Internationale Presseschau von 18.7.2008
Banken: Vorzeichen stehen auf Gelb-Grün

Teile der Wirtschaftspresse rechnen heute mit einer Entscheidung zur Allianz von Commerzbank und Dresdner Bank und bescheinigen dem Bündnis gute Chancen. Die International Herald Tribune wirft der deutschen Kanzlerin vor, im Präsidentschaftswahlkampf nicht neutral zu bleiben. Le Monde meldet Zweifel an den französischen Atomkraft-Plänen an. Fundstück: USA wird europäisch.
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Nach Einschätzung einiger Wirtschaftszeitungen könnte am heutigen Freitag eine Entscheidung über das Zusammengehen von Commerzbank und Dresdner Bank fallen. Die Neue Zürcher Zeitung untersucht die Chancen eines „gelb-grünen“ Bündnisses von Commerzbank und Dresdner Bank - nach internen Planungen könnten die Commerzbank-Aktionäre 70 und die Allianz 30 Prozent an der neuen Firma halten. Es sei nicht unplausibel, dass auf diesem Weg rund zehn Prozent der Gesamtkosten beider Institute eingespart werden könnten, etwa bei der IT, im Filialnetz, in der Verwaltung und den Fondsgesellschaften. Die Allianz wäre außerdem ihr Sorgenkind los und könnte sich ganz dem Stammgeschäft widmen, behielte aber über die Beteiligung Einfluss auf den Vertriebskanal Bank. Fazit: „Es wurden schon Verbindungen unter schlechteren Voraussetzungen eingefädelt.“

Die Süddeutsche Zeitung misstraut den Gerüchten, dass heute eine Entscheidung zur Fusion fallen könnte: „Dass inzwischen aus jeder Wasserstandsmeldung ein potentieller Durchbruch wird, setzt die Akteure unter unnötigen Druck und bringt Tausende Mitarbeitern in tägliche Erklärungsnot gegenüber ihren Kunden.“ Besonders für die Allianz sei die Situation ungemütlich: Sie müsse nicht nur einen raschen Abschluss im Auge behalten, sondern dabei auch noch Gesicht und Bilanzen gleichermaßen wahren. 24 Milliarden Euro habe das Unternehmen vor sieben Jahren für die Dresdner ausgegeben, zurzeit stehe sie mit zwölf Milliarden in den Büchern. „Sollte die Bank für acht Milliarden Euro über den Tisch gehen, wäre die Allianz der Verlierer – und würde von den eigenen Investoren bestraft.“

Die Financial Times Deutschland hat recherchiert, dass man Allianz-intern davon ausgehe, dass der Verkaufsprozess noch bis Ende des Jahres dauern könne. Ein „bedeutendes, aber überwindbares Problem“ bei einer Allianz von Commerzbank und Dresdner Bank sei die starke Stellung der italienischen Versicherung Generali, die 8,6 Prozent an der Commerzbank halte und Versicherungspartner der Bank sei. „Die Generali müsste man herauskaufen“, zitiert das Blatt aus Unternehmenskreisen. Charme hätte auch ein Tausch mit der spanischen Bank Santander, bei dem die Allianz die Dresdner abgeben und dafür die Versicherer von Santander in Spanien und Lateinamerika erhalten würde, meint die FTD. „Verbunden mit einem langfristigen Kooperationsvertrag zumindest für Deutschland und Spanien hätte die Allianz ihr Geschäftsfeld erheblich ausgeweitet.“

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