Internationale Presseschau vom 25.11.2008
Citi und die Rettung vor dem schwarzen Loch

Die internationale Wirtschaftspresse setzt sich kritisch mit der Rettung der US-Bank Citigroup auseinander. Die Financial Post macht sich über "Heilkopter-Ben" Bernanke von der US-Notenbank lustig. Challenges schimpft über Bundeskanzlerin Angela Merkel, die vorerst auf ihrem Goldhaufen sitzen bleibe. Fundstück: Hochprozentige Liquiditätskrise in Russland.

Die notwendig gewordene Rettung der amerikanischen Bank Citigroup durch die US-Regierung wertet die Süddeutsche Zeitung als neues Stadium der Finanzkrise: "Jetzt trifft es die Institute, die schon in Sicherheit gewogen wurden, nun aber von der Wirtschaftskrise eingeholt werden." Zwei Dinge hätten der Citigroup zugesetzt: Der herbe Verlust des Vertrauens und der damit einhergehende, dramatische Kursverfall, sowie die Verluste, die - wie auch beim Investmenthaus Lehman Brothers - eine verhängnisvolle Eigendynamik entwickelt hätten. Das habe die Situation bedrohlich werden lassen: "Gegen die Wucht der Spekulationen und Gerüchte kann kein Bankchef der Welt anreden." Darum habe die Politik die Börse ernst genommen und beherzt und schnell gehandelt. "Die Zahlen, aber auch die Geschwindigkeit, mit der sich immer neue Zahlenberge auftürmen, machen deutlich, dass diese Krise ein Ungetüm geworden ist, das sich der Vorstellungskraft aber auch einer effizienten Kontrolle und Steuerung weitgehend entzieht." Kollabierte die Citigroup, würde sie zu einem schwarzen Loch, das mit seinen enormen Gravitationskräften die gesamte Finanzindustrie bedrohen könnte.

"Die Behörden haben offenbar realisiert, dass der Markt der mit Hypotheken verbundenen Sicherheiten erneut unter Druck steht und sie nun den Zündstoff der illiquiden Sicherheiten aus den Büchern der Banken holen müssen", meint der Economist aus Großbritannien. Doch das US-Finanzministerium werde sich nun Hilfsforderungen anderer Banken ausgesetzt sehen, nicht zuletzt, weil das singuläre Herausgreifen der Citigroup diese im Wettbewerb bevorteilen könne. Zudem sei die Sache noch nicht ausgestanden: "Der Rettungsplan sieht nicht vor, Anlagen aus der Citigroup-Bilanz zu tilgen wie es die Schweizer bei der UBS getan haben, als sie schwer verkäufliche Sicherheiten im Wert von 60 Milliarden US-Dollar in einen Fonds der Schweizer Zentralbank einbrachten. Eine angeschlagene, nicht gedeckte Bank könnte die nächste Stufe sein im Bemühen, die Flammen zu löschen."

Das US-Portal Marketwatch.com sieht in der Rettung der Citigroup einen Paradigmenwechsel: "Eigentlich war das Troubled Asset Relief Program (TARP) für Rettungen wie diese vorgesehen, doch mit der Zusage der Regierung, für Verluste der Citigroup in Höhe von 306 Milliarden US-Dollar gerade zu stehen, wurde TARP kurzerhand außer Kraft gesetzt." Die Hilfsangebot komme kaum zwei Monate nachdem der Staat bereits 25 Milliarden US-Dollar in die Citigroup gepumpt hatte. Das sei bereits einem Paradigmenwechsel gleich gekommen, weil Banken plötzlich verstaatlicht wurden. Doch als sich die Probleme der Citigroup nun auftürmten, habe die Regierung keine Wahl gehabt als zu handeln: "Sie gerät damit in ernste Schwierigkeiten, denn auch andere Institute haben mit den Problemen zu kämpfen, die der Citigroup zueigen waren: Kreditkarten-, Immobilien- und Hypothekenschulden." Weniger als zwei Monate nach der Einführung eines neuen Paradigmas füge die US-Regierung ein noch neueres hinzu. "Das wäre auch gar kein übler Plan - wäre er nur nicht so teuer."

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