Wall Street
Zweikampf zwischen Bulle und Bär

Nach einem Einbruch erholte sich die Wall Street bis zum Mittag. Danach erfolgte ein erneuter Absturz, der abgefedert werden konnte. Ein turbulenter Tag, der auch auf die Politik der US-Notenbank Einfluss haben könnte.
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New YorkEs war ein klassischer Zweikampf zwischen Bulle und Bär - und am Ende hat der Bär nach Punkten gesiegt. Beim Blick auf den Dow Jones waren es 589 Punkte oder 3,6 Prozent, die der US-Aktienmarkt am Montag verloren hat - nachdem er an den zwei Handelstagen zuvor auch schon auf Talfahrt gegangen war. Der Dow schloss mit 15.871 Punkten. Der breiter gefasste Aktienindex S&P 500 sank sogar um knapp vier Prozent auf 1893 Punkte.

Nach dem Einbruch im chinesischen Aktienmarkt um mehr als acht Prozent eröffnete der Dow am Montag mit einem Einbruch von fast 1100 Punkten. Im Laufe des Vormittags erholte er sich wieder deutlich. Dabei waren aber offenbar Käufer am Markt, die nur auf kurzfristigen Gewinn aus waren und zum Teil ihre Papiere zur Mittagszeit schon wieder abstießen. Die Folge war ein erneuter Absturz, der gegen Ende des Handels zum Teil erneut aufgefangen wurde. Dabei kauften aber nach Agenturberichten vor allem Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten und sich nun zu günstigen Preisen mit Aktien eindecken konnten, um ihre Kontrakte glatt zu stellen. Diese Phase dauerte nicht lang, und ganz zum Schluss gaben die Kurse noch einmal deutlich nach.

Das Fazit des Tages also: Die Käufer haben überwiegend nicht aus Überzeugung, sondern aus taktischen Gründen zugekauft. Die Bullen waren keine wirklichen Bullen, aber die Bären waren wirkliche Bären. Damit dürfte die Talfahrt in den nächsten Tagen weitergehen.
Eine besonders Schwindel erregende Achterbahnfahrt legte die Apple-Aktie hin. Sie lag zeitweise um rund 13 Prozent im Minus. Grund dafür waren Sorgen der Investoren, die Schwäche in China könne die bisher traumhaften Apple-Gewinne zu stark beeinträchtigen. Konzernchef Tim Cook sah sich genötigt, den Aktionäre öffentlich zu versichern, das Geschäft in China laufe gut. Damit konnte er die Verluste auf 2,5 Prozent im Tagesverlauf begrenzen. Finanzaktien waren schwer gebeutelt. JP Morgan verlor über fünf Prozent, Goldman Sachs mehr als vier Prozent.

Die New York Stock Exchange hat eine seit 2007 existierende Regel genutzt, um der sich abzeichnenden Panik entgegenzusteuern. Danach können bei extremen Stresssituationen Regularien bei Handelsbeginn wegfallen um so einen schnelleren Einstieg zu ermöglichen. Damit wollte die Börse Druck aus dem Markt nehmen, der sich im Vorfeld schon auf dem Terminmarkt abgezeichnet hatte. Die Futures auf die US-Indizes waren bereits um mehr als fünf Prozent gefallen. Damit der Handel gestoppt wird, müsste der S&P gleich um sieben Prozent einbrechen.

Die Schwäche der Märkte hat möglicherweise auch Rückwirkungen auf die US-Notenbankpolitik. Dennis Lockhart, Chef der Notenbank Atlanta, sagte am Montag, er erwarte nach wie vor eine Anhebung der Zinsen im Laufe des Jahres. Anders als noch Anfang August wiederholte er aber nicht, seiner Ansicht sollte der Schritte schon im September erfolgen. Lockhart gilt als Falke, als Befürworter eine harten Notenbankpolitik. Wenn er schon nicht mehr ausdrücklich am September-Termin festhält, ist das ein Zeichen, dass die Notenbank bei der Straffung der Geldpolitik extrem vorsichtig vorgehen wird.

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