Sorgen um Griechenland
Dax stürzt um mehr als drei Prozent ab

An den Märkten kommt Nervosität auf: Der Dax ist zum Tagesende mehr als 200 Punkte leichter. Auch der Euro verliert deutlich. Der Bankenverband IIF entwirft ein Horrorszenario. Kommt die Griechenland-Krise zurück?
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FrankfurtDer Schuldenschnitt für Griechenland droht zu kippen: Zwei Tage vor Ablauf der Frist zum Umtausch griechischer Anleihen kommt Nervosität auf. Für Verunsicherung sorgen Gerüchte, dass sich nur wenige Gläubiger am "freiwilligen" Schuldenschnitt beteiligen. Börsianer spekulieren bereits über eine mögliche Verlängerung der Frist. Athen dementiert. Doch die Gerüchte halten sich.

Der deutsche Leitindex schloss 3,4 Prozent tiefer bei 6.633 Punkten und notierte damit so niedrig wie seit drei Wochen nicht mehr. Neben den Meldungen um die auf drei Billion Euro angeschwollene Bilanzsumme der EZB machten Händler für den Kursrutsch auch charttechnische Gründe verantwortlich. „Wir sind mehrmals an der Marke von 7.000 Punkten gescheitert, und jetzt geht es eben mal mit großem Volumen in die andere Richtung“, sagte ein Börsianer.

Ein anderer Händler sagte, eine starke Dax-Korrektur sei überfällig gewesen: „Wir dürfen schließlich nach der Rally der vergangenen Wochen nicht vergessen, wo wir hergekommen sind.“ Zugleich setzten Anleger wieder vermehrt auf Sicherheit und stiegen in Bundesanleihen ein. Der Bund-Future stieg auf ein Allzeithoch von 140,48 Punkten.

Die privaten Gläubiger müssen bis Donnerstag entscheiden, ob sie dem Anleihe-Tausch zustimmen - und damit auf Forderungen im Gesamtvolumen von rund 100 Milliarden Euro verzichten. Die griechische Regierung hat angedroht, dass sie die Gläubiger zum Schuldenschnitt zwingen könnte, falls nicht genügend freiwillig mitmachen. Das können die Griechen aber nur, wenn mindestens die Hälfte aller Anleihegläubiger auf das Umschuldungsangebot antwortet und davon zwei Drittel zustimmen. Sonst können die Umschuldungsklauseln nicht nachträglich angewendet werden. Im schlimmsten Fall droht der Schuldenschnitt zu scheitern. Die Folge: eine ungeordnete Pleite.

Griechenlands Regierung hat sich am Dienstag erneut zuversichtlich über den Verlauf des Schuldenschnitts gezeigt. „Viele Halter von Staatsanleihen haben sich bereits gemeldet“, sagte ein Mitarbeiter des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos der Nachrichtenagentur dpa in Athen. Genaue Zahlen nannte er nicht. Im Ministerium sei man „optimistisch“. Die Banken und auch andere Geldinstitute hätten eine „einmalige Chance“ einen Schlussstrich unter die Ungewissheit zu ziehen. Hinter vorgehaltener Hand hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums, dass niemand riskieren werde, alles zu verlieren, sollte der angepeilte Schuldenschnitt nicht erfolgreich sein.

Zugleich tauchte heute ein vertrauliches Dokument vom 18. Februar auf, in dem der internationale Bankenverband IIF vor einer unkontrollierten Pleite Griechenlands warnt. Der von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geführte Verband fürchtet drastische Folgen, sollte die Umschuldung scheitern. Es sei schwer, die daraus resultierenden Kosten für alle Beteiligten genauer zu beziffern, „aber es ist kaum absehbar, dass sie unter einer Billion Euro lägen“, heißt es darin laut Nachrichtenagentur Reuters.

Mit dem Schreiben untermauert der IIF seinen Appell an Banken, Versicherer und andere Anleihekäufer wie Hedge-Fonds, sich am Rettungspaket privater Gläubiger zu beteiligen. Der Bankenverband malt ein Horrorszenario: Wenn Griechenland falle, bräuchten Italien und Spanien externe Hilfe, um eine Ansteckung zu verhindern.

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  • "Bloss woher wissen Sie, dass nicht zuvor die inflationäre Seuche kommt?"

    Wissen? Das weis ich auch nicht. Aber ich kann lesen und komme (u.a.) aus dem Hort der stabilen Geldpolitik. Folgende Zahlen sollten Jeden schocken, denn die EZB ist ratlos:
    "Für die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet der IIF aufgrund ihres auf 177 Milliarden Euro geschätzten Griechenland-Engagements mit „erheblichen“ potentiellen Verlusten. Dieser finanzielle Schock für die EZB könnte zusammen mit einem wahrscheinlichen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum die Stabilität der Währungsunion in Frage stellen, hieß es. Die potentiellen Hilfsmaßnahmen für Portugal und Irland bezifferte der IIF auf 380 Milliarden Dollar auf Sicht von fünf Jahren. Für die Unterstützung Spaniens und Italiens könnten 350 Milliarden Euro aus Mitteln des europäischen Rettungsschirms und des Internationalen Währungsfonds fällig werden. Die Rekapitalisierung von Banken könnte weitere 160 Milliarden Dollar kosten, schätzte der IIF."

    Wie das ohne große Verwerfungeen behoben werden soll, möge mir ein Optimist bitte erklären.




  • internes Dokument des internationalen Bankenverbandes IIF " .... für Aufsehen, das ein alarmierendes Szenario für den Fall eines unkontrollierten Zahlungsausfalls Griechenlands zeichnete. Dies würde nach Einschätzung des IIF im Euroraum zu Schäden von mehr als einer Billion Euro führen."

    Also entweder 130 Mrd. aus Deutschland (für den ersten von vielen Schritten) oder 1 Billion "Schaden" (bei den Banken).

    Und wie soll der Königsweg aussehen, der den DAX in weitere Höhen treiben sollte?

    Diese Krise ist nicht "lösbar". Es ist nur dei Frage, wie man mit möglichst wenig Schäden raus kommt und wann der Tiefpunkt erreicht sein wird.

    Wir sind noch weit vom "Tiefpunkt" entfernt. Wir haben mit immensem Aufwand nur Zeit gewonnen. Weder wird GR die Restschulden nach dem CUT tilgen können, noch wird GR Wettbewerbsfähig.

    Wie das Kanninchen vor der Schlange ducken sich alle vor den entscheidenden Schritten weg. Das Trauerspiel wird noch lange dauern. Mal sehen, wann wir ganz unten sind.

  • AKTUELLER DENN JE!

    http://www.youtube.com/watch?v=8Lz_qPvKCsg

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