Presseschau
In der Euro-Krise geht es um alles oder nichts

Die Wirtschaftspresse appelliert an Europas Politiker, die Euro-Krise entschiedener zu bekämpfen und fürchtet katastrophale Folgen eines Scheiterns. Die letzte Chance für eine Änderung der Strategie sei nun gekommen.
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Laut Wall Street Journal geht es beim Griechenland-Sondergipfel der europäischen Regierungen am Donnerstag um alles oder nichts. Die alte Strategie im Kampf gegen die Finanzprobleme der Mitgliedsstaaten sei gescheitert, dabei sei es alles andere als sicher, dass die Staatschefs fähig und willig seien, sich am Donnerstag auf eine erfolgreichere Strategie zu einigen. „Sind sie es nicht, wird die Währungsunion nicht überleben“, lautet die drastische Prognose. Dabei trage Deutschland die Hauptschuld an der jetzigen Situation. Die Finanzprobleme einzelner Staaten seien erst zu einer Euro-Krise geworden, nachdem Deutschland private Beteiligung bei der Krisenbewältigung gefordert habe. Seitdem hätten weder Sparmaßnahmen noch Wirtschaftsreformen Einfluss auf die Kreditkosten für die betroffenen Staaten.

Die Financial Times sieht den Kampf um den Euro in einer neuen, noch gefährlicheren Situation. Noch vor wenigen Monaten hätten Politiker die Krisenbekämpfung zwar als schwierige, jedoch lösbare Aufgabe dargestellt. Die Annahme sei gewesen, die Krise wäre mit klugen Maßnahmen auf die kleinen Staaten zu begrenzen. Dies habe sich als Illusion erwiesen, denn die Kreditzinsen für Spanien und Italien seien am Montag auf einen neuen Rekord seit der Euroeinführung geklettert. Mittlerweile stellten die Finanzmärkte die Kreditwürdigkeit von einem Drittel der Eurozone in Frage. Der Euro sei die Krönung von 45 Jahren europäischer Integration, doch stürze diese Säule ein, wenn es unklar bleibe, was mit dem Rest der EU-Architektur passieren werde. Beim Gipfel am Donnerstag müssten die EU-Regierungen zu ihrem Versprechen stehen, den Euro zu retten, koste es, was es wolle. „Die Zeit der vagen, zäh klingenden Sprache ist vorüber“, kommentiert das Blatt. 

Auch die Wirtschaftsagentur Reuters läutet eine neue, gefährliche Phase der Euro-Krise ein. Sei die Krise früher nur für die Wirtschaft kleinerer Peripheriestaaten existenziell bedrohlich gewesen, so sei sie dies nun auch für die europäische Integration und die Weltwirtschaft. Es bleibe nur zu hoffen, dass die europäischen Verantwortlichen eine entscheidende Richtungsänderung vollbringen können. Dabei seien einige Fakten zu beachten. Zunächst sei das Vertrauen ins System essentiell. „Den Investoren eine Lektion erteilen zu wollen, ist ein Wunsch, aber keine Politik“, so Reuters. Es sei falsch, die Gläubiger zu bestrafen. Außerdem könne kein Land dauerhaft einen Primärüberschuss zugunsten ausländischer Gläubiger erwirtschaften. Die Schulden aus laufenden Zinsen seien eine Last auf den Schultern Griechenlands, Portugals und Irlands, die mit  Reparationszahlungen nach einem Krieg vergleichbar wäre. Dass diese Länder einen Schuldennachlass brauchen, die Gläubiger jedoch nur begrenzte Verluste in Kauf nehmen können, verlange nach einem größeren Engagement der Kernstaaten.

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  • Internet ist so multimedial..hier die passende musikalische Untermalung zum Artikel: http://bit.ly/nQG4ym

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  • Euro-Krise --geht es um alles oder nichts
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    um alles oder nichts ging es schon lange-eigentlich schon 2008. Damals wurden die falschen Weichen schon gestellt, der Zug ist im Zielbahnhof- am Friedhof angekommen.
    Jetzt retten sie gar nichts mehr- so oder so. Der Patient hat Krebs- ist voller Methastasen --ist so gut wie tot.
    Das haben wir den falschen Entscheidungen der letzten Jahre zu verdanken.
    Dazu kamen- Täuschung- Lüge- Betrug- Irreführung- Schönrederei- Beschwichtigungen- Inkompetenz- fehlender Sachverstand--Hybris und Arroganz der beteiligten Verantwortlichen. Sowas hat keinen Bestand. Jetzt kommt das Ergbebniss dieser Politik, dieser Ignoranz von Fakten, die man einfach übersah-von oben herab natürlich. So mancher Laie hat es gesehen.
    Planen sie schon mal ein schönes Denkmal-- es war einmal..ein Kohl- eine Merkel - und ein Euro..und Europa..

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