Presseschau
Merkel allein auf weiter Flur

Die Stimmung wendet sich gegen die deutsche Kanzlerin und ihr Spardiktat, Spanien rüstet sich für eine neue Bankenkrise und der saudischer Großinvestor Al-Walid hat es nicht eilig mit Anlagen in Europa.
  • 4

Nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland kippt die Stimmung gegen Angela Merkel und ihr Sparprogramm. Der künftige französische Präsident Francois Hollande dränge auf einen neuen Wachstumspakt und einen weniger harten Sparkurs. Bei der Kanzlerin könnte er bei seinem Berlinbesuch Mitte Mai jedoch auf Granit beißen, vermutet das Handelsblatt, denn Merkel stehe einem Großteil von Hollandes europapolitischen Forderungen kritisch gegenüber.

Nach Frankreich stelle nun auch Italiens Ministerpräsident Mario Monti den Zwang zur Haushaltssanierung mit harten Einschnitten infrage - und damit bröckle die Front der Sparpolitiker an allen Ecken und Enden, glaubt die FTD.

Auch in Athen habe das „Prinzip der Realitätsverweigerung“ gesiegt, meint die Welt und nun sei die Befürchtung zurück, die Europäer könnten es am Ende doch nicht schaffen, ihren vielstimmigen Kontinent zusammen- und auf Reformkurs zu halten.

Europa stehe endgültig in der Sackgasse, unkt auch der Guardian, was am deutlichsten durch Merkels Position demonstriert werde, dass Hellas sich an die strengen Bedingungen für den Rettungsschirm über 130 Milliarden Euro zu halten habe - auch wenn 60 Prozent der Griechen für Parteien gestimmt hätten, die genau das ablehnen.

Ein übles Dilemma für Hollande sieht die Financial Times: Will er sich mit den Griechen gegen das Diktat des Maßhaltens verbünden? Oder will er lieber mit den Deutschen und dem Internationalen Währungsfonds IWF marschieren und eine Neuverhandlung des Sparpakets für Griechenland ablehnen?

Es sei doch noch gar nicht klar, was die europäischen Bürger denn nun eigentlich von ihren Regierungen erwarten würden, analysiert das Wall Street Journal, denn die Nachfolger der nun überall abgewählten Politiker würden es schwierig finden, sich allzu deutlich von dem von den Deutschen favorisierten Sparprogramm abzusetzen. Schließlich habe Merkel deutlich gemacht, dass sie Kurs halten werde, egal wer die Wahlen gewinne.

Der Economist sieht dennoch einen Kompromiss zwischen Frankreich und Deutschland in Sachen Fiskalpakt: Das Team von Hollande mache Andeutungen, es müsse ja kein neuer Vertrag sein, ein „Zusatz“ täte es auch, und Merkel habe schon gesagt, dass sie einen neuen Wachstumspakt wolle.

Kommentare zu " Presseschau: Merkel allein auf weiter Flur"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was wäre schon alles in der EURO-Zone passiert, wenn unsere Kanzlerin nicht gehandelt hätte? Dann hätten wir, dank der Sozis, in ganz Europa weiter Schulden gemacht. Wer glaubt an die Fabel, dass man mit neuen Schulden langfristige Arbeitsplätze schaffen kann? Einer soll mir aufzeigen, welche Arbeitsplätze dadurch möglich sind? Wie lange bleiben sie dann bestehen? Wer soll dann die Schulden bezahlen und wann? Sind denn die Politiker, wie die Troika, so abgezockt, dass die SPD die Schuldenmacherei als den grossen Wurf uns verkaufen will? Was will die Kanzlerin? Sie will auch die Börsensteuer, die die SPD noch vor einigen Jahren selbst abgelehnt hat. Vergessen Genossen? Wie schamlos ist die SPD überhaupt? Jetzt will sie noch den Fiskalpakt mit Schuldenmacherei verknüpfen. Pfui.

  • @Charbonnier

    In Zusammenhang mit Frau Merkel, müsste die Frage doch eher lauten: "Mazi, was haben Sie schon gegen unser Land getan?". Oder habe ich was verpasst? Reicht es Steuergelder zu verprassen und seine eigene Handlungsfähigkeit und Entscheidungsbefugnis an die EU abzutreten, um etwas für sein Land getan zu haben?

  • und User "Mazi", was haben Sie schon für Ihr Land getan?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%