Internationale Presseschau vom 8.6.2009
Rio Tinto: Hoffnung nach geplatzter Hochzeit

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die geplatzte Milliarden-Ehe des chinesischen Staatskonzerns Chinalco und des britisch-australischen Rohstoffkonzerns Rio Tinto. BusinessWeek sieht den Citigroup-Chef auf der Abschussliste. Für ilsole24ore ist das Ergebnis der Europawahl eine Opel-Strafaktion. Fundstück: Spanien gehen die Nummern aus.

Der Einstieg des chinesischen Staatskonzerns Chinalco beim britisch-australischen Rohstoffkonzern Rio Tinto ist geplatzt. Um trotzdem an die dringend benötigte Finanzspritze zu kommen, will Rio Tinto nun eine mit großem Abschlag versehene Kapitalerhöhung über 15,2 Milliarden Dollar ansteuern; außerdem plant der Konzern, seine australischen Eisenerzminen mit denen seines Rivalen BHP Billiton zusammenzulegen.

Das Wall Street Journal erkennt im zehnprozentigen Wertzuwachs der Rio-Aktie nach den jüngsten Rio-Nachrichten eine Bestätigung der Aktionäre für das Joint Venture mit BHP. Viel stärker jedoch sei die Reaktion ein Applaus für die Abkehr vom Chinalco-Deal – in den vergangenen Wochen habe sich bereits abgezeichnet, dass die Aktionäre die chinesische Beteiligung trotz der am Ende noch veränderten Rahmenbedingungen unter keinen Umständen akzeptieren würden. Im nachhinein habe sich die Haltung der Aktionäre als richtig erwiesen. Nicht nur habe sich Rio auf diesem Weg mehr Geld gesichert – 21 Milliarden Dollar gegenüber 19,5 Milliarden Dollar beim Chinalco-Deal, dank der Barzahlung in Höhe von 5,8 Milliarden Dollar durch BHP im Rahmen des Joint Venture –; außerdem sei der neue Kurs für die Aktionäre wertvoller. Das Joint Venture bewerte Rios Eisenerz-Geschäft mit 63 Milliarden Dollar – fast dem Doppelten der Summe, die ihm durch den Chinalco-Deal beigemessen worden wäre.

Aus Sicht der Financial Times ist der geplatzte Deal ein ernster Rückschlag für das Selbstbewusstsein der Chinesen, für die das Engagement bei Rio Tinto das größte Auslandsinvestment gewesen wäre – und außerdem eine Perspektive, das eigene rapide Wachstum mit einer stabilen und kosteneffizienten Versorgung mit natürlichen Ressourcen zu sichern. „Für China ist dies eine bittere Lektion. Die Geschwindigkeit der globalen Expansion hat seinen Firmenkolossen wenig Gelegenheiten geboten, Erfahrungen mit der unbarmherzigen Realität von Übernahmen im westlichen Stil zu sammeln. Trotz des Rückschlags geht die FT nicht davon aus, dass China seine aggressive globale Investitionsstrategie aufgeben werde. Allein die Rückendeckung der vier staatlich kontrollierten Banken für Chinalco – für das zweite Investment hätte das Unternehmen kaum Zinsen zahlen müssen, außerdem habe es keine Frist zur Tilgung der Schulden gegeben – habe den Ehrgeiz der Chinesen untermauert.

Für Les Echos aus Frankreich ist die Mega-Kapitalerhöhung bei Rio Tinto ein positives Zeichen in der Krise. Noch vor kurzer Zeit wäre dieser Schritt undenkbar gewesen, weshalb sich die hochverschuldete australische Bergbau-Gruppe noch im Februar in die Arme der Chinalco-Chinesen habe werfen wollen. „Heute ist nicht mehr die Zeit der eiligen Lösungen. Die Investoren finden allmählich wieder ihren „Geist“. So „bewässere“ die Liquidität von neuem die Märkte, gleichwohl in homöopathischen Dosen. Selbst die „Pestkranken“ von gestern erhielten wieder ihr Bürgerrecht: die Bergbau-Konzerne, die von einem Anstieg der Preise für Rohstoffe profitierten, sowie die Banken, die sich nach langen Monaten der Quarantäne diesseits und jenseits des Atlantiks wieder auf den Märkten refinanzierten.

Seite 1:

Rio Tinto: Hoffnung nach geplatzter Hochzeit

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%