Internationale Presseschau vom 1.12.2008
Dreiste Ignoranz der Dritten Welt

Die internationale Wirtschaftspresse beklagt die Abwesenheit führender Vertreter der reichen Industrienationen auf dem UN-Gipfel in Doha. All Things Digital hält die Meldung, Microsoft werde einen Teil von Yahoo übernehmen, für reine Fiktion. Der Observer lüftet ein deutsches Geheimnis aus dem Jahr 1978. Fundstück: Russland setzt auf die partysüchtige Jugend.

Beschämend findet The National aus den Vereinigten Arabischen Emiraten die Abwesenheit der meisten Repräsentanten der Industriestaaten, der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds auf dem UN-Gipfel in Doha. "Die Entwicklung der Weltwirtschaft ist offenbar vom Radarschirm der größten Wirtschaftsnationen herunter gefallen. Für die Entwicklungsländer ist das bitter, wurde doch die aktuelle Krise nicht durch sie, sondern durch die Gier und Rücksichtslosigkeit in den reichen Ländern ausgelöst", moniert das Blatt. Die fatale Folge: Kapital, das einst in dritte und Schwellenländer investiert worden sei, werde nun zurückgehalten. "Das könnte Konsequenzen haben", warnt The National. Denn schwelende ethnische und religiöse Spannung in diesen, von der Welt benachteiligten Ländern könnten zunehmen. Jüngste Beispiele seien Kongo und Nigeria. "Globalisierung bedeutet nicht nur niedrigere Hemmschwellen für Kapital, Ideen und Arbeit, sondern auch für Gewalt und Verzweiflung."

"Die UN hätten ihren Gipfel zur Entwicklungsfinanzierung statt in Doha vielleicht besser in New York oder London veranstalten sollen", konstatiert die Frankfurter Rundschau - denn auf eigener Bühne hätten die Reichen und Mächtigen die UN-Konferenz wohl nicht so dreist ignoriert. Erstaunt hat die Zeitung insbesondere die Abwesenheit des Weltbank-Bosses Robert Zoellick. "Noch vor kaum zehn Tagen hatte Zoellick auf dem Weltbankforum in Frankfurt mehr Geld für die Ärmsten der Armen gefordert - um die lebensbedrohlichen Folgen der Finanzkrise zu bekämpfen." In Doha nun hätte Zoellick vor einem großen Forum für mehr Hilfe trommeln und damit ein Signal in die Kapitalen der Ersten Welt senden können - auch "wenn man dort die SOS-Rufe aus Autohäusern und Bankentürmen viel bereitwilliger vernimmt." In der Krise versuchten die Gebernationen offensichtlich zu sparen. Da wäre es schon ein Erfolg, wenn am Ende der Doha-Konferenz am Dienstag zumindest alle noch einmal bekräftigten, ihre vollmundigen Zusagen früherer Jahre einzuhalten.

Die Tageszeitung aus Berlin rückt u. a. die Abwesenheit von US-Vertretern auf der Doha-Konferenz in den Fokus: "Vor allem die USA machen deutlich, dass sie eine etwaige Neuordnung des Weltfinanzsystems keinesfalls unter der Ägide der Vereinten Nationen dulden wollen." Dies sei, so ein Mitglied der Entwicklungsorganisation Terre des Hommes gegenüber dem Blatt, aus "zivilgesellschaftlicher Sicht enttäuschend", gehe es doch hier um die Überprüfung der internationalen Finanz- und Währungsarchitektur und der globalen Wirtschaftsstrukturen. So hätten die USA klar gemacht, dass in Doha keine Klimaverhandlungen geführt würden, obwohl viele Politiker vor dem Gipfel auf die Bedeutung des Klimaschutzes gerade für den Süden hingewiesen hätten. Und auch die geplante Aufwertung des UN-Ausschusses für Steuerfragen, die für eine Koordinierung des Kampfs gegen Steuerflucht so wichtig sei, könne noch am Widerstand der Vereinigten Staaten und einiger anderer Länder scheitern. Bis Dienstagabend werde noch an der Abschlusserklärung von Doha gefeilt, doch es dürfte ein sehr schwacher Kompromiss werden.

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