Internationale Presseschau vom 19.5.2009
Arcandor: Privatwirtschaftliche Lösung oder Insolvenz

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Pläne des Metro-Konzerns, beim angeschlagenen Rivalen Arcandor einzusteigen. Portfolio hat sich mit dem Hedegfondsmanager Bill Ackmann über die USA unterhalten. Report on Business gewinnt der italienischen Wirtschaft modellhafte Züge ab. Smart Money hinterfragt das Facelift der russischen Sberbank. Fundstück: Lotto wird in Spanien zur Bürgerpflicht.

"Der Zusammengang von Kaufhof und Karstadt würde eine Jahrzehnte alte Rivalität zwischen den beiden führenden deutschen Warenhausketten beenden und in der Geburt eines einzigen, großen Warenhausbetreibers münden", kommentiert das Wall Street Journal das mögliche Angebot der Metro Gruppe an Arcandor. Dass der Vorstoß ausgerechnet zu einem Zeitpunkt komme, zu dem der finanziell angeschlagene Arcandor-Konzern die deutsche Regierung um Hilfen bittet, irritiere: "Denn noch ist unklar, ob Metro überhaupt etwas für ein Beteiligung an Karstadt zahlen will." Zwar könne das Gebot des größten deutschen Handelsriesen der Regierung ein kostspieliges Problem ersparen, doch Metro würde erheblich profitieren, erlaubte die Regierung tatsächlich, dass der Konzern die Warenhäusern des Konkurrenten bekommt, ohne dafür eine große Summe hinblättern zu müssen. Doch auch in anderer Hinsicht könne das wohlwollende Ja des Regierung zu einer Fusion von Ausschlag gebender Bedeutung sein: "Diese Fusion wird mit großer Sicherheit die Antikartellbehörde auf den Plan rufen."

Les Echos aus Frankreich bewertet die Lage der beiden Fusionskandidaten skeptisch. "Die Bedingungen für Staatshilfen sind eng gesteckt und dass Arcandor derzeit stark geschwächt ist, kann eher auf seine riskante Unternehmensstrategie zurückgeführt werden als auf die globale Krise", meint das Blatt zu dem Ansinnen des Konzerns, Unterstützung von der deutschen Regierung für auslaufende Kredite im Sommer zu erhalten. Zudem stehe der Konzern nicht vor seinem ersten Restrukturierungsplan, der vor rund einem Monat vorgestellte könnte tatsächlich der letzte sein. Ob Metro in dieser Situation Retter sein könne, sei jedoch nicht ausgemacht, mache der Konzern doch auch derzeit eine schwierige Phase durch. Vor einigen Wochen habe Metro sein Jahresergebnis vorgestellt und das Ziel formuliert, bis 2012 Einsparungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zu schaffen. Zudem werde Metro ab 2009 seine Investitionen zurückfahren und fünf Prozent Personal abbauen, rund 15.000 Mitarbeiter.

Den Schlüssel für das Gelingen der Fusion sieht die Financial Times Deutschland in einer Absage der Bundesregierung an Arcandors Bitte um Staatshilfen. Die Zeit der Warenhäuser sei schlichtweg vorbei: "Es wäre abenteuerlich, die Warenhäuser zum Kern der deutschen Wirtschaft zu zählen. Niemand kann behaupten, dass Karstadt wie die Banken von systemischer Bedeutung ist und eine Rettung mit Steuergeld folglich im gesamtwirtschaftlichen Interesse liegt. Der Verlust der Warenhäuser würde keine Zulieferer in den Abgrund reißen, kein technisches Know-how ginge verloren." Auch die schiere Größe des Unternehmens dürfe keine Rolle spielen, der Staat sei heillos überfordert, wenn er Zehntausenden Beschäftigungsgarantien ausstellen müsste: "Die Liste der Krisenunternehmen ist zu lang." Der Staat dürfe deshalb nicht auf Zeit spielen, sondern müsse zügig klar stellen, dass Arcandor keine Staatshilfe erwarten darf. "Nur so lässt sich auch herausfinden, ob das Interesse des Arcandor-Konkurrenten Metro an einer Fusion seiner Warenhaustochter Kaufhof mit Karstadt ernst gemeint oder nur ein taktisches Manöver ist, um mögliche Staatshilfe für den Wettbewerber zu torpedieren." Eines ist klar: Am Ende müsse für Arcandor eine privatwirtschaftliche Lösung stehen, oder eben die Insolvenz.

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