Zypern-Rettung
Enteignung kostet Vertrauen

Die Zwangsabgabe auf zypriotische Einlagen sorgt für Unruhe: Schwerer als die Milliarden, die auf dem Spiel stehen, wiegt der mögliche Vertrauensverlust. Anleger könnten sich fragen, ob ihr Geld in Europa sicher ist.
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Kleines Land, große Sorgen: Das geplante Rettungspaket für Zypern sorgt an den Finanzmärkten kurzfristig für Unsicherheit. Schwerer als die Milliarden, die auf dem Spiel stehen, wiegt der mögliche Vertrauensverlust. Besonders die mögliche Zwangsabgabe auf Spareinlagen bei zypriotischen Banken sorgt für Unruhe unter Investoren. Sie fragen sich, wie sicher ihr Geld in der Euro-Zone ist.

„Obwohl die Politiker bei der Pressekonferenz zum Hilfspaket versucht haben, dies als einmaliges Ereignis darzustellen, waren sie nicht bereit, ähnliche Maßnahmen woanders auszuschließen. Nicht dass das eine Rolle spielen würde, denn das Vertrauen ist weg. Wenn man dies einmal tun kann, kann man es wieder tun“, sagte Lars S. Christensen, Chef der dänischen Saxo Bank.

Bereits am Schuldenschnitt für Griechenland mussten sich Investoren beteiligen. Ein Einzelfall sei das, hieß es damals. Nun droht mit Zypern der nächste „Einzelfall“, bei dem diesmal sogar Bankeinlagen betroffen wären.

Der Euro rutschte am Morgen zeitweise auf 1,2883 Dollar ab, anschließend erholte er sich etwas. Anleihen aus Spanien, Italien und Portugal gerieten unter Druck. Gefragt waren dagegen Bundesanleihen. Die Kurse für zehnjährige Papiere stiegen, die Rendite fiel auf 1,4 Prozent, nach 1,452 Prozent am Freitag.

Auch an den Aktienmärkten reagierten die Anleger angespannt. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, schossen in der Spitze um jeweils etwa 20 Prozent in die Höhe. Im Gegenzug fiel der Dax um ein Prozent. In Tokio war der Nikkei zuvor mit einem Minus von 2,7 Prozent aus dem Handel gegangen.

Infografik

Zypern

Basisdaten

BIP-Wachstum und Haushaltssaldo

in Prozent


Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's hätte die Zwangsabgabe schwerwiegende Folgen nicht nur für heimische Bankkunden. Auch für Gläubiger von Banken anderer europäischer Länder ergäben sich negative Implikationen, schreibt die Agentur in einem Bericht vom Montag. Unter anderem erhöhe die Entscheidung der Eurogruppe vom Wochenende das Risiko der Kapitalflucht aus anderen Euro-Krisenländern.

Die Ansteckungseffekte über die Anleihemärkten schätzt die Agentur indes geringer ein. Die Gefahr einer Umschuldung wie in Griechenland, als Inhaber von Staatsanleihen auf einen Großteil ihres Kapitals verzichten mussten, sei vorerst gebannt. Allerdings weiche der Beschluss, Bankkunden eine Zwangsabgabe auf ihre Einlagen aufzubürden, entscheidend von vorherigen Fällen ab, so Moody's.

„Die Bedingungen des Hilfspakets für Zypern können nicht isoliert betrachtet werden. Die Signale, die damit an angeschlagene Euro-Länder und ausländische Bankkunden gesendet werden, sind unmissverständlich“, sagte Simon Evenett, Professor an der Universität von St. Gallen. „Dies ist zwar keine Situation wie Lehman Brothers, das mangelnde Bewusstsein für die systemischen Gefahren ist aber offenkundig.“

Ökonomen fürchten, dass die Euro-Krise wieder aufflammen könnte. Die Kapitalflucht aus dem Euro war eigentlich gestoppt – dank der Erklärung von EZB-Chef Mario Draghi. Er hatte Ende Juli des vergangenen Jahres erklärt, die Notenbank werde alles tun, um den Euro zu retten. Das Signal wirkte. Kapital floss zurück nach Europa, besonders die Krisenstaaten in Südeuropa profitierten davon. Sollte sich nun erneut Unsicherheit unter den Investoren breit machen, könnte die Welle nun wieder zurückschwappen. Die Befürchtungen, dass Bankkunden in europäischen Ländern ihre Konten leerräumen könnten, haben sich bislang nicht bestätigt. Ein Bank-Run, wie ihn manche Experten prophezeit hatten, ist außerhalb Zyperns kein Thema.

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  • @Insider: Absolut richtig. Schauen Sie sich mal die Entwicklung der Geldmenge M3 der letzten 10 Jahre an. Über 5% p.a. Wachstum, vor der Krise (2002-2008) wuchs M3 sogar mit über 8% p.a. Die „offiziellen“ Preisindizes zeigen nicht die Blasenbildung in Vermögensgegenständen wie Immobilien. In Portugal, Griechenland sowie insbesondere Spanien und Irland hatten wir angefacht durch die Niedrigzinspolitik einen Immobilienboom, der – politisch gewollt – der wesentliche Treiber des Wirtschaftswachstums in diesen Ländern war. Heute schreiben wir diesen ‚Wertzuwachs’ der Immobilien über das Bankensystem ab und sozialisieren die Verluste in der Eurozone. In Ländern mit niedrigen Nominalzinsen wie Deutschland führt dies zu negativen Realzinsen, so dass Sparer, Besitzer von Lebensversicherungen usw. die Rechnung tragen. Klar ist ein Ausweichen in Aktien u.ä. eine Alternative, aber Versicherungen können dies aufgrund von Anlagerichtlinien häufig nur sehr eingeschränkt. Die ungedeckten Pensionsverpflichtungen der Unternehmen werden allerdings auch langsam zum Problem, so dass auch hier der Preis für die Niedrigzinspolitik gezahlt wird.

  • Alles richtig!Die richtige Inflation liegt um die 3,5%-5%.Die Leute wissen das.Selbst die Gewerkschaften.Deshalb schließen sie in diese Höhe auch die neuen Tarifverträge an.Nur unser Draghi weiß es nicht.Warum nicht? Nun würde er den Leitzins auf mindestens 3,5% erhöhen,so müssten seine südländischen Freunde diesen Spread mitbezahlen(Auktionen Staatsanleihen).Da sie aber jetzt schon jetzt 4-5% bei über Fünfjährigen abdrücken müssen,wäre dies der Staatsbankrott ,so jedenfalls deren Denke.Deshalb griff er auch ein(Londoner Rede 26.07.12) als sich die Zinsen auf über 7% zubewegten.Das ist der wahre Grund der niedrigen Zinsen.Das und nichts anderes.Und unser Schäuble hält still,da er davon profitiert,siehe dt.Negativzins.Die Geprellten sind die deutschen Kleinsparer und Kapitalversicherungsnehmer,da der Garantiezins sinkt,weit unter deren Inflationsrate.Die Italiener und Spanier sind weniger betroffen,da hier die Zinsen immer noch bei 5-6% und damit über der Inflationsrate liegen!Außerdem stecken sie mehr Geld in Immobilien und weniger in Festverzinsliche,das kommt noch dazu!
    Fassen wir zusammen:Der Spread zwischen dt.und ital/span.Staatsanleihen ist der awhre Grund für die Draghische Nullzinspolitik,nicht die wirkliche Inflationsrate.Unsere Regierung hält aus kurzfristigen Erwägungen- Stichwort dt.Negativzins-still.Langfristig schlecht,da fehlende Rendite in der privaten Altersvorsorge für dt.Versicherungsnehmer.Das Geld wird also zukünftig für den Konsum in Deutschland fehlen und das Rentenproblem weiter verschärfen,denn nur 8,8% der Deutschen halten Aktien oder Aktienfonds,auch in der privat.Altersvorsorge.Die langfristigen Gewinner sind die Landsmänner Draghi´s.Die sitzen im Alter zu fetten Bezügen in der eigenen Wohnung oder bzw. im eigenen Haus.Wir sehen also real einen Vermögenstransfer von Nord nach Süd.Das sollte jedem klar sein!

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