Internationale Presseschau vom 4.12.2008
Vom Suchen und Lösen der Krise

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Rettungsversuche europäischer Regierungen - von deutschen Konsumschecks bis zu zinslosen Immobiliendarlehen in Frankreich. Newsweek kürt Fred Goodwin zum schlechtesten Banker der Welt. La Tribune kommentiert den Stellenabbau in der französischen Wirtschaft. Fundstück: Achtung, torkelnde Astronauten.

Les Echos aus Frankreich lüftet vorab ein weiteres Rettungspaket, das Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am heutigen Donnerstag vorstellen werde. Nachdem Sarkozy zuvor den Banken zur Hilfe geeilt sei, liege der Fokus diesmal auf der Unterstützung der Realwirtschaft. Das Paket habe ein Volumen von rund 25 Milliarden Euro, darunter seien zehn Milliarden Euro für Investitionen und Unterstützungen der Produktion: Projekte, die beim jüngsten Umweltgipfel beschlossen worden seien, sollten auf diesem Weg rasch umgesetzt werden - als Beispiel nennt das Blatt die Sanierung von Sozialbauwohnungen oder Anreize zum Energiesparen. Außerdem flössen rund sechs Milliarden an Unternehmen besonders der Automobil- und Baubranche, u.a. in Form von Steuererleichterungen und einer Ausdehnung der zur Finanzierung neuer Immobilien gewährten zinslosen Darlehen.

Die Zeit plädiert für die Verteilung von Konsumschecks in Deutschland. "Die Menschen würden die Konsumtempel stürmen. Weil der private Konsum fast 60 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung ausmacht, wäre der Schub für die Konjunktur enorm." Die vom Staat dafür benötigten 40 Milliarden Euro entsprächen weniger als zwei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Außerdem würde der Bundeshaushalt - im Unterschied zu Steuersenkungen - nicht dauerhaft belastet. Bei Besserverdienern solle der Staat die Verteilung der Gutscheine an die zusätzliche Bedingung knüpfen, dass diese ihre Schecks nur dann einlösen dürften, falls sie beim Einkaufen die gleiche Summe drauflegten. Fazit der Hamburger: "Konsumschecks erfüllen alle Anforderungen an ein modernes Konjunkturprogramm. Sie lassen sich schnell und unbürokratisch verschicken. Sie geben den Bürgern etwas Entscheidendes zurück - nämlich Zuversicht und Vertrauen."

Anders als die Zeit glaubt die Welt, dass die Ausgabe von Konsumgutscheinen allenfalls "konjunkturelle Strohfeuer" auslösen, während mit einer Steuerreform die Wachstumskräfte nachhaltig gestärkt werden könnten. "Die Bürger hätten die Perspektive, dass ihnen der Staat dauerhaft mehr von ihrem verdienten Einkommen lässt. Eine Steuerentlastung bringt im besten Fall beides: einen konjunkturellen Impuls und eine Verbesserung des Wirtschaftsstandorts."

Hürriyet schießt scharf gegen das Krisenmanagement des türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan. Obwohl seit Mitte August Hunderttausende Türken ihren Job verloren und Dutzende prominente Unternehmen ihre Pforten geschlossen hätten, habe Erdogan lange Zeit gereizt auf das Thema reagiert: "Seine Augen wurden größer, und er schrie denjenigen, die das Wort ,Krise' benutzten oder über ,die Notwendigkeit, rasch wirtschaftliche Maßnahmen einzuleiten' sprachen, ein ,Krisengeschwätz!' entgegen." Erst in der vergangenen Woche habe Erdogan eingeräumt, dass auch die Türkei "peripher" betroffen sei - gleichwohl sei der Höhepunkt schon überschritten. Vor diesem Hintergrund wundert sich das Blatt, dass die Regierung bereits seit einem Monat hinter den Kulissen an Maßnahmen zur Eindämmung der sich angeblich doch schon abschwächenden Krise arbeite. Das Paket habe aber nicht vervollständigt werden können, und es sei unwahrscheinlich, dass die Regierung es in nächster Zeit ankündigen werde.

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