Internationale Presseschau vom 3.3.2009
100 000 000 000 Dollar Verlust

Die internationale Wirtschaftspresse bewertet die Finanzspritze der US-Regierung für den Versicherungsriesen AIG skeptisch. Der Calgary Herald bedankt sich bei Ryanair. Standpoint beschreibt die neue Mittelklasse in Kenia. Les Echos spielt Fred Goodwin und Warren Buffett gegeneinander aus. Fundstück: Überleben wie die Multimillionäre - dank zwielichtiger Anwälte.

Keine "Heilung" des stark angeschlagenen Finanzmarktes sieht Fortune in dem Entschluss der US-Regierung, der American International Group (AIG), die in 2008 100 Milliarden Dollar Verlust geschrieben hat, erneut zu helfen. "Eine Kreditlinie über 30 Milliarden Dollar will das Finanzministerium zur Verfügung stellen, außerdem sollen die Bedingungen für die Vorzugsaktien in Höhe von 40 Milliarden Dollar der US-Regierung so geändert werden, dass sie einer Stammkapitalbeteiligung gleichen. Das erinnert an die Rettungsmaßnahme für die Citigroup und hatte das erklärte Ziel, AIG - und damit das ganze Finanzsystem zu stabilisieren. Doch dieser Effekt blieb aus, die Wall Street stürzte ab", konstatiert das Magazin. Denn nach wie vor seien zwei Fragen nicht beantwortet: "Wird der Staat die volle Kontrolle über die schwächelnden Finanzinstitute übernehmen? Und wenn ja, zu welchen Bedingungen?" Insider monierten inzwischen, dass das Team um Obama letztlich keine detaillierte und umfassende Antwort auf die Krise habe und sich in Stückwerk verliere. "Die Ängste der Investoren jedenfalls haben sie bislang nicht ausräumen können."

Einen Skandal sieht Portfolio.com in dem größten Verlust in der US-Geschichte, den der Versicherer AIG gemeldet habe. "AIG ist noch immer ein börsennotiertes Unternehmen und das US-Finanzministerium wird nicht müde zu erklären, dass AIG und US-Regierung zwei vollkommen verschiedene Dinge seien." Doch da solle man sich nichts vormachen: "Die Rating-Agenturen hätten die neuerliche Finanzspritze der US-Regierung längst nicht so enthusiastisch begrüßt, würde die AIG nicht schon praktisch der Regierung gehören." Doch der eigentliche Skandal sei nicht die Höhe des Verlustes, sondern die Tatsache, dass AIG Milliarden Dollar verdient habe, indem das Unternehmen Versicherungen gegen eine Finanzschmelze verkaufte, deren Policen es nie hätte zahlen können. "Ein privates Versicherungsunternehmen kann das einfach nicht bewältigen, und so ist es nur folgerichtig, dass der Staat als Versicherer in letzter Instanz einspringt."

Für die Tageszeitung ist die Lage bei AIG ein Anzeichen dafür, dass die Finanzblase noch lebt. Denn die gigantischen Verluste seien nur eine Momentaufnahme - es werde noch schlimmer kommen. So sei nicht abzusehen, wie groß der "Müllhaufen" sei, der noch in der AIG-Bilanz lagere. Zudem gebe es weitere Pleitekandidaten, wie die Royal Bank of Scotland (RSB) oder die Citigroup: "Der renommierte Finanzexperte Nouriel Roubini, alias Dr. Doom, hat kürzlich geschätzt, dass sich die Abschreibungen allein bei den US-Vermögenswerten auf mindestens 3,6 Billionen Dollar belaufen werden." Auf all diese schlechten Nachrichten hätten die Börsen zwar auf ihre Art reagiert, es gehöre aber zu den Wundern dieser Finanzkrise, dass die Stimmung immer noch besser sei als die Lage. "Die Börsen sind noch deutlich überbewertet. Für diesen irrationalen Überschwang gibt es nur eine Erklärung: Ganz ist die gigantische Finanzblase noch nicht aufgestochen." Es scheine immer noch Anleger zu geben, die glauben, dass sich Geld magisch vermehre, doch dieser Optimismus könne teuer werden, warnt das Blatt.

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