Presseschau
Mysteriöses Wikileaks

Die Internationale Wirtschaftspresse spekuliert darüber, über welche Bank Wikileaks demnächst wohl Enthüllungen bereithalten werde. Das Wall Street Journal hält die europäische Gen-Skepsis für unverantwortlich. Portfolio fragt sich, was an Googles neuer Flamme Groupon so besonders ist. Fundstück: Ein Platz an der Sonne.
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Nach den Andeutungen von Wikileaks-Gründer Julian Assange gegenüber der US-Zeitschrift Forbes fragt sich ein Blogger der New York Times , ob Assange die Katze schon vor einem Jahr aus dem Sack gelassen habe. Und zitiert aus einem Interview mit "Computerworld": "Zur Zeit sitzen wir auf fünf Gigabyte von der Bank of America, der Festplatte eines Vorstandes." Schwierig sei die Frage, wie er die Daten präsentieren solle. "Wir könnten alles in eine gigantische Zip-Datei kopieren, aber das hätte nur begrenzte Wirkung", zitiert der Zeitungsblogger Assange weiter. Die Leute müssten leicht eintauchen und etwas aus den Daten herausfinden können. Ein ebenfalls zitierter Sprecher der Bank erklärte, man habe keine Anzeichen dafür gefunden, die Assanges Behauptung gestützt hätten. Die Macht seiner Daten habe Wikileaks bereits demonstriert, erinnert der Blogger. "Was könnte in den Daten drin sein, die er enthüllt?" Ob Bank of America oder nicht - solange es sich um eine große US-Institution handele, sei die Chance groß, dass es an die Tumulte auf den Hypothekenmärkten früher in diesem Jahr anknüpfen werde. Oder die zurückgehaltene Kontroverse über Hypothekenverbriefungen. Oder es könne um Geschäfte der Regierungen bezüglich der Rettungsaktionen gehen, spekuliert der Blogger. Herr Assange jedenfalls erkläre stets: "Es könnte eine oder zwei Banken mitreißen."

Mit Blick auf das Tohuwabohu, das Assange mit seiner jüngsten Veröffentlichung von Material des US-Militärs und diplomatischen Corps provoziert hat, schienen alle Zutaten zu einer großen Geschichte vorhanden, stellt Forbes fest. "Wenn Sie aber in Betracht ziehen, dass der Haupteffekt früherer Wikileaksepisoden der war, die Scheinheiligkeit der Offiziellen zu enthüllen und sich dann vor Augen führen, als was für schlechte Schauspieler die Banken sich bisher selbst zeigen, ist es schwer sich vorzustellen, welchen Schaden Assange sich vorstellt anrichten zu können, lästert das Magazin. "Was könnte man nur tun, um diese Typen zu beschämen", zitiert das Blatt Barry Ritholtz, der in den vergangenen Monate chronistisch festgehalten habe, wie die Banken Eigenheimbesitzer und Investoren mit Hypothekensicherheiten hintergangen hätten. Dann frage sich noch, welche Bank sich denn um diese vermeintliche Granate sorgen müsse. "Als Assanges Kommentare vergangene Nacht die Runde im Internet machten, schlossen Konspirationstheoretiker sofort, das Ziel werde unser aller liebster Verrichter von Gottes Arbeit, Goldman Sachs, sein", höhnt das Magazin und bringt dann Assanges Kommentar gegenüber Computerworld über die Bank of America ins Spiel. "Bank of America, "Fans werden das bemerkt haben", notiere bereits unter dem Buchwert und habe am Dienstagmittag mit ein Prozent geschlossen. "Ein weiterer schlecht gemanagter, dysfunktionaler Koloss, der im Wikileaksgeschnatter erwähnt wird."

Mein freiheitsliebender Kollege hat absolut recht, die Institution Wikileaks zu verteidigen, stellt der Economist fest und betont: "Ich glaube, wir sind alle besser dran, wenn wir eine Institution haben, wo Lecks anonym wichtige Informationen übermitteln können, sie verifizieren lassen und sie veröffentlicht bekommen, wenn sie sich bewahrheiten." Julian Assange solle dafür nicht verurteilt werden. Aber diplomatische Memoranden nur zu deponieren, sei eine armselige, editorische Entscheidung. Wie andere Menschenrechts- und humanitäre Organisationen, wie etwa Human Rights Watch, Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen und das Internationale Rotkreuzkommitee solle sich auch Wikileaks ein paar klare, ethische Leitlinien geben, wie und warum es tut, was es tut. Außerdem solle es einen Vorstand aus einer breiten Spanne von Ländern, Hintergründen und Institutionen einsetzen, um die Organisation zu steuern. "HRW befasst sich mit ebenso geheimen und potenziell schädlichen Informationen, wie die, die Wikileaks bekommt", hält der Magazinkommentator fest. Er vertraue der Weise, wie sie damit umgehen teilweise, weil er wisse, wer sie seien. Wer sei Wikileaks? Abgesehen von Herrn Assange? "Ich weiß es nicht und sie sagen es auch nicht wirklich. Wissen Sie es? Dann machen Sie doch ein Wiki darüber", schlägt der Blogger vor.

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Kommentare zu " Presseschau: Mysteriöses Wikileaks"

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  • Zitat:"Europas ahnungslose Gen-ignoranz"

    Wenn man die Prophezeiungen der Hopi-indianer so anschaut, wird Amerika wohl daran sterben, dass der Gen-Mais nicht mehr auskeimt... zuviele F5 Hybriden oder zuviel Gentechnik? Das bleibt noch die Frage.

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