Internationale Presseschau vom 18.3.2009
AIG wird zum Belastungstest für Obama

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Empörung über die Boni-Zahlungen an das Management des staatlich kontrollierten US-Versicherungsriesen AIG. In der Financial Times fordert Ex-Finanzminister Henry Paulson ein neues dreiteiliges Regierungssystem. Fortune analysiert den Kurs des neuen Google-Finanzchefs. Fundstück: Hau den Bernie.

Das Wall Street Journal erkennt in der von Barack Obama am Montag geäußerten Kritik am AIG-Management - ihre Boni-Forderungen in Höhe von 165 Millionen Dollar seien rücksichtslos und gierig - ein Ablenkungsmanöver: Der US-Präsident und der Rest der politischen Riege versuchten, die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Grund der Empörung zu lenken: dass monatelang vertuscht worden sei, wohin der Großteil der 173 Milliarden Dollar an Steuergeldern zur Rettung von AIG geflossen seien, nämlich an Banken und Regierungen weltweit, darunter mindestens 13 Milliarden Dollar an Goldman Sachs - obwohl die Investmentbank zuletzt beteuert habe, auf einen "Bailout" nicht angewiesen zu sein. "Die US-Politiker und Regulatoren sollten einen Teil ihres Ärgers auf sich selbst richten - weil sie den Untergang von AIG durch die Ablösung von Maurice Greenberg (Ex-Chef von AIG, d. Red.) ausgelöst, die riskanten Geschäfte nicht überwacht und schließlich einen Berg an Steuergeld zur AIG-Verstaatlichung verprasst haben." Die Regulatoren müssten jetzt dafür sorgen, dass AIG so schnell wie möglich zurück in private Hände komme.

In der New York Times greift der dreifache Pulitzer-Preis-Träger Thomas L. Friedman die Empfehlung eines prominenten US-Senators auf, der den AIG-Managern nahegelegt habe, im Stil von japanischen Managern Selbstmord zu begehen. Dies signalisiere, dass das Ausmaß der Empörung im Land das gefährliche Level von "Fegefeuer der Eitelkeiten" erreicht habe. In diesem Klima des Ärgers werde es umso schwieriger, grünes Licht für den in Kürze von der Obama-Regierung vorgestellten Plan zur Rettung von US-Banken zu bekommen. Dieser werde u.a. vorschlagen, die im TARP-Fonds verbliebenen rund 250 Milliarden Dollar einzusetzen, um die giftigen Assets aus den Büchern der Banken zu entfernen. "Der Plan ist sinnvoll und, wenn er richtig umgesetzt wird, könnte sogar den US-Steuerzahlern Gewinne einbringen", wirbt Friedman. Zu diesem Zweck müsse sich jeder, der Einfluss auf die Stabilisierung und Reform des Systems habe, engagieren - inklusive der AIG-Broker, die auf ihre 165 Millionen Dollar an Bonuszahlungen freiwillig verzichten müssten. Für Obama selbst werde die Umsetzung des Banken-Plans im Klima der AIG-Empörung zum ersten großen Belastungstest.

Der US-Wirtschaftsdienst Marketwatch.com misstraut der Erklärung von Beratern von US-Präsident Barack Obama, dass es keine legalen Wege gebe, um die vertraglich fixierten Bonuszahlungen der AIG-Manager für das vergangene Jahr zu stoppen. „Verträge werden im Wirtschaftsleben jeden Tag missachtet – manchmal aus keinen guten Gründen, manchmal aus sehr guten Gründen wie beim Betrug oder bei einem Vergehen bei der Lieferung der vertraglich zugesicherten Waren oder Dienstleistungen“, schreibt Marketwatch.com. „Sollen die AIG-Zauberer doch ihre Boni einklagen. Glaubt irgendjemand, dass sie diese nach jahrelangen Gerichtsverhandlungen tatsächlich bekommen und schließlich Schadenersatz erhalten, der über den 165 Millionen Dollar liegt?“

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