Internationale Presseschau vom 26. Oktober 2009
Opel Magna: Teil einer New Ostpolitik?

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die jüngste Entwicklung im möglichen Deal zwischen GM/Opel und Magna. Forbes sorgt sich im Chrysler. Business Week untersucht das Potenzial von Windows 7 für die Microsoft-Aktie. La Tribune wähnt Europa in Selbstmordgefahr. Fundstück: Michael Jackson – ein Genie als Finanzmanager?
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Einseitigkeit und Verbissenheit wirft die Financial Times Deutschland der Bundesregierung bei ihrer Festlegung auf Magna vor: Sie habe alle anderen Bieter vergrault, weder der Finanzinvestor RHJI noch Fiat wollten noch etwas von einem Opel-Kauf wissen. „Selbst eine Planinsolvenz, die am Anfang noch viele Chancen gebracht hätte, würde mittlerweile wohl deutlich ungünstiger für Opel ausgehen.“ Nun sei die Situation so vertrackt, dass GM womöglich Opel behalte - „und deutlich mehr Stellen streicht und Werke schließt, als es den Beschäftigten und der Bundesregierung lieb wäre.“ Der Verbleib bei GM sei tatsächlich keine gute Lösung. Es fehle GM am nötigen Geld, um Opel wirklich am Leben zu halten. Zudem sei das Klima zwischen den Managern der US-Konzernmutter und den europäischen Opel-Beschäftigten so vergiftet, dass man sich kaum noch vorstellen könne, wie beide Gruppen erfolgreich zusammenarbeiten sollen. „Ironischerweise muss man deshalb am Ende darauf hoffen, dass der Verkauf an das Magna-Konsortium doch noch irgendwie zustande kommt. Schmücken sollte sich die deutsche Politik dann aber nicht damit.“

„Die neuerliche Diskussion, terminiert für den 3. November, ermöglicht es General Motors, den EU-Wettbewerbshütern zu demonstrieren, dass sie ihre endgültige Entscheidung über Opel ohne jeglichen Druck von Seiten deutscher Politiker gefasst hat“, meint das Wall Street Journal zu der jüngsten Entwicklung im Opel-Magna-Deal. So sei durchaus denkbar, dass GM nun doch Opel behalte, zumal keine neuen Bieter in Sicht seien. „Neben der Überlegung, Opel an den belgischen Investmentfonds RHJ International zu veräußern, war auch immer der Gedanke, Opel von Detroit aus selbst zu restrukturieren im Spiel.“ Ein Teil des GM-Vorstands sei noch immer gegen den Deal mit Magna und der russischen Sberbank: „Sie fürchten, mit Opel ihr Standbein im wichtigen Europa-Geschäft zu verlieren - und so der Fähigkeit des Konzerns, international im Wettbewerb bestehen zu können, zu schaden.“ Dennoch: Opel zu behalten, würde der Konzernmutter viele Komplikationen bescheren, allen voran die fehlende Unterstützung von Seiten der US-Regierung.

Die Financial Times rückt den möglichen Deal zwischen GM, Opel und Magna in einen größeren Kontext - der „new Ostpolitik“ der Bundesregierung. „Deutschland und Russland sind in einem Maße mit neuen Geschäftsabschlüssen beschäftigt, das noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.“ Der Einstieg der russischen Sberbank bei Opel sei nur ein Beispiel. Im August sei die Wadan-Werft an den ehemaligen russischen Energieminister gegangen, der dritte wichtige Deal des Jahres sei die Absage von Siemens an die Franzosen zugunsten von Rosatom. „Diese neue Allianz wird in anderen Ländern mit hoch gezogenen Augenbrauen registriert, in Paris, London und Washington, aber auch in Warschau, Kiew und Prag.“ Kanzlerin Angela Merkel betone immer, wie wichtig Russland für die Sicherheit in Europa sei, doch dahinter stehe auch wirtschaftliches Interesse. Nicht nur die Abhängigkeit vom Gas sei zu nennen. Deutschland sei der größte Exportmarkt für Russland, Porsche habe letztes Jahr in Russland mehr Autos verkauft als in den USA, VW sei dort der größte Industrieinvestor, Eon der größte im Energiemarkt. Der deutsche Klaus Mangold, Russlandexperte und einst bei Daimler im Vorstand, betone denn auch, dass die russische Wirtschaft 20 Jahre zurückliege in ihrer Entwicklung und Transfer aus dem Westen wie bei Opel brauche: „Diese Deals sind nicht aufzuhalten.“

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