Internationale Presseschau vom 14.10.2009
Opel: Politische Risiken programmiert

Die internationale Wirtschaftspresse beobachtet das Finale bei Opels Loslösung von GM. Für die Börsen-Zeitung ist die teilweise Entmachtung von Thilo Sarrazin ein Trauerspiel. Fortune rechnet mit dem Mann ab, der hinter der größten US-Bankenpleite in diesem Jahr steht. Die Franzosen sehen kein Licht am Tunnelende. Fundstück: Spanier ohne Zahlungsmoral.
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Am morgigen Donnerstag wird voraussichtlich der Kaufvertrag mit Magna unterschrieben - eine teilweise Loslösung vom US-Konzern General Motors (GM) und der Einstieg des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna und der russischen Sberbank. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung hat Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) erklärt, dass bis morgen zwar noch nicht alle Details zur Staatshilfe von 4,5 Milliarden Euro geklärt seien. Doch es sollten "die Eckpunkte der Finanzierung stehen" - Deutschland werde die Unterstützung für Opel nicht abhängig machen von Beiträgen anderer europäischer Länder mit Standorten des Autobauers. Neben dem Finanzierungsrahmen müsse zur Vertragsunterzeichnung auch der Sparbeitrag der Mitarbeiter von jährlich 265 Millionen Euro bis zum Jahr 2014 feststehen. Laut Verhandlungskreisen wolle Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz in den Gesprächen über diese Kostensenkung "noch einmal Dampf machen", um zu einem Ergebnis zu kommen.

Die Gaceta de los Negocios berichtet, dass ein Spitzentreffen zwischen Regierung, Magna und dem Präsidenten von Opel in Spanien keine Ergebnisse gebracht habe. Keiner der Verhandlungspartner habe sich von seiner ursprünglichen Haltung abbringen lassen, und so sei die Zukunft des Opel-Werkes im nordspanischen Figueruelas weiterhin offen. Trotz intensiver Besprechungen halte Magna an seinen Plänen fest, die Produktion des dreitürigen Opel Corsa nach Eisenach in Deutschland zu verlegen und entsprechende Stellen in Spanien abzubauen. Das dürfe sich die Gewerkschaft und auch die spanische Regierung nicht gefallen lassen, habe José Juan Arceiz, Verhandlungsführer für die spanischen Opel-Werke, erklärt. Über die brisante Frage der Arbeitsplätze sei gar nicht verhandelt worden, zitiert die Zeitung eine weitere Quelle. Zu verschieden seien die Standpunkte der Verhandlungspartner gewesen. Rücke Magna nicht von seinen Plänen ab, so werde die Belegschaft in Streik treten.

Die britische Financial Times blickt nach Russland. Der Business-Plan von Magna und somit die Zukunft von Opel hänge weitestgehend davon ab, ob es Magna gelingen werde, die Geschäfte in Russland, gemeinsam mit dem zweitgrößten russischen Autobauer Gaz, auszubauen. Mit 4,5 Milliarden Euro an Garantien von europäischen Regierungen, der Rückendeckung der Sberbank und dem Segen des Kreml müsse es Magna schaffen, einen Teil der russischen Autoindustrie vor dem Bankrott zu retten und wieder aufzubauen. Doch der Schachzug in Russland sei so riskant wie mutig. Die Nachfrage auf dem russischen Automarkt sei in diesem Jahr um mehr als die Hälfte eingebrochen, und nach Einschätzung des Industrieministeriums werde die Autobranche erst 2014 wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen. Das jüngste Ultimatum von Russlands Premier Wladimir Putin an Renault zur Rettung des größten Autobauers Avtovaz (an dem die Franzosen zu 25 Prozent beteiligt seien) zeige, dass Magna politische Risiken bevorstünden. Auch drohten Konflikte zwischen den neuen Mehrheitseigentümern von Opel auf der einen Seite und GM auf der anderen Seite.

In einem zweiten Artikel zu Opel berichtet die Financial Times , dass die größte britische Gewerkschaft Unite eine Einigung mit Magna erzielt habe. Damit sei gesichert, dass die Firma auch nach 2013 noch Autos in den beiden britischen Fabriken von General Motors produzieren werde.

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