Presseschau
Durchwurschteln beim Kreditkarten-Rückruf

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die größte Kreditkarten-Umtauschaktion in der Geschichte und kritisiert die Informationspolitik der Finanzinstitute. Les Echos wundert sich über den exzessiven Pessimismus der Franzosen. Laut Dagens Industri machen Schwedens Politiker Front gegen Dividendenzahlungen. Fundstück: Bei uns wird nicht gesungen.
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Die Financial Times Deutschland kritisiert die Informationspolitik der Banken. Nur Stück für Stück komme ans Licht, dass in Deutschland derzeit die größte Kreditkartenumtauschaktion der Geschichte laufe – wie umfangreich diese Aktion tatsächlich sei und wie hoch der mögliche Schaden, bleibe bisher jedoch unbekannt. Die betroffenen Finanzdienstleister betrieben eine mangelhafte Informationspolitik gegenüber ihren Kunden und der Öffentlichkeit, mit dem Ziel, einen Imageverlust der Kreditkarte als sicheres Zahlungsmittel zu verhindern. „Es ist vollkommen unverständlich, warum Hersteller von Autos, Haushaltswaren oder Kinderspielzeug schon bei minimalen Restrisiken offen und transparent Rückrufaktionen starten und über Hintergründe informieren, eine Branche mit 24 Millionen ausstehenden Kreditkarten allein in Deutschland aber glaubt, sich durch die offenbar gravierenden Probleme irgendwie durchwurschteln zu können.“

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung zieht Ralf-Christoph Arnoldt, Sprecher des Zentralen Kreditausschusses (ZKA), in Betracht, dass bereits Schäden eingetreten seien, die zur Rückrufaktion geführt hätten. Möglicherweise sei bei den Organisationen, die den Kreditkarten-Zahlungsverkehr abwickelten (den so genannten Prozessoren), auch ein Innentäter aufgeflogen, der beispielsweise Daten kopiert habe. Eine große Schadenswelle könne man jedoch bisher ausschließen. Auf die Frage, ob es in Zukunft häufiger solche Systemangriffe geben werde, erklärt Arnoldt: „Arnoldt: Natürlich ist es für Kriminelle wirtschaftlich attraktiver, viele Daten auf einmal abzugreifen als etwa die Daten einer Karte auszuspähen. Andererseits unterliegen die Prozessing-Gesellschaften sehr hohen Sicherheitsvorschriften. Auch in Spanien. Da machen die Kreditkartengesellschaften strenge Vorgaben.“

Das Wirtschaftsportal Cash berichtet, dass auch Schweizer Kartenbesitzer betroffen seien. Wie viele Kreditkarten in der Schweiz zurückgerufen worden seien, sei aber aktuell nicht zu erfahren. Nach Einschätzung eines Sprechers des Kreditkartenherausgebers Swisscard nähmen die Angriffe zu. Vor allem mafiöse Strukturen würden sich gezielt Kreditkarten-Informationen beschaffen und auf „fast schon industrieller Basis weiterverkaufen“. Dass Cybercrime global auf dem Vormarsch sei, das zeigten auch Betrügereien mit gefälschten E-Mails und auf Homepages von Postfinance, UBS und anderen Banken. „Heute überwiegen professionell agierende Betrüger, die einzig zum Ziel haben, Daten der Anwender zu stehlen und diese wiederum zu verkaufen“, zitiert der Wirtschaftsdienst Candid Wüest, Virenjäger beim Softwarehersteller Symantec. Nicht weniger als knapp 45.000 Angebote an sensiblen Informationen wie Kreditkartennummern, Kontozugangsdaten oder Passwörtern seien 2008 in Schwarzmarktforen gehandelt worden. Gesamtwert: 200 Millionen Euro.

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