Presseschau
Deutschland als letzter Euro-Anker

Italien, Frankreich, Belgien - die Investoren weiten ihre Anleihe-Attacken auf Kern-Europa aus. Die internationalen Wirtschaftsmedien sind besorgt: Wann zückt die Europäische Zentralbank ihre „geldpolitische Bazooka“?
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KölnDie Euro-Krise verlagert sich immer stärker von der Peripherie zu den Kernländern: Auf dem Markt für Staatsanleihen geraten auch Frankreich, Belgien und Österreich unter Druck, die um den Verlust ihrer Top-Bonitätsnote „AAA“ fürchten müssen; erstmals stehen auch Papiere aus den mit dem Triple-A bewerteten Niederlanden auf der Verkaufsliste der Investoren.

Die Einteilung der Eurozonen-Staaten in die drei Gruppen Kernländer, Wackelkandidaten und Bail-out-Staaten sei seit den gestrigen enormen Spread-Ausweitungen passé, kommentiert die Börsen-Zeitung. Hintergrund sei die wachsende Angst vor weiteren Ansteckungen auch der vormals sicher geglaubten Länder. Vor diesem Hintergrund wüchsen auch die Zweifel, ob der Rettungsfonds EFSF die notwendige Unterstützung zu leisten vermöge. „Er selbst traf ja schon auf eine zurückhaltende Investorennachfrage bei seinen eigenen Anleihen, und das als Triple-A-Emittent mit Rückendeckung aller Eurozonen-Staaten.“


„Sollte der Trend anhalten, wird der Kern nur noch aus Deutschland bestehen“, prognostiziert das Wall Street Journal. In den Augen des US-Kommentators ist aktuell besonders Besorgnis erregend, dass selbst Triple-A-Staaten wie die Niederlanden, Finnland und Österreich nicht immun gegen eine Ansteckung seien. Dass die Sorge mit Blick auf das Alpenland wachse, sei möglicherweise damit zu erklären, dass Österreich historische Verbindungen zu Ungarn habe, wo die Zinsen für Anleihen mit dreimonatiger Laufzeit über 6,7 Prozent gestiegen seien. Finnland und die Niederlanden in den Fokus zu nehmen, sei nach Einschätzung der Royal Bank of Scotland möglicherweise aber ein Zeichen dafür, dass die Krise „auf einem neuen, gefährlicheren Level“ eskaliere.

Die Financial Times Deutschland lenkt die Diskussion auf die alles entscheidende Frage, ob die Europäische Zentralbank am Ende zur „geldpolitischen Bazooka“ greifen werde, um unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen und den „verheerend verselbstständigten“ Zinsanstieg zu stoppen. Trotz der wachsenden Zahl der Befürworter solcher Maßnahmen wehre sich Bundesbank-Chef Jens Weidmann weiterhin gegen die ausgeweitete Staatsfinanzierung per Notenbank. Doch der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern der „EZB-Bazooka“ wäre fatal, warnt die FTD, falls dieser eskalierte „und damit das letzte potenzielle Mittel im Kampf gegen die Euro-Krise an Glaubwürdigkeit verliert.“

Die Business Times aus Singapur wundert sich, dass die Eurozonen-Länder bislang nicht stärker Gold als Lösung für die Krise in Betracht gezogen hätten. Es sei doch mehr als offensichtlich, dass goldgedeckte Anleihen dem Euroraum eine Atempause und Zeit verschaffen würden. Darüber hinaus erlaubten sie gebeutelten Ländern wie Griechenland, Spanien oder Irland, die „restriktive Eurozone mit ihrer deprimierenden Sparpolitik“ bei Bedarf zu verlassen. Ende Oktober habe die Goldreserve der verschiedenen Notenbanken in Europa bei 347 Millionen Unzen gelegen, was einem Wert von 607 Milliarden US-Dollar entspreche; allein Italien besitze 78,8 Millionen Unzen. Nicht nur ließen sich ängstliche Investoren beruhigen, falls die Staatsanleihen durch Gold abgeschirmt würden.

Länder wie die USA, Deutschland, China oder Russland könnten außerdem einen Teil ihrer Goldreserven zur Verfügung stellen, um eine „Krisen-Institution“ einzurichten: einen Fonds, der goldgedeckte Anleihen als Zwischenfinanzierung an Staaten ausgebe, denen die Gefahr eines Zahlungsausfalls drohe.

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Was die EU-Krise mit der UdSSR verbindet

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  • Seit gestern ist es offensichtlich geworden: Wir haben keine Eurokrise, sondern eine Staatsverschuldungskrise, die als Hebel benutzt wird, um den Dollar als Welt-Leitwährung in Position zu halten. USA müsste sich in die Reihe mit Griechenland und Italien stellen, wenn der US Dollar als Leitwährung ausgedient hätte. Die Politik des billigen und inflationären Geldes würde dann voll auf die USA zurückschlagen. Als Leitwährung wird viel von dem ungesunden Gebaren der US Geldmanager und ihrer Profiteure von der Welt kompensiert. Und: Als Spekulant an der Wall Street möchte man gerne die Leitwährung des Landes haben in der man die Politiker kontrollieren kann.

  • Zitat:
    "Was die EU-Krise mit der UdSSR verbindet".

    Ich würde sagen die Frage ist falsch gestellt, richtig müsste es lauten:
    "Was die EU mit der UdSSR verbindet".

    Kaum noch etwas, die Strukturen gleichen sich immer weiter an, die einseitige Berichtertattung ist auch schon spürbar. Alle schreien nach mehr Europa, zumindest alle die nicht aus dem Volke kommen...

    Die Macht der ehemals souveränen Völker innerhalb der EU ist auch längst erloschen, die Behauptung die Völker seien noch der Souverän gleicht einer einzigen Pharse. Unter dem Deckmantel der Eiligkeit in der Kriese sind Wahlen "hinderlich", stattdessen werden in allen Ländern -siehe Italien oder Griechenland- nach und nach Subjekte eingesetzt die eigentlich alle aus der EU kommen bzw. dort oder in deren nähe vormals hohe Ämter inne hatten.

    Wer gegen diesen sich aufbauenden Neusozialismus aufbegehrt wird sofort öffentlich als nationanostalgiker oder auch rechtspopulistisch (was auch immer das sein mag) denunziert.

    Der einzelne zählt nicht mehr, der persönliche Wohlstand wird auf die Masse pervertiert. Wer dumm genug ist zu leisten soll doch bitte auch dumm genug sein zu verschenken. Die Brüsseler Gleichmacherei wird zur neuen Religion erkoren und durchgeboxt -koste es was es wolle.

    Die Krise mutiert zur Ermächtigung der Bürokraten diese neue EUDSSR voran zu treiben. Die Profiteure verstecken sich hinter den vielzitierten Märkten und machen Kasse.
    Nun lechzen sie bereits nach der Druckerprese der EZB und vermutlich wird diese, südländisch korrupt gefühte BadBank auch den Rufen folgen.

    Dann werden wir auch das wertlose Geld der UdSSR geerbt haben.

    Wilkommen liebe Genossen in der EUdSSR


  • Sie haben völlig Recht. Die Bundesregierung müsste jetzt klar und öffentlich Stellung gegen diese Inflationspolitik beziehen (ggf. auch mit radikalen Konsequenzen drohen). Das tut sie nicht und so werden die Grenzen weiter ausgetestet.

    Es bleibt spannend, wer zuerst einknickt.

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