Presseschau
Eiszeit für das britische Pfund

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Auswirkungen des Winterchaos' auf die europäische Wirtschaft. Demnach können die Deutschen und Franzosen noch gelassen bleiben, Sorgen müssten sich aber die Briten machen. Außerdem in der Presseschau: Ernst & Young too big to fail? Conti macht gegen Großaktionär mobil. Fundstück: Schnee ist herzlos.
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Die Börsen-Zeitung kommentiert die Drohung von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas gegenüber den Flughafen-Betreibern und Abfertigungsgesellschaften, die sich in Zukunft ernsthafter für schwierige Wetterlagen wappnen müssten - statt den Beteiligten nur gut zuzureden, drohe Kallas unverhohlen mit Regulierung. Die Fluglinien, auf deren Druck Kallas reagiere, seien aktuell doppelt betroffen: Sie führen kurz vor Jahresschluss erhebliche Miese ein, insbesondere im für sie so wichtigen Geschäft rund um die Feiertage und Silvester. Außerdem drohten ihnen aufgrund der EU-Passagierrechte zusätzliche Aufwendungen. Vor diesem Hintergrund müssten Fraport & Co. gewarnt sein. "Denn beim Aufreger-Thema Flugverkehr-Unterbrechungen in Urlaubszeiten ist kaum mit Widerstand im EU-Parlament zu rechnen - ganz egal, wie weit die EU-Kommission mit ihrer Regulierung geht."

Das Wall Street Journal berichtet über die Sorgen der Briten mit Blick auf den harten Winter. Nachdem sich das Pfund Sterling in den vergangenen Monaten erholt habe, sei die Währung jetzt den Befürchtungen ausgesetzt, der Winter schwäche die ohnehin angeschlagene britische Wirtschaft. Die Hoffnungen auf Last-Minute-Großeinkäufe vor Weihnachten seien nun zerschmettert worden, da der Winter die Verbraucher von den Läden genauso fern halte wie von ihren Schreibtischen. Erschwerend hinzu komme das große Engagement britischer Banken in den hochverschuldeten Ländern wie Irland. Investoren warteten nach der Erklärung der Lloyds Bank, dass bis zu 54 Prozent der eigenen Kredite in Irland bedroht seien, auf die Ausführungen von HSBC und der Royal Bank of Scotland.

In einem weiteren Artikel fängt das Wall Street Journal die massive Kritik von Reisenden und Fluglinien an dem britischen Heathrow-Flughafen ein, wo gestern über 700 Starts und Landungen gestrichen worden seien. Zwar habe der private Flughafenbetreiber BAA Airports Ltd. (gehört zur spanischen Ferrovial SA) versucht, den Flughafen von Eis und Schnee zu befreien. Doch bis zum Donnerstag drohten zwei Drittel aller Flüge auszufallen. Besonders BAA-CEO Colin Matthews erwarte jetzt Gegenwind, da andere britische Flughäfen wie Gatwick dem Schnee und Sturm besser getrotzt hätten.

Die britische Financial Times geht nicht davon aus, dass sich das Winterchaos negativ auf die Perspektiven der europäischen Wirtschaft auswirkt. Und beruft sich dabei auf Ökonomen wie Ralph Solveen von der Commerzbank, der zwar kurzfristig von dämpfenden Effekten ausgehe, diese jedoch würden später durch Aufholeffekte kompensiert. In Frankreich, so die Financial Times, leide zwar der Einzelhandel unter dem Winterwetter. Doch der wachsende Absatz im Autohandel werde die Delle auffangen. Entscheidend aus Sicht von Ökonomen sei jedoch das deutsche Weihnachtsgeschäft. Sollte sich der Einzelhandel erholen, wäre dies der Beweis, dass sich Europas größte Wirtschaft von seiner hohen Export-Abhängigkeit wegbewege.

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