Presseschau
Klimagipfel von Cancún feierte den Stillstand

Die Internationale Wirtschaftspresse fragt nach dem Nutzen von UN-Klimakonferenzen. Die Financial Times Deutschland will mit einer Finanzunion den Euro retten. Die Wirtschaftswoche mahnt Deutschland in der Euro-Debatte dagegen zur Strenge. Fundstück: Gib den Assange!
  • 0

Nüchtern betrachtet sei der Klimagipfel kein Erfolg gewesen, bilanziert die Financial Times Deutschland . Dass die Teilnehmerländer sich in Cancún überhaupt auf ein gemeinsames Ergebnis geeinigt hätten, sei aber nach dem desaströsen Vorgängertreffen 2009 in Kopenhagen überraschend. Dass die Teilnehmerländer ein Scheitern dieses UN-Klimagipfels abwenden wollten, hält das Blatt jedoch nur für einen kleinen Grund zur Freude. "Denn auch in Cancún wurde nichts vereinbart, was die Staaten zur unverzüglichen Klimarettung verpflichtet." Zusätzlich zum erstmals vereinbarten Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, hätten die Staaten davor zurückgeschreckt, die nötigen Maßnahmen in einem international verbindlichen Abkommen festzuschreiben. "Formell gesehen ist das Unternehmen Klimagipfel damit so gut wie gescheitert. Die selbst gesteckten Ziele sind kaum mehr zu erreichen", ist die FTD überzeugt. "Die ganz große Klimarettung muss ausfallen." Dennoch bestehe Hoffnung auf ein wenig mehr, als sich in formellen Abkommen festhalten ließe. Die erste UN-Klimakonferenz in Kioto 1997 und seine Nachfolgekonferenzen hätten viel dazu beigetragen, das Thema Klimaschutz ins kollektive Bewusstsein der Gesellschaften zu bringen. "Anders als vor 20 Jahren beschäftigen sich heute scharenweise Wissenschaftler, Politiker und Manager in vielen Ländern mit dem Thema." Der so erreichte Technologiesprung mache es überhaupt erst möglich, die einstmals theoretisch gesetzten Ziele praktisch zu erfüllen. Cancún lasse zumindest auf einige weitere kleine Würfe hoffen.

"Delegierte aus 194 Ländern haben bei der Weltklimakonferenz in Cancún zwei Wochen lang eine umfangreiche Vorlagemappe durchgeblättert - und am Samstag alle Entscheidungen vertagt", kommentiert die Zeitung Die Welt . Dass ein Konsens über die Bestätigung des Zieles erreicht worden sei, die Reduzierung von Schadstoffemissionen zur Aufgabe aller zu machen, dürfe als Fortschritt gegenüber Kopenhagen gewürdigt werden. "Aber mehr auch nicht." Denn erneut habe es an bindenden Zusagen beim Kampf gegen die Klimaerwärmung gefehlt, die "wahrscheinlich", so stehe es in den Cancúner Dokumenten, vom Menschen verursacht werde. "Der faktische Stillstand zeigt, dass die Politik an ihre Grenzen gestoßen ist." In Durban 2011 werde es kaum anders sein. China werde sein es nur mit mehr Energie und Emissionen zu weiterem wirtschaftlichen Wachstum und Wohlstand bringen. In den USA ließen sich bei einer Arbeitslosigkeit von fast zehn Prozent weitere Umweltschutzauflagen für die Industrie kaum durchsetzen. "Es ist an der Zeit, die Arbeitsaufträge für Durban mit der Realität auszusöhnen", fordert das Blatt. Statt die Welt auf die Anklagebank zu setzen, müsse das Ziel der Emissionsminderung über den Ausbau alternativer Energiequellen angegangen werden: Sonnenenergie, Wasserkraft, an einigen Stellen Wind, irgendwann Kernfusion.

"Die größte Errungenschaft des UN-Klimagipfels: Sonnenbräune", stichelt das Wall Street Journal. Seit der Klimagipfel in Kopenhagen im vergangenen Jahr gescheitert sei, seien die Chancen fern gewesen, dass eines dieser regelmäßigen UN-Schwätzchen in einer bindenden globalen Übereinkunft zum Kohlendioxidausstoß münden würde. Das hätten schon die unrealistischen Vorschläge für die Senkung des Co²-Ausstoßes gezeigt. Im vergangenen Jahr hätten die Delegierten die Differenzen mit Milliardenversprechen versucht zu überbrücken, die die ärmeren Länder als zu niedrig bezeichnet hätten. "Sie haben sich um Summen gekabbelt, die gar nicht da sind", stöhnt das Blatt. Wer immer diesen Machtkampf gewinne, er wird nicht im Glücksregen, den Malediven etwa, enden. "Unser behutsamer Vorschlag ist, die Veranstaltung irgendwohin zu verlagern, wo es kühler ist - wir haben gehört, in Yakutsk soll es ganz reizend sein - dann können die Delegierten den Effekt eines sich vermeintlich erwärmenden Klimas gleich selbst ausprobieren."

Seite 1:

Klimagipfel von Cancún feierte den Stillstand

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Presseschau: Klimagipfel von Cancún feierte den Stillstand"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%