Internationale Presseschau vom 23.2.2009
„Ketten für das Monster!“

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Pläne der EU für eine neue Weltfinanzordnung. La Presse sieht in der Talfahrt an den Börsen keinen nachvollziehbaren Grund. Der Parisien kritisiert die Fusion von Sparkasse und Genossenschaftsbanken in Frankreich. Ilsole berichtet vom Einbruch in Italiens Tourismusbranche. Fundstück: Hamburger machen glücklich.

Guter Wille und Vorschläge, die in die richtige Richtung weisen - all das werde nicht ausreichen, um das Finanzsystem wirklich von Grund auf zu erneuern, zeigt sich die Süddeutsche Zeitung angesichts der Ergebnisse des Treffens der EU-Regierungschefs im Berliner Kanzleramt skeptisch. An den globalen Kapitalmärkten seien nämlich nicht nur ein paar unbedeutende Dinge falsch gelaufen, sie hätten sich, wie Horst Köhler zu Recht kritisiert habe, zu einem "Monster" entwickelt. Und ein Monster lasse sich nicht durch gutes Zureden zähmen, "ein Monster braucht eine Kette, die den Auslauf begrenzt." Dazu brauche es aber weit mehr als die nun skizzierten Maßnahmen: So dürfte es kein Derivat, kein Zertifikat, kein Finanzinstrument mehr geben, das nicht vorher von einer nationalen oder internationalen Behörde zugelassen wurde. Finanzkonzerne dürften keinerlei Geschäfte mehr machen, die nicht in ihrer Bilanz auftauchen. Und schließlich müssten alle Steueroasen geschlossen werden. Nur wenn die G-20-Staaten diese drei Maßnahmen auf ihrem Gipfel Anfang April in London beschließen, sei eine echte Reform der Weltfinanzen möglich.

"Europas führende Regierungschefs haben eine gemeinsame Front gegen die weltweite Finanzkrise gebildet, doch noch ist unklar, ob andere Schwergewichte wie die USA oder China mit ihnen an dieser Front kämpfen wollen", gibt die Huffington Post aus Amerika zu Bedenken. Die Maßnahmen, die am gestrigen Sonntag genannt wurden, seien zwar viel weitreichender und konkreter als die bisherige Agenda der G20-Staaten habe vermuten lassen. "Angela Merkel hat vor zwei Jahren, im Rahmen ihrer EU-Ratspräsidentschaft, hart gearbeitet, um mehr Transparenz in die Weltfinanzmärkte und insbesondere in Regulierungen für Hedgefonds zu bringen." Doch ihre Bemühungen seien schon damals auf harten Widerstand in Washington gestoßen. "Selbst die aktuelle Krise und der Wechsel an der Regierungsspitze könnten nicht ausreichen, um die USA davon zu überzeugen, ihre Autonomie aufzugeben."

Die Finanzmärkte der Welt müssten besser überwacht werden, wer sich nicht in die Karten gucken lasse, solle bestraft werden - dass sich darauf die europäischen Wirtschaftsmächte im Berliner Kanzleramt geeinigt hätten, sei ein Sieg für die Gastgeberin Angela Merkel, lobt dagegen die Welt. Denn für die Bundesregierung sei das Treffen im Kanzleramt ein weiterer Testlauf für die schon in Davos von der Bundeskanzlerin erhobene Forderung nach einer "Charta für nachhaltiges Wirtschaften" gewesen. Nun nehme selbst Nicoals Sarkozy das Wort "Sanktionen" freier in den Mund, Gordon Brown habe einen "weltweiten New Deal" gefordert und Hollands Staatschef Jan-Peter Balkenende habe gar Merkel zu ihrer Forderung nach einem "moralischen Rahmen für Wirtschaftsleben" applaudiert: "Bisher hatte sich vor allem Italien den Deutschen angeschlossen. Merkel scheint sich in dieser Frage inzwischen ganz Europa durchgesetzt zu haben."

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