Internationale Presseschau vom 26.5.2009
Opel: Eine Pleite für deutsche Politiker

Die internationale Wirtschaftspresse geißelt die Einmischung deutscher Politiker im Poker um die Übernahme von Opel. Der Economist würdigt die Leistung des europäischen Mittelstands. Cinco Días beobachtet das jüngste Erwachen spanischer Banken. Der National Business Review schreibt eine wütende Memo an das Subventions-Paradies USA. Fundstück: Finanzhilfe aus dem Umzugskarton.

„Es hat letztlich so kommen müssen – dass im deutschen Wahljahr Politiker die ausschlaggebende Rolle bei der Entscheidung über die Zukunft Opels spielen“, stellt die Financial Times mit kritischem Unterton fest. Theoretisch sei es General Motors gewesen, die versucht hätten, ihr Europageschäft zu verkaufen, um die Insolvenz zu vermeiden. „Doch praktisch wird die deutschen Regierung mit der Bekanntgabe ihres bevorzugten Kandidaten den Ausgang des Deals bestimmen.“ Das Problem dabei sei, dass die Große Koalition in genau dieser Frage zerstritten sei: Die CDU um Bundeskanzlerin Angela Merkel favorisiere offenbar Fiat, böte der Konzern doch Kompetenz und Erfahrung im Automobilgeschäft. Doch der Partner SPD votiere für Magna International, und habe in dieser Hinsicht hervorragende Öffentlichkeitsarbeit geleistet. „In der letzten Runde im Rennen um Opel verhindert politischer Nebel die Sicht“, bringt die Zeitung das Dilemma auf den Punkt. Die Lobbyisten würden ihren Einfluss sicher noch intensiveren, bis zu Merkels endgültiger Entscheidung. Diese werde noch vor der möglichen Insolvenzmeldung der amerikanischen Mutter GM erwartet, „aber das macht den Ausgang des Kampfes um Opel um so unberechenbarer.“

„Weil sich deutsche Minister über die Bieter für Opel in den Haaren liegen, ist die Zukunft aller General Motors-Töchter in Europa, inklusive der Vauxhall-Fabriken an den britischen Standorten, wieder unklar“, kritisiert BusinessWeek das Verhalten deutscher Politiker. Dabei stehe eins fest: Eine Insolvenz von Opel wäre eine extrem schlechte Lösung, denn sie bedeute, dass nicht nur alle Verwaltungsprozesse von GM Europe getrennt geführt werden müssten, sondern auch die Verträge mit den Zulieferern, die äußerst wichtig für die Fortführung des Geschäfts seien. Zu vernachlässigen sei bei der Entscheidung auch nicht die Frage der Entlassungen: Fiat-Chef Sergio Marchionne habe bekannt, das im schlimmsten Fall 2.000 Arbeitsplätze bei GM Europe abgebaut werden müssten: „Das impliziert, dass vor allem Großbritannien mit der Vauxhall-Abteilung, insbesondere die Fabrik in Luton, die Hauptlast tragen müsste.“

Auch die Süddeutsche Zeitung rückt das Geschacher der Politiker in den Fokus – und attestiert Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg eine persönliche „Pleite“ mit seiner Idee einer „geordneten Insolvenz“ für Opel. „Sanierungsexperten können über die Formulierungskunst des Wirtschaftsministers nur schmunzeln. Den Begriff der geordneten Insolvenz gebe es im deutschen Recht nicht.“ Tatsächlich lasse das neue deutsche Insolvenzrecht Konzernen viel Spielraum, sie könnten die eigene Insolvenz planen, um den Schaden zu begrenzen. Im Fall Opel setze das allerdings voraus, dass ein geeigneter Investor gefunden werde, der das Unternehmen übernimmt und es künftig führt. Gläubiger wie die Opel-Mutter General Motors müssten dem Vorhaben zustimmen: „Keine leichte Hürde, denn die Trennung vom Mutterkonzern dürfte erst nach harten Verhandlungen gelingen.“ In der Autoindustrie gelte die Insolvenz dennoch als riskant. Ein Pleiteantrag könne Kunden abschrecken – sie müssten befürchten, dass die jahrelange Garantie für ihren Neuwagen möglicherweise nicht trägt. Die Beispiele der Konkurrenten Saab in Schweden und Chrysler in den USA zeigten, dass eine Insolvenz mit Verkaufseinbrüchen von 30 bis 40 Prozent verbunden sein könne.

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