Wall-Street-Ausblick
Die Zweifel kehren zurück

Die US-Notenbank stellt weiter billiges Geld bereit, die Börsen steigen. Alles klar, oder? Nicht ganz. Die Börsianer sollten sich nicht zu sehr auf die Fed verlassen. Außerdem droht den USA - wieder mal - die Pleite.
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Der erste Jubel hat sich gelegt. Jetzt kehren die Zweifel zurück: Ist auf die US-Notenbank wirklich Verlass? Und wie lange? Das ist derzeit das zentrale Thema an der Wall Street.

In der vergangenen Woche hatte die Zentralbank mit ihrer Entscheidung, weiterhin jeden Monat 85 Milliarden Dollar in den Kauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren zu pumpen, für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Börsianer waren von einer Drosselung ausgegangen.

Als diese doch nicht kam, legten die Kurse an den US-Börsen kräftig zu. Je mehr billiges Geld die Notenbank zur Verfügung stellt desto besser für die Börsen. Allerdings dürfte die Reduzierung der Anleihekäufe nur aufgeschoben, nicht aufgehoben sein,

In den kommenden Tagen dürften die Reden etlicher hochrangiger US-Notenbanker daraufhin analysiert werden, welchen Kurs die Fed in der Geldpolitik einschlägt. „Anleger wollen ein Gefühl dafür bekommen, was innerhalb der Fed vorgeht“, sagt Tobias Basse von der NordLB. Investoren erhoffen sich zudem Hinweise darauf, wann und unter welchen Umständen die Fed anfangen wird, den Geldhahn zuzudrehen.

Für Unruhe sorgten Äußerungen von James Bullard, Präsident der Fed in St. Louis. Bullard bezeichnete eine Verringerung der Aufkäufe im kommenden Monat als möglich. Die bis dahin eingehenden Konjunkturdaten könnten „dem Ausblick eine andere Note“ verleihen, so dass es dem Offenmarktausschuss leichter fallen könne, einen „kleine Reduzierung im Oktober“ zu beschließen, sagte der Währungshüter.

Der Markt rechnet eigentlich mit einer Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik. In einer Umfrage von Bloomberg sagten 24 der 41 befragten Ökonomen, dass eine Reduzierung der Bondkäufe nicht vor Dezember zu erwarten ist.

„Was man aus der Fed so hört, ist für den Markt etwas verwirrend“, sagte John Kvantas, Portfoliomanager von USAA Investments in San Antonio im US-Bundesstaat Texas. „Vielleicht will die Fed damit sagen: 'Ja, wir haben keine Verringerung beschlossen, aber das heißt nicht, dass es niemals eine geben wird - und vielleicht gibt es sie ja schon sehr bald.'“

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  • Im allgemeinen ist der Börsianer nicht dumm. Was die Mehrheit aber so gar nicht blickt ist die Strategie der FED. Bei der weiterhin schwachen Binnenkonjunktur in USA kann die FED die Aufkäufe kaum drosseln. Also wird der Markt erstmal verbal vorbereitet. Und im Stillen (!) werden peu a peu die Aufkäufe zurückgenommen.
    Auch die fiscal cliff gabs schon mal. Wer sich da hat verrückt machen lassen, lag daneben.
    Börse ist gar nicht so schwer.

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