Internationale Presseschau vom 22.8.2008
Fest für die Familien-Heuschrecke

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert das Ende der Schlacht um Continental und erwartet weitere große Übernahmen in Deutschland. Die Izvestija glaubt, dass Russland für den Konflikt mit dem Westen schlecht gerüstet ist. Laut Challenges aus Frankreich hat China die Olympischen Spiele der Wirtschaft verloren. Fundstück: Apotheker haben Lust auf Sex.
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Der Familienkonzern Schaeffler hat den Übernahmekampf um Continental gewonnen. Die Süddeutsche Zeitung glaubt, dass es trotz der Minderheitsbeteiligung des fränkischen Angreifers künftig nur eine Entscheiderin bei Continental geben werde: die Erbin Maria-Elisabeth Schaeffler. Die "Frau mit der Betonfrisur und dem Dauergrinsen" sei der beste Beweis, dass auch Familienunternehmen sich wie "Heuschrecken" verhalten könnten. Der erste große Verlierer der "Schaeffler-Show" sei Manfred Wennemer, dessen Rückzug von der Conti-Spitze nur konsequent sei - er habe sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Übernahmschlacht öffentlich sehr despektierlich über den Mittelständler aus Franken geäußert. Neben Wennemer sei die Arbeitnehmerschaft die zweite große Verliererin: Über zehn Milliarden Euro lasse sich die Schaeffler-Gruppe die Übernahme kosten - eine Summe, die in dem neuen Hannover-Herzogenaurach-Konzern erst einmal zurückverdient werden müsse.

"Die wichtigste Frage, die sich aus dem Deal ergibt, lautet: Wer wird der nächste sein?", zitiert die International Herald Tribune den Analysten Michael Tyndall von Nomura Securities aus London. "Wenn dieses Procedere angewendet werden kann, um ein ungeschütztes Unternehmen zu kaufen, warum nicht noch einmal?" Immerhin habe die Finanzaufsicht BaFin erklärt, dass Schaeffler gegen keine Offenbarungs-Regeln verstoßen habe. Als mögliche Übernahmekandidaten hat die IHT den Autokonzern Daimler, dessen Aktie in diesem Jahr um 39 Prozent eingebrochen sei, sowie den Maschinenbauer Gildemeister und den Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger vor Augen.

Die Zeit begrüßt, dass sich beide Unternehmen nach einer kurzen Schlacht einig wurden, vor allem, weil die getroffene Vereinbarung Mitarbeitern und Standorten der Continental AG einen weitreichenden Schutz gewähre. Gleichwohl sei fraglich, ob der Zusammenschluss langfristig für beide Unternehmen Nutzen bringe - große Unternehmenshochzeiten müssten keinesfalls gut gehen, was sich am Beispiel Daimler und Chrysler zeige; außerdem gebe es im Produktspektrum kaum Überschneidungen; schließlich könnten die Firmen-Kulturen einer vergleichsweise transparenten börsennotierten Kapitalgesellschaft und eines verschwiegenen Familienunternehmens unterschiedlicher kaum sein.

"Man stelle sich den Aufschrei in der Öffentlichkeit vor, wenn ein ausländischer Bieter einen ähnlicher Coup wie Schaeffler gelandet hätte", kommentiert die britische Financial Times die deutsche Angst vor ausländischen Investoren, die sich zuletzt am modifizierten Außenwirtschaftsgesetz gezeigt habe. Die deutsche Regierung tue der Wirtschaft keinen Gefallen, indem sie sie abschotte. Besonders der Bankensektor benötige dringend eine Konsolidierung, die jedoch unterbunden werde, da die meisten Banken nicht verkauft werden können. "Deutschland hat von der Globalisierung stark profitiert, und viele Firmen leben vom Export. Ihnen die ausländische Expertise zu verweigern, könnte der Weg ins Verderben sein", warnt das britische Blatt.

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