Presseschau
Europa-Retter im Teufelskreis

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Folgen der Entscheidung Irlands, unter den EU-Rettungsschrim zu schlüpfen. Forbes entdeckt einen neuen Markt für Pharmakonzerne. Die Financial Times Deutschland beklagt den mangelnden Mut Roland Bergers für eine Fusion mit Deloitte. Der Business Spectator sieht in Bill Gates einen guten Lehrmeister für Investoren. Fundstück: Ben Bernanke und das Pony.
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Aus Sicht der britischen Financial Times ist die derzeit wichtigste Aufgabe, die "Ansteckungsgefahr", die von Irlands Bankenkrise ausgehe, einzudämmen. So hätte ein Finanzkollaps auf der grünen Insel Folgen für die Hauptgläubiger Großbritannien und Deutschland, auch Portugal sei dann in akuter Gefahr, und mit ihm Spanien, sein Hauptgläubiger. Deshalb sei zu begrüßen, dass Irland nun doch unter den EU-Rettungsschirm schlüpfe: "Die European Financial Stability Facility (EFSF) wurde genau zu diesem Zweck gegründet." Das Problem sei, dass deren Mittel gerade einmal für zwei kleine Länder - Irland und Portugal - ausreichen würden. "Die EFSF ist kein Rettungsschirm für die Eurozone." Dennoch könne die Eurozone mit der EFSF über diese kurzfristige Finanzierungskrise hinwegkommen. Mittelfristig müssten jedoch zwei Probleme Sorgen bereiten: Die Liquidität der Eurozone-Mitglieder und Ungleichgewichte zwischen ihnen: "Die OECD hat letzte Woche Deutschland einen Überschuss von sieben Prozent des BIPs bis 2012 prognostiziert. Wir säen die Samen für die nächste Krise, für die die EU dann keine Instutionen, keine Mittel, keine Task Force hat", befürchtet das Blatt.

Vor einem rasch aufgebrauchten Rettungsfonds der Euro-Zone warnt das Portal Daily Finance. Mit 955 Milliarden Dollar sei die EFSF ausgestatten worden. 150 Milliarden habe Griechenland bereits erhalten, kämen Irland und Portugal hinzu, seien bereits zusammen 500 Milliarden Dollar weg - "und das nach nur einem halben Jahr seit Gründung des Rettungsfonds." Man wage nicht, sich auszumalen, was Spanien bei einem Kollaps benötige, das Land komme auf den sechsfachen BIP Irlands. Wenn sich abzeichne, dass weitere Mitgliedsländer Geld benötigten, würde dies die Zinsen hochtreiben und die Euro-Zone-Mitglieder weiter belasten, Sparprogramme hätten niedrigere BIPs und niedrigere Steuereinnahmen zur Folge - ein Teufelskreis. "Der Rettungsprozess in Europa ist nicht vorbei. Und es ist nicht klar, ob selbst eine Billion Dollar am Ende zu wenig wären, um die letzte Rechnung zu bezahlen."

Les Echos sorgt sich angesichts der anstehenden Rettung Irlands durch die Europäische Union ernsthaft um deren Zustand. "Europa war bereits 2000 der kranke Mann des Planeten. 2009 schien die Krise überwunden, doch bereits im Herbst 2008 gab es neue Symptome, als in Island russisches Kapital die Katastrophe verhinderte, das liberale Bankenparadies Großbritannien nationalisiert wurde und die französisch-belgische Bank Dexia im Husarenstreich gerettet wurde. 2010 wurde es dann deutlich schlimmer, mit Griechenland erkrankte Europas linker Fuß." Nun treffe es mit Irland Europas rechte Hand, der rechte Fuß (Portugal) und das rechte Bein (Spanien) drohen, ebenfalls infiziert zu werden. "Das Finanzwesen des alten Kontinents gleicht dem der Schwellenländer in den 1980ern, als sich von einem auf den anderen die Krise ausbreitete." Europa verliere an Kraft, an Geld, an Willensstärke und an Wachstum. Und die Aufgabe der Rettung liege derzeit allein auf der Europäischen Zentralbank (EZB). "Wir müssen die Krankheit an ihrer Wurzel bekämpfen: im Nervensystem Europas, in seinem Hirn - den Institutionen und Vorschriften."

Der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg glaubt, dass die Eurozone ihrem Mitglied Irland nur ein "bescheidenes" Rettungspaket schüren kann, die Krise des Landes sich demnach auf die anderen Staaten ausbreiten wird: "Nicht nur Irland ist unter Druck und versucht, zu überleben. Auch die europäischen Banker, die Irland finanziert haben, stehen unter Druck." Wenn die Krise die ganze Eurozone erfasse, würden sich alle Augen auf die EZB, auf den deutschen Steuerzahler und auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) richten. Die EZB könne nicht, der deutsche Steuerzahler wolle nicht zahlen. Bliebe der IWF. Und hier liege die Chance für China: "Europa könnte das Land um Hilfe bitten. China wiederum könnte den IWF mit Kapital ausstatten und sich so in eine Führungsrolle bringen. Vielleicht war es ja eine gute Idee, Min Zhu, Top-Mann bei der Bank of China, auf eine verantwortliche Position im IWF zu setzen?", spekuliert Bloomberg.

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  • Die nächsten sind schon in der Warteschleife, Portugal, Spanien........Wie das endet ist schon klar.
    Kopf einziehen und abtauchen?

  • @MS-Es wird geld gedruckt die stocken solange auf bis auch der letzte kleine Steuerzahler sein bischen erspartes weginflationiert hat.Warum können banken kein Geld in den Wirtschaftskreislauf Pumpen,weil sie so klamm sind das sie wenigstens so tun müssen als seien die Spareinlagen der bürger real vorhanden was nicht der Fall ist.Die Derivatebombe ist auch noch versteckt in den Kellern der Geldinstitute und der Gasamtwert 683,7 billionen US-Dollar.bei einer totalen Überschuldung der Staaten Deutschland eingeschlossen,Wieso wollte uns Herr Steinbrück erklären der Steuerzahler soll retten was nich zu retten ist.Mein Zahlenmaterial sagt eindeutig aus Pleite und zwar weit über 300%.Der Leitspruch der US-bänker hiess rettet uns vor einer Deflation,lasst die inflation zu sie rettet uns,was ein Trugschluss ist.Da die banken nur noch einen Tanz aufführen und das frisch gedruckte festhalten müssen um lequit zu bleiben wäre es fast zur Deflation in der Witschaft gekommen,nur mit den erneuten steigern der Geldmenge wurde das unvermeintliche hinnausgezögert.Nun liebes Vaterland bei 1.8 billionen Staatsschulden und weiterer Schuldenaufbau,wann endlich wollt ihr euren Volk die Wahrheit gestehen,ihr habt auf der ganzen liene versagt und das zu 100 %.ihr windet euch bis zum geht nicht mehr,wer das Vertrauen der bürger so missbraucht hat wie ihr sollte so viel Charakter zeigen und Verantwortung übernehmen.euer rumgebastel,diese Rettungsversuche dieser ganze Krampf hat nun schon die ungeborenen verschuldet,wo ist euer gewissen,diese frage sende ich euch zu.diese Menschen in Deutschland haben eine ehrliche Antwort verdient.Niemals wurden Landesbanken gebraucht,niemand hat das recht Kredite zu vergeben die nicht durch nichts abgesichert sind.wieso wurden bewusst kontrollmechanismen unterlaufen.Auf Antworten wird das Volk warten müssen,denn der Sturm der Entrüstung macht euch Angst.Lasst los von den Wahnsinn EU land für land sollte seine ékonomie erst einmal in Ordnung bringen,das alleine kostet vielen Generationen,einiges.Wenn ein Schuldner überschuldet ist können wir exportieren wie wir wollen,wir müssen ihn geld geben damit er konsumiert,was ist das für eine Logik,noch dazu wen der geldgeber selber pleite ist.so werden reale Werte vernichtet.Ein gedruckter Euro vernichtet 2 im Wert reale Euros.Kleiner Mann in Zeitarbeit beschäftigt,Aufstocker,Harz 4ler,ihr sollt das bezahlen,niemand sonst.und die zahl der letztgenannten steigt sehr schnell.

  • " Das Problem sei, dass deren Mittel gerade einmal für zwei kleine Länder - irland und Portugal - ausreichen würden. "

    Richtig erkannt, nachdem nunmehr nicht nur island, Griechenland sondern jetzt auch irland um finanztechnische Unterstützung ersucht hat, steht zu befürchten, dass der Makel eines solchen Schrittes zunehmend an Schrecken verliert und ein Run unter den Euro-Rettungsschirm eingeleitet werden könnte.

    ich fürchte jedoch, dass es kaum möglich sein wird, den Euro-Rettungsschirm von derzeit 750 Mrd EUR aufzustocken.

    Daher wird der alte Grundsatz gelten: "wer zuerst kommt, mahlt zu erst" !

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