Internationale Presseschau vom 26.3.2009
„Der Markt hat Angst vor der Erholung“

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt die Bärenrally der vergangenen zwei Wochen und zieht ein beunruhigendes Fazit. Die New York Times will die Teilnehmer beim G20-Treffen in London zum Kampf gegen Protektionismus verpflichten. Les Echos fordert eine Abkehr vom Sündenbock-Diskurs in Frankreich. Fundstück: Böser Brief zum AIG-Abschied.

Eine Börsenrally mit 20 Prozent Plus in den vergangenen zwei Wochen, die Aussicht, dass 14 Tage wie der vergangene Montag (500-Punkte-Plus des Dow) ausreichten, um den Höhepunkt des Marktes im Oktober 2007 zu erreichen - David Callaway, Chefredakteur bei MarketWatch, fühlt sich an die guten alten Zeiten an der Börse erinnert. Doch nur beinahe: Jenseits des Optimismus wetteten die Shortseller immer häufiger gegen Aktien, außerdem seien gestern Anleihe-Auktion der britischen und US-Regierungen fehlgeschlagen, was die starke Botschaft beinhalte, dass es nicht genügend Nachfrage für alle Schulden gebe, die für die Umsetzung der Rettungspakete erforderlich seien - worauf aus der 200-Punkte-Rally des Dow binnen weniger als einer Stunde ein 80-Punkte-Verlust geworden sei. "Nach sechs Monaten des Schräger-als-Fiktion-Traumas und der Zerstörung von Generationen ökonomischer Ideale und Praktiken ist es kaum zu glauben, dass dies nicht die Bärenrally ist, die alle Bärenrallys beendet, und dass etwas noch stärker Beänstigendes für das Finanzsystem noch vor uns liegt", blickt MarketWatch voraus. "Wie bizarr wäre es, wenn der Markt eigentlich die weltweite Erholung befürchtet - und alle Änderungen, die damit einhergehen?"

Bärenmarktrally oder Trendwende, fragt das Wirtschaftsblatt und enthält sich bei der Beantwortung, da sich die Indizes in "charttechnischem Niemandsland" befänden. Gleichwohl zeichne sich zumindest ab, dass wir die Tiefststände hinter uns hätten. Als Indikator fungiert die sich steigernde Aktivität bei Übernahmen, die neben den Konzernen aus dem Pharmasektor auch in anderen Branchen zu beobachten sei. "Derartige Deals gelten in Baissezeiten meist als Startschuss für eine Welle von Übernahmen, denn die Attraktivität der Bewertungen ist Marktteilnehmern schon seit einiger Zeit klar, es wurde nur abgewartet, ob es noch billiger geht. Große Marktplayer und Branchenleader wie Microsoft oder Oracle haben enorme Cashpolster angehäuft, die wohl in Bälde für Übernahmen genutzt werden", ahnen die Österreicher. Fazit: Je mehr Übernahmen und Beteiligungen bekannt würden, desto näher rücke ein Bullenmarkt. "Übernahmefantasie war abseits der Fundamentals nämlich schon seit jeher eine besondere Triebfeder für die Märkte."

BusinessWeek zeigt sich "gedämpft optimistisch" angesichts der Erholung an den Börsen. Dass diese Rally am Ende nicht im Sande verlaufen werde, dafür gebe es mehrere Anzeichen: Seit dem Tiefstpunkt habe die Fed zwei Billionen Dollar ins Finanzsystem gepumpt. Außerdem gebe es Signale für einen wirtschaftlichen Aufschwung, etwa die gestiegene Nachfrage nach langlebigen Gütern wie Computern im Februar in den USA oder der Rückgang des US-Außenhandelsdefizits im Januar um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Bei allem Optimismus könne noch viel schiefgehen: falls einige Regierungen in Osteuropa zahlungsunfähig oder sich die Arbeitslosigkeit in den USA noch verschlechtern würden.

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