Internationale Presseschau vom 18.2.2008
Autobauer und die Vollbremsung bei Nebel

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die gestrigen Hiobsbotschaften von Daimler, GM und Chrysler. Michael H. Spreng kritisiert in seinem Blog die angekündigte Steuerreform der Union als innerparteiliche Befriedungsaktion. "Ist die Fed bankrott?", fragt Telepolis. Newsweek beobachtet den Niedergang der Ölzaren. Fundstück: Wer hat Angst vorm Elendtier?

Die Detroit Free Press spricht sich dafür aus, General Motors und Chrysler zusätzlich zu den 17,4 Milliarden Dollar weitere 21 Milliarden Dollar an staatlichen Hilfen zu verabreichen, wie gestern von den Unternehmen erbeten. Ob die vorgelegten Pläne zur Sanierung der Unternehmen plausibel seien, müsse das von Barack Obama am Montag ernannte Team von "Auto-Beratern" in den kommenden sechs Wochen prüfen. Immerhin seien die Pläne weitaus detaillierter als die von den Empfängern der Rettungspakete an der Wall Street vorgelegten. "GM und Chrysler haben ein detailliertes Konzept vorgelegt, was sie mit den Steuergeldern vorhaben und wie sie sie zurückzahlen möchten." Keiner könne den beiden Firmen jetzt vorwerfen, dass sie nicht zu schmerzhaften Opfern bereit seien, blickt das Blatt auf die angekündigten Stellenkürzungen (47.000 bei GM, 3000 bei Chrysler). Um ein Desaster zu verhindern, schließt die Detroit Free Press, müssten Präsident Obama und der Kongress rasch handeln.

Die Neue Zürcher Zeitung beobachtet die deutsche "Empörungswelle", die in der Forderung nach einer Herauslösung von Opel aus dem GM-Verbund und dem Einstieg des Staats gipfele. Die ganze Aufregung erscheine reichlich konstruiert. Denn weder seien die Schließungspläne bestätigt worden, noch gebe es eine betriebswirtschaftliche Logik, nach der Opel mit seinen 25.000 Mitarbeitern als winziger Solitär im globalen Wettbewerb überleben könnte. Demgegenüber habe Daimler am gleichen Tag eindrücklich gezeigt, wie sich ein kompetentes Management auch in der Krise bewähren könne - ganz ohne Staatshilfe. "Trotz dem drastischen Absatzeinbruch vertraut Daimler auf eigene Stärken, die Marke, die Technik, die Führung. Den Appell von Konzernchef Dieter Zetsche, die Regierungen möchten bitte keine gravierenden Wettbewerbsverzerrungen auslösen, sollten alle Politiker ernst nehmen", mahnen die Schweizer.

Die Süddeutsche Zeitung erkennt in dem gestern von Daimler-Chef Dieter Zetsche angekündigten Sparprogramm eine "Vollbremsung bei Nebel". Zwar sei das Volumen von mehreren Milliarden Euro beachtlich, gleichwohl sei es bei einer gravierenden Verschärfung der Krise möglicherweise längst nicht ausreichend - dazu habe Daimler inzwischen viel zu viele Risikostellen: Leasingflotte, die Werke und das Händlernetz könnten sich als notorische Kostgänger erweisen. Besorgnis erregend sei besonders die Nettoliquidität des einstigen Vorzeigekonzerns: Von den 6,7 Milliarden Euro zum Ende des dritten Quartals seien drei Monate später nur noch 3,1 Milliarden Euro geblieben. "Ohne Moos nichts los: Auch den sparsamen Schwaben fehlt es in der Wirtschaftskrise an Milliarden. Dr. Z. muss die Pannen-Warndreiecke aufstellen - wenn er seinen Job noch lange hat."

Les Echos aus Frankreich greift den gestrigen Ausblick von Daimler-Chef Dieter Zetsche auf ein "Darwin-Jahr" 2009 auf. Vor dem Hintergrund, dass es weltweit viel zu viele Autobauer und veraltete Fabriken gebe, meinen die Franzosen, dürften Darwin und die natürliche Selektion - nur die Starken überleben - tatsächlich siegen. Gleichwohl sei das theoretisch Annehmbare offenbar sozial inakzeptabel. Alle Regierungen stimmten zwar darin überein, dass es Zeit sei, einige Fabriken zu schließen - aber nur im Ausland: Die Amerikaner wollten Standorte in Europa schließen, während die Franzosen ihr "made in France" schützten. Fazit von Les Echos: "Darwin sitzt zwar noch nicht am Steuer, aber man kann sich nicht ewig den strengen Gesetzen des Marktes entziehen."

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