergebnis...lustig lustig
    Wirtschaftliche Gründe gibt es schon lange nicht mehr. Aber trotzdem bin ich der Meinung, dieses Jahr platzt nichts mehr aber nächstes Jahr überleben die Finanzmärkte nicht mehr, ohne das die Blasen platzen. Denkt einmal über Gold nach
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Warum-die-naechste-Finanzkrise-aus-China-kommt-article11341146.html

  • Ich kann keinen Widerspruch erkennen. Drosselung bedeutet ja nicht Einstellung der Käufe ...

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