Internationale Presseschau vom 7.8.2008
Zwischen Abschwung und Absturz

Die internationale Wirtschaftspresse beobachtet die Wolken über Deutschlands Wirtschaft und stellt die heute tagende EZB an den Pranger. Das Wall Street Journal rät der China Development Bank, die Finger von der Dresdner zu lassen. Das Manager Magazin nimmt Daimler die Angst vor schwedischen Finanzinvestoren. Fundstück: Olympiade ohne Hunde à la carte.
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Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert die Krise in der deutschen Industrie, die seit sieben Monaten stetig weniger Aufträge verbuche. Die stark exportabhängige deutsche Industrie leide unter dem konjunkturellen Abschwung in Amerika und der Schwäche wichtiger Handelspartner in Europa. Trotz dieser trüben Aussichten sei ein „hemmungsloser Konjunkturpessimismus“ nicht angebracht. „Die nun kursierenden Zahlen zum vergangenen Frühjahr, das wohl ein Schrumpfquartal war, relativieren sich, wenn man bedenkt, wie überragend gut das erste Quartal verlaufen ist.“ Selbst wenn im Sommer abermals eine leicht negative Wachstumszahl herauskäme, argumentieren die Frankfurter, wäre dies kein Anlass zur Panik. „Anders als in Spanien oder Irland gab es in Deutschland keine konjunkturellen Übertreibungen, die eine scharfe Korrektur erforderten. Es gibt wohl einen Abschwung, aber keinen Absturz.“

„Deutschland wankt“, überschreibt die britische Financial Times ihren Kommentar zur deutschen Konjunktur. Die jüngsten Wirtschaftsdaten – besonders die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um ein Prozent geschrumpft sei – erschienen „dramatisch“ und könnten sogar in ein negatives Wachstum für das gesamte Jahr münden. Die deutsche Schwäche könnte die EZB dazu verleiten, eine lockerere Geldpolitik zu verfolgen als ursprünglich geplant, ahnt die Zeitung. Eine Kurs-Korrektur müssten jedoch nicht nur die Frankfurter Zentralbanker, sondern auch „überreagierende“ deutsche Politiker vornehmen: „Gegen die populistischen Vorschläge der CSU, einen Stimulus zu setzen, indem Berufspendler steuerlich begünstigt werden, muss man vorgehen“, fordert die FT. Die Politiker dürften „jetzt nichts tun, was sie in besseren Zeiten nicht rechtfertigen könnten.“

Für die Frankfurter Rundschau ist der schwache Auftragseingang deutscher Unternehmen eine „reine Katastrophe“. Dass sich vor allem die Nachfrage aus Euroland verflüchtige, zeige den schlechten Zustand der gesamten Wirtschaftskraft Eurolands. „Nun ist klar, dass die Rezession hierzulande kaum mehr abzuwenden ist, von Spanien, Italien und Frankreich ganz zu schweigen.“ Spätestens jetzt müsse die europäische Öffentlichkeit die heute tagende Europäischen Zentralbank (EZB) an den Pranger stellen, die mit ihrer Juli-Zinserhöhung hochriskant gewettet und verloren habe. Dieser Schritt sei im Nachhinein eine „krasse Fehlentscheidung“ gewesen. Die EZB habe die „Dramatik des Abschwungs“ total unterschätzt, während sie die Inflationsgefahren überschätzt habe. Fazit der FR: Die Rezession und die wieder steigenden Arbeitslosenzahlen müssten von nun an EZB-Rezession und EZB-Arbeitslosigkeit genannt werden.

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