Internationale Presseschau vom 13.10.2008
Geburt einer Weltfinanzordnung

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich in der Bewertung des G7-Aktionsplans gespalten. Die Globe and Mail warnt vor einem Zusammengang von GM und Chrysler. Im Spiegel drischt IG-Metall-Chef Huber auf deutsche Ökonomen ein. Und die Welt gratuliert TUI zum Verkauf von Hapag-Lloyd. Fundstück: Chefs sind auch nur Affen.
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Als mögliche Geburtsstunde einer Weltfinanzordnung interpretiert die Süddeutsche Zeitung die Beschlüsse auf dem Treffen der Finanzminister der großen Industrienationen. Die G7 und ihre Zentralbanken "haben erstmals eine globale Antwort auf die globale Krise des Finanzsystems gegeben", diese Errungenschaft gelte es zu würdigen, bevor man über all die Mängel und Unwägbarkeiten spreche, die der Plan von Washington enthalte. Denn zu der größten konzertierten Staatsintervention der Nachkriegsgeschichte gebe es letztlich keine Alternative. Aber auch die Banken müssten Konsequenzen ziehen. Ausgerechnet sie, die zu den heißesten Verfechtern freier Märkte gehörten, hätten missachtet, dass Transparenz unentbehrlich ist, damit Märkte funktionieren. "Die Erfahrung lehrt aber, dass Unternehmen wie Banken Marktregeln bewusst außer Kraft setzen, wenn sie so ihren Gewinn steigern können - sei es, indem sie Kartelle bilden oder eben die Risiken von Finanzprodukten verschleiern." Deshalb sei es so wichtig, dass die G7 in Washington beschlossen haben, der Finanzwelt Regeln aufzuerlegen, wie sie jeder funktionierende Markt brauche.

Die Washington Post zeigt sich angesichts des Aktionsplans der G7-Industrienationen dagegen skeptisch. Kritiker beschrieben ihre Antworten auf die Krise als zu fad und zu vage, um die in Panik versetzten Investoren zu beruhigen. "Eine koordinierte globale Antwort auf die Krise bedarf enormer Ressourcen. Der fragmentarischer Ansatz einzelner Länder hilft nicht, die Schwäche des globalen Systems zu beheben." Man brauche spezifische, konkrete Maßnahmen, und nicht Prinzipien die nahe liegend sind und zu denen jeder zu leicht Ja sagen kann, zitiert das Blatt einen Kritiker des G7-Aktionsplans. Selbst eine Erweiterung auf die so genannten G 20-Staaten, inklusive Brasilien, China und Mexiko, bringe nicht viel: "Ihre Autorität und ihr Spielraum für diese Mission sind zu begrenzt."

Die Korea Times betont, dass der Albtraum, den die Finanzmärkte gerade durchleben, nicht nur einzelne ausgewählte Nationen beträfe, sondern weltweite Kreise ziehe. Daher sei es höchste Zeit, "gemeinschaftliche Maßnamen gegen die Krise zu ergreifen." Die Globalisierung habe in den vergangenen Jahren Nationen dabei geholfen, ihren Handel auszudehnen, sie habe außerdem für Unabhängigkeit sowie Synchronisation der Finanzmärkte gesorgt. Kein Wunder also, wenn sich die wirtschaftliche Krise eines einzelnen Landes unweigerlich in eine globale verwandele. Diese müsse nun multilateral gelöst werden, "kein Land wird mit diesen Problemen allein fertig." Umso ermutigender seien deshalb die Bemühungen sowohl der Entwicklungs- als auch der entwickelten Länder, um diese "finanziellen Seuche" mit koordinierten Maßnahmen einzudämmen. Immerhin hätten die G7-Staaten versprochen, alles Notwendige zu tun, um weitere Zusammenbrüche zu verhindern.

Für das Bekenntnis der G7-Staaten, "alle notwendigen Maßnahmen" im Kampf gegen die Finanzkrise zu ergreifen, hat die Brisbane Times nur ein mildes Lächeln übrig. Für das australische Blatt spielen die führenden Industrienationen keine große Rolle mehr, sondern nur noch allein die USA und China. "Die Volksrepublik hält Devisenreserven im Wert von 2 Billionen US-Dollar. Diese Anteile werden kaum transparent gemacht, Experten zufolge sollen aber 70 Prozent in Darlehen der US-Regierung und ihrer Behörden stecken." Dies mache das Verhältnis zwischen den beiden Nationen fragil: Die USA schuldeten der chinesischen Regierung 10 Prozent ihres eigenen Bruttosozialprodukts - und seien von ihrem Wohlwollen abhängig. So habe Amerika den Chinesen z. B. schon Sicherheit für ihre Anteile an Fannie Mae und Freddie Mac garantieren müssen. China wiederum habe geschockt, wie unsicher seine Investitionen in den USA seien: "China steht jetzt zwischen den USA und dem nationalen Ruin." Das Land werde sich deshalb für die Zukunft wappnen. "60 Jahre lang haben die USA das Finanzsystem geformt und Ziele und Forderungen auch mit Drohungen durchgesetzt. Diese Rolle ist nun China zugefallen."

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