Presseschau
Horror-Bank gefährdet die irische Wirtschaft

Die internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um das Schicksal der irischen Anglo-Irish Bank und der Regierung in Dublin. Die Financial Times entkräftet britische Sorgen vor einem einheitlichen europäischen Regelwerk für Finanzmärkte. La Tribune applaudiert der IFA in Berlin. Fundstück: Wenn's peinlich wird.
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Die Börsen-Zeitung schaut mit Sorge auf die Entwicklung bei der irischen Anglo-Irish Bank. Die seit Anfang 2009 verstaatlichte Bank sei zum Fass ohne Boden geworden und könnte das ganze Land in die Pleite reißen. Innerhalb von 18 Monaten habe die Regierung 23 Milliarden Euro Kapital in das Institut gepumpt, um die Mindestkapitalanforderungen zu erfüllen. Doch dies ist noch nicht genug: Gerade erst habe die Bank mit 8,2 Milliarden Euro den größten Verlust in der irischen Unternehmensgeschichte bilanzieren müssen. „Der Handlungsspielraum Irlands, schon 2009 noch vor Griechenland der größte Defizitsünder in der Eurozone, schrumpft bedenklich“, warnt die Zeitung. Die Risikoaufschläge bei irischen Staatspapieren hätten dieser Tage Rekordhöhen erreicht. Der EU-Wettbewerbskommissar werde in Kürze den Weg weisen, ob „Irlands Horrorbank“ zu schließen sei oder ob sie zu einem kleinen Teil bestehen bleibt. „Die Verantwortung, die dabei auf Brüssel lastet, ist nicht unerheblich. Einen zweiten Kollaps wie den von Lehman Brothers darf es nicht geben“, fordert das Blatt. Irland werde noch lange „die Zeche für die Blasenwirtschaft“ zahlen, denn eine gestreckte Abwicklung der Bank dürfte teuer werden.

Für das Wall Street Journal ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Staat im Falle der Anglo Irish Bank den Hahn zudreht. Anglo sei der größte irische Übeltäter in der Folge der Finanzkrise. Das Institut habe Milliarden an Baukonzerne geliehen, die vermutlich nie zurückbezahlt worden seien. Eines sei klar: Das Institut in eine Good- und eine Bad-Bank zu spalten oder über 10 oder 15 Jahre abzuwickeln, werde den Steuerzahler Milliarden kosten – „wie viele, das weiß niemand so wirklich“. Die Nerven in der Regierung und der Öffentlichkeit lägen blank. „Was Irland jetzt braucht, ist zumindest der Anschein von Sicherheit, um weitere Downgrades durch Ratingagenturen und damit verbundene steigende Kreditkosten zu vermeiden“, analysiert die Zeitung. Das Problem der kleinen offenen Volkswirtschaft Irlands sei zu einem internationalen Ärgernis geworden. Nun sei es an der Europäischen Kommission zu entscheiden, was mit dem Institut geschehen solle. „Momentan sieht es wohl nach Abwicklung aus“, resümiert das Blatt.

Die irische Sunday Business Post kritisiert das Krisenmanagement der Regierung in Dublin. „Die Regierung hat einer Bank, die wertlos ist, mehr gegeben, als sie es sich leisten kann“, rekapituliert die Zeitung. Wenn nun eine „anständige Bank“ um Hilfe bitte, bleibe für sie nichts mehr übrig. Die momentane Haltung der Regierung sei, dass sie und die Bank gewissermaßen ein und dasselbe seien. Eine Nichteinhaltung der Verpflichtungen gegenüber den Gläubigern käme einem Staatsbankrott gleich. „Genau das macht den Märkten Angst“, glaubt die Zeitung. Das Signal der Märkte sei jedoch, dass die Regierung vollkommen anders handeln müsse: „Schneidet die Bank los vom Staat und lasst sie gehen“. Natürlich würde diese Richtungsänderung komplizierte Verhandlungen, unter anderem mit der Europäischen Zentralbank erfordern, aber das bedeute nun mal Erwachsensein.

 

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  • Versorgte Würdensträger müssten leiden;
    das wird nicht geschehen.

  • Diese bank MUSS geschlossen werden.
    Um der Finanzwelt Klar zu machen, so wie jetzt gehe es nicht weiter.

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