Presseschau
Bergbau-Hochzeit ohne Festmusik

Die geplante Allianz des Rohstoffhändlers Glencore mit dem Bergbaukonzern Xstrata trifft in der Wirtschaftspresse auf Skepsis. Zwar folge der Schulterschluss einer industriellen Logik, doch die Risiken seien immens.
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Der Rohstoffhändler Glencore schließt sich mit dem viertgrößten Bergbaukonzern Xstrata zu einem neuen Rohstoffriesen zusammen. Glencore ist schon heute mit 34 Prozent der wichtigste Aktionär von Xstrata und will die restlichen 66 Prozent über Aktien im Wert von 41 Milliarden Dollar kaufen.

Die Allianz folge zwar einer „industriellen Logik“, weil das neue Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette abdecke, kommentiert die Börsen-Zeitung. Doch dies bringe insofern Probleme mit sich, als Wettbewerber auf der Produzentenseite wie BHP Billiton, Rio Tinto, Vale und Anglo American künftig einen Bogen um Glencore machen und ihre Rohstoffe stattdessen bei Rivalen von Glencore absetzen könnten. Folge: Ohne ein entsprechendes Angebot an Rohstoffen von Glencore fehlten Xstrata wertvolle Informationen über die Wettbewerbslage.

Die Neue Zürcher Zeitung erinnert an die Liste der gescheiterten Bergbau-Übernahmen in den vergangenen fünf Jahren, darunter die geplatzte Allianz von BHP Billiton und Rio Tinto. Auch der Zusammenschluss von Glencore mit Xstrata könnte an den Wettbewerbshütern scheitern. Daneben drohten die Xstrata-Aktionäre, die Transaktion zu stoppen, da ihr Unternehmensteil das höhere Wachstumspotenzial aufweise. Fazit der NZZ: „Die Verbindung der beiden Bergbaukonzerne scheint im Himmel arrangiert worden zu sein; doch schon bald könnte diese Idylle auf den harten Boden der Realität fallen.“

Das Wall Street Journal entwirft die Perspektive, dass Xstrata die im Oktober 2009 geplatzte Übernahme von Anglo American erneut in Angriff nimmt. Verglichen mit BHP und Rio sei Anglo American zu klein; andererseits zeige die Marktkapitalisierung des Unternehmens in Höhe von rund 59 Milliarden Dollar, dass Anglo American durchaus in Reichweite von Xstrata/Glencore liege. Grundsätzlich habe Glencore-Xstrata eine große Lücke: Eisenerz. Um auf diesem Sektor mit Rio, BHP und Vale mithalten zu können, sei ebenfalls eine Übernahme notwendig.

In der Handelszeitung verweist Matthias Müller, Analyst für Rohstofftitel bei der Credit Suisse, auf weitere Probleme der Allianz. So sei Glencore in risikoreicheren Gegenden tätig wie im Kongo, in Sambia oder Kasachstan. Hinzu komme, dass Glencore stärker verschuldet sei und so auch der neue Konzern mehr Schulden trage als Xstrata alleine. Mit Blick in die Zukunft rechnet Müller damit, dass der Konzern kleinere Minenunternehmen zukauft, um sich in Rohstoffbereichen wie Kohle und Eisenerz weiter zu stärken.


Auch die britische Financial Times meldet Bedenken an. Die angestrebte vertikale Integration sei bei Wettbewerbern ein Auslaufmodel – in den vergangenen zwei Jahrzehnten hätten sich viele große Minenfirmen von ihren Handels-Abteilungen getrennt; keiner habe Produktion und Handel bisher erfolgreich vereinen können. Einige führende Manager der Branche verwiesen auf eine erfolgreiche Allianz aus einer anderen Branche: von Royal Dutch Petroleum Company mit ihren Ölfeldern auf der einen Seite und Shell auf der Transporte- und Handelsseite. Der Schulterschluss sei allerdings 1907 erfolgt, als die Bodenschätze-Industrie noch jung war. Heute versuchten Glencore und Xstrata, dieses Modell in einem erwachsenen Sektor zu wiederholen, dämpft das Blatt die Hoffnungen.

Das deutsche Schwesterblatt Financial Times Deutschland rät den Aufsichtsbehörden, sich den Schulterschluss genau anzusehen. Der neue Konzern werde bei einzelnen Rohstoffen wie Kraftwerkskohle und Zink auf einen hohen Marktanteil kommen und möglicherweise die Preise nach oben treiben. Außerdem bekämen die neuen Geschwister wie kaum ein zweiter Akteur Bescheid über die Versorgungslage in einzelnen Ländern, da sie Zugang zu privilegierten Informationen erhielten, die sie gegenüber ihren Partnern und Wettbewerbern zu ihrem eigenen Vorteil ausspielen könnten.

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