Internationale Presseschau vom 18.9.2008
Die Stunde der Krisengewinner

Die internationale Wirtschaftspresse verfolgt die weltweiten Schockwellen der US-Finanzkrise und zeigt, wer von ihnen profitiert. Bild will deutsche Staatsbanken dichtmachen. Newsweek geißelt die wirtschaftspolitischen Ausführungen von John McCain. Der Independent rät Gordon Brown zur Rückkehr ins Schatzamt. Fundstück: Bahn buhlt um Blumen.
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Die Presse aus Wien kommentiert die Auswirkungen der US-Banken- und Versicherungskrise auf den österreichischen Markt. "Weil (das kaum noch vorhandene) Vertrauen in diesem Sektor so wichtig ist, würde man sich wünschen, dass der Öffentlichkeit jetzt wirklich reiner Wein eingeschenkt wird", mahnt das Blatt. Bisher habe die heimische Finanzwelt allerdings erklärt, von der Finanzkrise wenig betroffen zu sein, weil der Schwerpunkt der Tätigkeiten im boomenden Osteuropa liege. Doch die Moskauer Börse erlebe derzeit einen Crash, gegen den sich die Kursstürze in der Wallstreet "direkt putzig ausnehmen". Fazit der Presse: "Hoffentlich kommt jetzt keiner auf die Idee, uns auch noch zu erzählen, dass das ein Problem des Herrn Putin sei, das hierzulande (so wie bekanntlich die US-Krise) so etwas von keinerlei Auswirkungen haben wird."

Der Business Spectator aus Australien vernimmt Äußerungen der Schadenfreude in Asien über die Krise an der Wall Street. Vor zehn Jahren seien US-Banker im Anschluss an die Asien-Krise 1997/1998 durch die Vorstandsetagen asiatischer Firmen gepilgert und hätten größere Transparenz und eine bessere Corporate Governance angemahnt - "keine gemütlichen Verbindungen zwischen Industriekonglomeraten und Banken mehr", hätten die US-Abgesandten tadelsüchtig erklärt. Jetzt hätten die gleichen Fehler zur Wall-Street-Krise geführt. Asiatische Investoren seien zwar involviert, weil beispielsweise die People?s Bank of China der größte Besitzer von Fannie- und Freddie-Bonds sei. "Aber sie haben keine eigenen Credit Default Swaps oder Collateralised Debt Obligations - sie verstehen diese nicht einmal. Die Wall Street scheint sie aber auch nicht verstanden zu haben."

Für die Frankfurter Rundschau sind die deutschen Assekuranzriesen Allianz und Münchener Rück die Sieger der Krise an den weltweiten Kapitalmärkten. Sollte nämlich der weltgrößte Versicherungskonzern AIG zerschlagen werden, sei das bayerische Duo unter den ersten Kandidaten für verwertbare Teile. Bislang sei die deutsche Assekuranz weitgehend schadenfrei und deshalb auch noch üppig solvent durch die Finanzkrise gesteuert. "Voraussetzung, um als Krisengewinnler durchs Ziel zu gehen, ist aber, dass die voraussichtlich an den Finanzmärkten noch kommenden Hiobsbotschaften die Bayern nicht doch noch ins Mark treffen. Heute stehen sie solide da. Aber das galt früher auch einmal für die AIG", relativiert das Blatt.

Les Echos aus Frankreich kritisiert die Zurückhaltung französischer Banken im aktuellen Konsolidierungsprozess auf den Finanzmärkten. Anders als bei der Deutschen Bank (Übernahme der Postbank) oder der gestern präsentierten Hochzeit von HBOS und Lloyds TSB zögerten die französischen Institute, sich inmitten der Krise durch Zukäufe zu stärken - früher seien angeblich die hohen Preise ausschlaggebend gewesen, heute die mangelnde Transparenz auf dem Bankenmarkt. "Ist jetzt nicht die Zeit gekommen, um Vorteile aus der Situation zu ziehen und sich für die Zukunft zu wappnen?", fragt die französische Wirtschaftszeitung. Besonders AXA müsse bei der möglichen Zerschlagung von AIG mitmischen, fordert das Blatt.

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