Internationale Presseschau vom 15.4.2009
Goldman Sachs streift die goldenen Fesseln ab

Die internationale Wirtschaftspresse warnt davor, das Versprechen von Goldman Sachs, die Hilfen der US-Regierung zurückzahlen, als Zeichen des beginnenden Aufschwungs zu werten. Economist und Les Echos kommentieren die neue Rolle des Internationalen Währungsfonds. Ilsole24 wundert sich über die Kehrtwende der italienischen Bank UBI. Fundstück: Dem Lippenstiftindex folgt das Unterhosenbarometer.

Goldman Sachs? Ankündigung, dass staatliche Troubled Asset Relief Programme (TARP) bald zu verlassen, müsse die US-Regierung beunruhigen, meint die Financial Times . "Die Bank hat gern die Hilfsgelder angenommen, nun will sie offenbar die goldenen Fesseln wieder abstreifen und zehn Milliarden Dollar in Form von Aktien und Aktienoptionsscheinen zurückgeben." Zu schaffen sei dies durchaus, mit Blick auf den jüngsten Quartalsgewinn in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar und die Kapitalerhöhung. "Das Leben unter TARP schein besser zu sein als der Tod, aber nicht viel mehr: Der Congress redet der Bank hinein und stellt Bedingungen." Insofern sei der Wunsch, TARP zu verlassen, verständlich. "Doch damit könnte die Rezession verlängert werden. Denn noch immer ist das US-Bankensystem unterkapitalisiert. Kratzt eine Bank ihr Kapital zusammen, um TARP zu verlassen, fehlt das Geld später für die für die Erholung so wichtigen Kredite." Und die meisten Institute seien nun mal nicht in der Position, das Geld der US-Regierung zu ignorieren. Diese sollte deshalb genau abwägen, welches Institut sie aus TARP entlässt und welches nicht. "Goldman Sachs scheint zu sagen, dass sie nichts zu verlieren haben als ihre Ketten. Doch für den Rest der Gesellschaft steht mehr auf dem Spiel."

Ein gesundes, aber riskantes Selbstbewusstsein unterstellt die Börsenzeitung Goldman Sachs: "Auch wenn die schärfste Finanzkrise seit Generationen wütet: Das Selbstbild von Goldman Sachs als Meister der Risiken hat darunter nicht gelitten." Die Bank werde jetzt erst recht zum reinen Handelshaus und mache ihrem Status als weltgrößter Hedgefonds wieder einmal Ehre. Mit Anlagen auf eigene Rechnung habe sie weniger Geld in den Sand gesetzt als im Schlussquartal 2008, und nun laufe es im Handel wieder, das erkläre den Gewinnsprung. Und bevor irgendwelche Wettbewerber mit enttäuschenden Quartalszahlen die Stimmung vermiesen könnten, habe Goldman ihr Kapital um fünf Milliarden Dollar erhöht, um so rasch wie möglich die Hilfen des Staates zurückzuzahlen. "Offenbar glaubt man in der Chefetage, das Geld nicht mehr zu brauchen, weil die Krise bald ausgestanden ist." Man dürfe annehmen, dass Banker der öffentlich gestützten Konkurrenten bei Goldman Schlange stehen werden, sobald das Haus den Staat ausgezahlt und bei der Vergütung wieder freie Hand habe. "Die Risikofreude wird dies kaum mindern. Es ist nun Aufgabe des Staates, sie im Zaum zu halten. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wer den Kopf hinhalten muss, wenn großen Marktteilnehmern die Risiken über den Kopf wachsen."

"Wenn Goldman Sachs-Vorstand Lloyd Blankfein sein Geld dorthin schieben will, wo sich sein Mund befindet, dann dürfte er nicht bei den zehn Milliarden Dollar aufhören, die ihm die US-Regierung im Herbst 2008 gegeben hat", fordert BusinessWeek. Die Entscheidung, das Geld zurückzuzahlen, werde von vielen als Demonstration der Stärke der US-Bank gewertet, doch letztlich gehe es Blankfein nur darum, sich vom Mandat des Staates zu befreien und wieder allein über die Gehälter der Führungskräfte und Boni zu entscheiden. An dem Wunsch, TARP zu verlassen, sei grundsätzlich nichts falsch, aber wenn Blankfein schon den Steuerzahlern aus der Klemme helfen wolle, dann richtig. "Und dazu sollte er auch die 13 Milliarden Dollar zurückgeben, die er über das Rettungsprogramm für AIG erhalten hat. Denn wenn die US-Regierung AIG nicht geholfen hätte, wäre der letzte Quartalsverlust bei Goldman Sachs sehr viel höher ausgefallen. Bankfein schuldet Uncle Sam ein wenig Dank." Zwar könne Goldman Sachs argumentieren, dass der Staat letztlich nur sicher gestellt habe, dass AIG auf der Basis seiner vertraglichen Abmachungen weiterlebt, doch wie die Finanzkrise nun gezeigt habe, könnten Verträge auch mal gebrochen werden. "Letztlich war die US-Regierung nicht gezwungen, die Geschäftspartner von AIG vor dem Kollaps zu bewahren."

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