Internationale Presseschau vom 14.8.2009
Rezession beendet, Enttäuschung programmiert

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert skeptisch das Wachstum der deutschen und französischen Wirtschaft im zweiten Quartal. Die Business Times beschreibt den Goldrausch in Russland. BusinessWeek lauscht dem neuen italienischen Wind bei Chrysler. Fortune zweifelt an der Leistung der US-Börsenaufsicht SEC. Fundstück: Käse im Tresor.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal dieses Jahres wieder gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg um 0,3 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten. Gleiches Bild in Frankreich, wo das leichte Wachstum ebenso überraschend kam. Kein Zweifel, der französisch-deutsche Wirtschaftsmotor habe sich erholt, schreibt die britische Financial Times. Die Frage sei nur, ob er weiter summen oder irgendwann zischen und schließlich abgewürgt werde. Doch bislang seien die Zeichen gut. In beiden Ländern habe ein Zuwachs bei den Exporten zum Wachstum beigetragen, was als Beleg für die Qualität der europäischen Exportwirtschaft gewertet werden könne, da das Plus trotz eines historisch starken Euros erfolgt sei. „Schuldenfinanzierte öffentliche Ausgaben haben beide Wirtschaften angekurbelt. Jetzt muss die Behandlung fortgesetzt werden, bis sich die Patienten vollkommen erholt haben“, schließt die FT.

Im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung stellt der UBS-Ökonom Dirk Faltin einen erneuten Einbruch der deutschen Wirtschaft, sobald die staatlichen Konjunkturprogramme auslaufen, in Aussicht. „Die Probleme, die bei der Rückführung aller politischen Maßnahmen entstehen, werden das Wachstum belasten. Die Staaten werden sparen müssen und werden viel weniger ausgeben können“, erklärt der Ökonom. Vor diesem Hintergrund gebe es „sehr viel Potenzial für Enttäuschungen“ im nächsten Jahr. Er glaube nicht daran, dass die deutschen Exporte jemals wieder das Niveau von vor der Krise erreichen könnten. „Wir werden in Zukunft weltweit viel weniger Kreditvergabe sehen. Dadurch wird es auch weniger Außenhandel geben.“ Außerdem orientierten sich viele Länder vermehrt nach innen und stützten vor allem die heimische Wirtschaft.

Les Echos aus Frankreich gießt ebenfalls Wasser in den Wein. Die Zahlen zum Wachstum seien vorwiegend auf den starken Konsum und den Beitrag des Exportgeschäfts zurückzuführen. Und in beiden Bereichen sei die weitere Jahresentwicklung ungewiss: Der Konsum sei durch die niedrigen Preise und die Abwrackprämie in Fahrt gekommen – zwei Faktoren, die in den kommenden Quartalen schwächer ausfallen würden. Beim positiven Außenhandelsgeschäft seien die verringerten Importe ausschlaggebend gewesen – und keineswegs die Stärke der eigenen Exportprodukte.

Die Wirtschaftswoche rechnet mit weiteren positiven Überraschungen in den nächsten Quartalen: Nachdem die Unternehmen ihre Lagerbestände drastisch heruntergefahren hätten, müssten sie die Nachfrage nun durch neu produzierte Güter befriedigen und ihre Lager aufstocken, was wiederum die Produktion ankurbele. Hinzu komme, dass die staatlichen Konjunkturprogramme der Bauwirtschaft Impulse gäben und die anziehende Weltwirtschaft den Exporteuren steigende Aufträge verschaffe. Dennoch sei es verfehlt, jetzt einen neuen Boom auszurufen. „Spätestens ab Mitte 2010 werden die Notenbanker zudem die geldpolitischen Zügel straffen müssen – und die Politiker an der Steuerschraube herumfummeln. Auch wenn das die Wirtschaft nicht gleich in die Rezession zurückwirft, raubt es ihr doch den Schwung.“

Seite 1:

Rezession beendet, Enttäuschung programmiert

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%