Internationale Presseschau vom 28.8.2008
Der deutsche Riese wankt

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die Krise der rezessionsgefährdeten deutschen Wirtschaft. In der Financial Times Deutschland begründet Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew seine Position im Kaukasus-Konflikt. Expansión analysiert die historische Krise des spanischen Automarkts. Fastcompany besucht Myspace. Fundstück: Angst essen Wagner auf.
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Wenn ein Wirtschaftsminister wie Michael Glos betone, dass es angesichts der negativen Wirtschaftsindikatoren "keinen Grund für Panik" gebe, müsse man stets besorgt sein, kommentiert Les Echos aus Frankreich. Immerhin gehe es der deutschen Wirtschaft so schlecht wie seit dem Beginn der Legislaturperiode noch nie. Ausschlaggebend sei der "Missmut" bei den deutschen Konsumenten. Die Große Koalition, die bald ihr tausendtägiges Bestehen - ohne großen Enthusiasmus - feiern werde, habe keinen großen Handlungsspielraum, da sie angetreten sei, den Haushalt zu konsolidieren. Gleichwohl lehnten selbst die Christdemokraten ein Stimuluspaket nicht mehr kategorisch ab. Ein Hindernis sei jedoch die Bundesbank, die in ihrem jüngsten Bericht diesen Schritt abgelehnt habe. Für beide Regierungsparteien sei die Situation insofern kritisch, als sie bis September 2009 die Wähler überzeugen müssten, dass sie im Kampf gegen die Rezession nicht die Hände in den Schoß gelegt hätten.

Cinco Días beobachtet den Schatten der Rezession über Deutschland. Der Rückgang des deutschen Bruttoinlandsproduktes um 0,5 Prozent im zweiten Quartal 2008 beseitige jeden Zweifel an der Marschrichtung der Europäischen Zentralbank, sei diese in ihrem Vorgehen doch immer schon insgeheim der Entwicklung des "deutschen Riesen" gefolgt. "Mögen die aktuellen Wirtschaftszahlen nicht gerade zu Optimismus einladen, so erscheinen die Zukunftsperspektiven noch schlimmer", kommentiert das Blatt das Stimmungsbarometer des Ifo-Instituts. Die schwächelnde Wirtschaftskraft Deutschlands bekämen auch die Nachbarländer sowie Spanien zu spüren. Denn der Euro verliere im Vergleich zum Dollar an Wert, wodurch das Importgeschäft schwächele. Für deutsche wie spanische Exporteure könnte sich das jedoch als Glücksfall entpuppen, meint das Blatt.

Im Interview mit der Zeit erklärt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, dass das Rezessionsrisiko in Deutschland zwar hoch sei, es aber dennoch Anzeichen gebe, die gegen ein Abrutschen in die Rezession sprächen: der fallende Ölpreis sowie der Ifo-Index, der die aktuelle Lage als relativ gut beschreibe - eingebrochen seien nur die Zukunftserwartungen der befragten Unternehmen, was nicht unbedingt viel bedeuten müsse. Da jedoch der Exportmotor nach Jahren des Aufschwungs abrupt zum Stillstand gekommen sei, sei ein stärkerer Konsum umso wichtiger. Die Hoffnung darauf sei nicht leer, da die Masseneinkommen real wieder steigen würden.

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