Schlussbericht Frankfurt
Sorgen um Euro-Zone halten an – Dax wieder im Minus

Die Anleger bleiben wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone vorsichtig. Der Dax schloss den vierten Tag in Folge im Minus. Zu den größten Verlieren im Leitindex gehörten einmal mehr Finanzwerte.
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FrankfurtDie weiter ungelöste Schuldenkrise der Eurozone hat den Dax auch am Donnerstag ins Minus gedrückt. Der deutsche Leitindex sank um 1,07 Prozent auf 5.850,17 Punkte, nachdem er bereits an den vergangenen drei Handelstagen nachgegeben hatte. Im späten Handel drehte das wichtigste Börsenbarometer analog zum leichten Anstieg des Dow Jones Index ins Plus, fiel aber gleich wieder zurück in den roten Bereich. Der MDax mittelgroßer Werte verlor 1,58 Prozent auf 8.720,51 Punkte, der TecDax ermäßigte sich um 1,11 Prozent auf 680,40 Punkte.

Händler verwiesen auf die angespannte Lage an den meisten europäischen Anleihenmärkten. Die steigenden Renditen reflektierten die Unsicherheit über eine Lösung der monetären Probleme in der Eurozone. Experten bezeichneten den Auktionsverlauf französischer Staatsanleihen zwar als zufriedenstellend, die Nachfrage für zehnjährige spanische Schuldtitel dagegen als schwach. Spanien hatte sich nur zu deutlich höheren Zinsen frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen können. Vor diesem Hintergrund habe sich die EZB wieder zu Stützungskäufen genötigt gesehen, sagte ein Marktanalyst.

Zudem seien die Aktienmärkte von einer Warnung der Rating-Agentur Fitch belastet worden. Fitch sieht bei einem Krisensprung über den großen Teich die Bonität von US-Banken gefährdet. Negativ auf den Dax habe sich zudem das erneut aufgekommene Gerücht einer bevorstehenden Abstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs ausgewirkt, hieß es.

Zu den größten Verlierern im Dax zählten Finanzwerte wie Commerzbank mit minus 4,25 Prozent auf 1,464 Euro und Deutsche Bank mit minus 3,74 Prozent auf 27,290 Euro. Die steigenden Renditen hätten die Furcht vor Ausfällen in den Wertanlagen der Banken und Versicherer geschürt, sagten Händler. Allianz-Titel büßten 0,89 Prozent ein. Auch stark konjunkturabhängige Stahlaktien gerieten nach einer Prognosesenkung von Voestalpine deutlich unter Druck. So fielen Papiere von ThyssenKrupp am Indexende um 5,90 Prozent auf 18,725 Euro.

Die Papiere von Metro stiegen als Gewinner im Dax um 1,49 Prozent auf 35,845 Euro. Händler sprachen von einem positiven Einfluss der Zahlen des niederländischen Handelskonzerns Ahold, die besser als erwartet ausgefallen waren.

Für die Aktien von Heidelberger Druck ging es fast sieben Prozent nach unten. Wie das Handelsblatt erfuhr, steht beim Druckmaschinenbauer Manroland wohl ein neuer Großaktionär vor dem Einstieg. Ein europäischer Maschinenbauer, der bislang nicht im Druckmaschinensegment aktiv ist, könnte sich in das Unternehmen einkaufen, hieß es. Diese Nachricht wertet ein Börsianer auch als möglichen Stimmungsimpuls für die HeidelDruck-Titel. "Wenn ein großer Player jetzt im Druckmaschinen-Sektor aktiv wird, sorgt das für Fantasie", sagte er.

Im TecDax waren vor allem Solaraktien gefragt. Größter Gewinner waren Q-Cells, die über 14 Prozent auf 0,99 Euro stiegen. „Da scheint es einen Shortsqueeze zu geben, das heißt, irgendjemand muss kaufen“, erklärte ein Händler. Dagegen konnte Air Berlin mit seinen endgültigen Zahlen bei den Anlegern nicht landen: Die Aktien fielen um rund drei Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,52 (Vortag: 1,55) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,02 Prozent auf 131,39 Punkte. Der Bund Future sank um 0,67 Prozent auf 137,22 Punkte. Der Euro legte am Donnerstag zu und notierte zuletzt bei 1,3513 US-Dollar. Am Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,3480 (1,3484) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7418 (0,7416) Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @ Mitleser

    "Erst der Oberlehrer "Realist" mit politischer Bildung und ...."

    Nein, der Dax hat mit Politik überhaupt nichts zu tun. Garnichts. Auch nichts mit Leistungsbilanz oder Euroschuldenkrise. Wer denkt schon global? Der gemeine Trader sucht schnellen Profit ohne Gegenleistung. Ohne Interesse am Umfeld, anonym, schnell, ohne Spuren.

    Die Insel des sterilen Abzockens ist aberwitzig. Sie ist nicht meine Welt und sie ist weder gewillt, noch in der Lage, den Scheuklappenegoismus abzulegen. Da helfen dann die Toschlagsargumente wie "Oberlehrer", "Neid" usw. um kritische Stimmen zu erledigen. Selber nichts sagen, aber auf andere mit der Keule schlage, sie in einen Topf mit offensichtlich gestörten Persönlichkeiten (Beiträge mit NS-Macke) zu werfen - das isses. Das bringt das Forum weit nach vorne.

  • nicht nur die die Staatsausgaben sind das Problem, die Staatseinnahmen sind das größere Problem.
    Die permanente Leistungsbilanzüberschüsse mancher Euro-Länder (Deutschland 14 Milliarden im Monat) verursachen zwangsläufig Leistungsbilanzdefizite in anderer Euro-Länder, (Importbeschränkungen sind „noch“ nicht erlaubt) dadurch weniger Steuereinnahmen und wegen der dadurch verursachten Arbeitslosigkeit mehr Staatsausgaben. Die Wirtschaftsdivergenzen zwischen den Euro-Länder sind das wahre Problem. Man kann die Staatsausgaben nicht unendlich senken ohne schwerwiegende negative Konsequenzen.
    Es wäre begrüßenswert wenn Brüssel auf ausgeglichene Leistungsbilanzen bestehen würden und diesbezüglich die Verträge ändert.
    Solange aber die deutsche-französische Achse in der Euro Zone das Sagen hat besteht kaum Hoffnung.

  • @ Realist
    Die scharfe Verleumdungskampagne gegen die "Pleiteländer" in den deutschen Medien hatte nur den Zweck von wahren Problem, den unausgeglichenen Leistungsbilanzen und Divergenzen zwischen den Euro-Länder, abzulenken und einen Sündenbock für die Schieflage der gesamten Euro Zone zu liefern.
    Das ist genau die gleiche Masche wie die NSDAP damals angewandt hat und die Juden als Sündenbock lieferte.

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