Internationale Presseschau vom 2.4.2009
„Ist Gordon Brown durchgeknallt?“

Die internationale Wirtschaftspresse blickt zum G20-Gipfel und rückt dabei besonders die Rolle des "Weltfinanzministers" in den Mittelpunkt. Die Börsen-Zeitung kritisiert das Lavieren der DZ Bank und WGZ Bank. RBCdaily beleuchtet den Einstieg des französischen Maschinenbauers Alstom in Russland. Fundstück: Bernie und die Welt-Champions der Gauner.

Die Financial Times verteidigt den britischen Premier Gordon Brown, der als Chairman des G20-Gipfels die Rolle des Weltfinanzministers spiele. Indem Brown von Kontinent zu Kontinent gereist sei, um seine "großen Pläne" zur Lösung der Krise zu verkaufen, habe er zwar seine "unlösbare Unpopularität" zu Hause überspielen wollen, gleichwohl sei es richtig, nicht nur zu Hause nach Auswegen zu suchen. "Globale Koordination ist essenziell, um die weltweite Wirtschaftskrise zu bezwingen." Auch dass Brown die Erwartungen an die Konferenz in die Höhe geschraubt habe, sei richtig gewesen, weil das Londoner Treffen so zu einer wichtigen Frist für andere Staatenführer geworden sei - selbst Deutschland, das öffentlich den "krassen Keynesianismus" verhöhne, habe den Geldbeutel seit dem letzten G20-Treffen im November ein bisschen geöffnet.

"Ist Gordon Brown durchgeknallt?", fragt der Daily Telegraph und zitiert den Premierminister, der am gestrigen Morgen gesagt habe: "Wir sind nur wenige Stunden von einer Einigung auf einen globalen Plan zur wirtschaftlichen Gesundung und Reform entfernt." Möglicherweise habe Brown nicht mit bekommen, dass sich Nicolas Sarkozy so stark über das US-Modell der ökonomischen Erholung geärgert habe, dass er mit seiner Abreise gedroht habe; oder dass selbst die eher kühlköpfige Angela Merkel erneut ihren Widerstand gegen weitere fiskalische Stimuli untermauert habe. Vielleicht habe sich Brown jedoch auch zu dieser bizarren Anmerkung "in einem skurrilen Anflug des Optimismus in der Gegenwart von Barack Obama¡ verleiten lassen, mutmaßt das Blatt.

Unter der Überschrift "Divided we stand" beschreibt der Economist die Uneinigkeiten der G20-Teilnehmer. Das größte Risiko des Finanzgipfels bestehe darin, dass am Ende ein "kraftlose Statement" ausgegeben werde, das wenig oder nichts zu den Bemühungen um einen Ausweg aus der Krise beitrage. "Noch größer ist das Risiko, dass der Gipfel so gespalten und die Ergebnisse so schwach sind, dass die zerstörten Erwartungen schließlich das Vertrauen noch stärker erschüttern." Während in den Forderungen, die Banken zu rekapitalisieren, den Kreditfluss wiederherzustellen und die Regulierung zu verschärfen, weitestgehend Einigkeit herrsche, bleibe die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) umstritten. Nach Einschätzung des Economist könnte das Ziel, die IWF-Ressourcen auszuweiten und die Verteilung der Gelder zu beschleunigen, dadurch erreicht werden, dass China dem Fonds eine große Summe aus seinen Währungsreserven zur Verfügung stelle. Dafür jedoch müsste das Mitspracherecht beim bisher von Europa und den USA kontrollierten Fonds für China und andere Schwellenländer ausgedehnt werden.

Trotz der konträren Positionen unter den G20-Staaten glaubt Les Echos aus Frankreich, dass der Gipfel positive Signale aussenden werde. Die Teilnehmer könnten zeigen, dass die Politik über Waffen im Kampf gegen die historische Krise verfüge und diese intelligent einzusetzen vermöge - seit dem letzten G20-Treffen vor fünf Monaten hätten die großen Staaten, vorwiegend USA, China und Japan, immerhin 700 Milliarden Dollar in die Wirtschaft gepumpt. Seine Daseinsberechtigung gewinne der Gipfel jedoch durch die Eindämmung des Protektionismus. "Die Hauptgefahr besteht darin, dass durch die Krise anti-westliche Stimmungen bei den Bürgern in den Schwellenländern erzeugt werden, die sich mit Fug und Recht als Opfer der Dummheiten dieser ,Weißen und Blauäugigen' fühlen, wie sie von Präsident Lula stigmatisiert wurden."

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