Internationale Presseschau vom 6.5.2009
Autobranche: Dem Untergang geweiht

Die internationale Wirtschaftspresse beschreibt die Krisenstimmung und Konzentration auf dem europäischen Automarkt – besonders die deutsche Autobranche sei nicht zu retten. Business Week befürwortet eine Übernahme von Twitter durch Apple. Die Middle East Business Intelligence beobachtet den Niedergang von Dubai. Fundstück: Bekenntnisse von Mrs. TARP.

Aus Sicht des Wall Street Journal gab es seit der Allianz von Renault und AMC zum Vertrteib des „Le Car“ keinen seltsameren oder weniger aussichtsreichen Zusammenschluss als der von Chrysler und Fiat. Gutgläubige Kommentatoren glaubten, dass es jetzt für Chrysler nur noch darauf ankomme, die zwei Jahre zu überbrücken, bis dass Fiat US-Versionen von populären europäischen Modellen in den USA herstellen lasse. „Meine Güte. Solange die Benzinpreise nicht bis fünf Dollar pro Gallone ansteigen, wird Marchionne nicht so dumm sein und glauben, dass die Produktion und der Vertrieb klitzekleiner Euroautos in den USA der Weg der Rettung sein wird“, hält das WSJ dagegen. Selbst in Europa gehe der Trend, wie der Fiat-Chef selbst betont habe, inzwischen wieder zu größeren Autos, weil die Kunden älter und dicker würden – und sich beim Aussteigen aus dem Auto nicht verdrehen wollten.

Für die Financial Times Deutschland ist das Gezerre um Opel der Auftakt eines langen Prozesses der Deindustrialisierung. Zwar werde es auch in Zukunft noch einen Markt geben für Autos, die 50.000 oder 100.000 Euro kosteten – die Zukunft der industriellen Massenproduktion von Fahrzeugen liege aber beim Tata Nano und seinen Brüdern, deren Bau in Europa undenkbar sei. Dass die deutsche Autobranche dem Untergang geweiht sei, begründet die FTD insbesondere mit den strukturellen Überkapazitäten. Und indem die Politik von den möglichen Opel-Käufern Standortgarantien verlange, sei sie gerade dabei, den Abbau dieser Überkapazitäten zu verhindern. „Was wir jetzt in Deutschland erleben, ist der Anfang vom Ende einer industriellen Legende. Ob Opel und Fiat oder Porsche und VW: Das Ende wird qualvoll sein“, malt der Kommentator ein düsteres Bild. Statt das unausweichliche Sterben der europäischen Fahrzeugindustrie etwas hinauszuzögern, müsse die Politik den Strukturwandel akzeptieren und die Menschen, die dort arbeiten, auf neue Aufgaben vorbereiten.

Der russische Automarkt treibt während der Krise absurde Blüten, berichtet Kommersant. Weil die Hersteller zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt mit sinkenden Absatzen kämpften, tobe ein erbitterter Preiskampf. „Hersteller wie Toyota, Nissan, Renault und VW sind natürlich im Vorteil, weil sie bereits russische Werke aufgebaut haben“, schreibt die Zeitung. Bemerkenswert sei, dass der Mittelklasse-Wagen Toyota Camry aus russischer Produktion nun billiger zu haben sei als der deutlich kleinere, aber importierte Toyota Corolla. Bei Daewoo bekomme der Käufer eines Nexia den kleineren Matiz gar geschenkt. Beim Kauf eines Mercedes könnten die Russen mit den Umrechnungskursen des Euros auf Vorkrisenniveau rechen. Die Händler versuchten ihrerseits die Preisnachlässe an anderer Stelle zu kompensieren. „Wer jetzt einen billigeren Neuwagen kauft, wird eine große Überraschung bei den Preisen für den TÜV und für Reparaturen erleben.“

Vedomosti kommentiert die Ambitionen des russischen Autoherstellers GAZ auf eine Opel-Obernahme, im Konsortium mit Magna und dem staatlichen Finanzinstitut Sberbank. Die Krise biete eine gute Gelegenheit, einen der größten Autokonzerne günstig zu erwerben, schließlich brauche die russische Autoindustrie neue Technologien, zitiert die Zeitung aus Sberbank-Kreisen. Die Chancen im Übernahmekampf mit Fiat seien aber relativ gering, da Fiats Finanzen stabiler seien. „Finanziell ist für GAZ der Einstieg bei Opel blanker Wahnsinn“, poltert das Blatt. Der russische Autobauer versuche gerade, seine Schulden in Höhe von einer Milliarde Euro umzustrukturieren und kämpfe mit Absatzrückgängen von etwa 60 Prozent. Auch die Produktion eines Chrysler-Modells unter der Marke Wolga in Russland sei gescheitert. „Für GAZ wäre es vielleicht besser, seine PKW-Sparte aufzugeben, und sich auf Nutzfahrzeuge zu konzentrieren“, zitiert die Zeitung einen Analysten.

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