Presseschau
Neue Hiobsbotschaften von der Fed

Die internationale Presse beschäftigt sich mit der mauen Konjunktur in den USA und einer möglichen Herabstufung des Landes durch Standard & Poor’s, der australische Business Spectator sieht in Deutschland die neue Zentralmacht Europas und Fortune spöttelt über das Mitleid mit Superinvestor Georges Soros.
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DüsseldorfDunkle Wolken über Nordamerika: „Ein solider, selbsttragender Aufschwung lässt auf sich warten,“ schreibt die Finanical Times Deutschland über die USA. In vielen Regionen habe die Konjunktur weiter an Kraft verloren, hieß es im jüngsten Konjunkturbericht der US-Notenbank Federal Reserve, der nun „erneut Zweifel an der Erholung der US-Wirtschaft sät“. Dieser Bericht unterstreiche, „wie schwer es den USA fällt, aus der Wirtschaftskrise herauszufinden“. Vor allem der geschwächte Arbeitsmarkt bereite große Sorgen - „und das in einem Land, das viele Jahre gewöhnt war, kaum Arbeitslose zu haben“. Die Notenbank sei alarmiert und erarbeite Notfallpläne für den Fall, dass es tatsächlich zur Zahlungsunfähigkeit komme und das Finanzministerium keine Renten und Beamtengehälter mehr bezahlen könne. 

Bloomberg sieht das Schicksal der USA in den Händen der Ratingagentur Standard & Poor’s , die darüber entscheiden werde, ob das Land als Schuldner seinen AAA-Status verliert. Der zuständige S&P-Analyst David Beers in London habe gesagt, es ginge schon lange nicht mehr nur um die Anhebung der Schuldenobergrenze, sondern der Kongress und das Weiße Haus müssten sich auf ein glaubwürdiges Paket zum Schuldenabbau einigen, um ein Herabstufung noch zu vermeiden. Auf dem Weg dahin gäbe es einen „politischen Abgrund“, der sich offenbar nur schwer überbrücken lasse und die Agentur halte es für unwahrscheinlich, dass die Brückenbildung in drei oder sechs Monaten besser funktionieren werde als derzeit. Komme das Downgrading, erwartet Bloomberg einen Sprung bei US-Staatsanleihen von 60 bis 70 Prozentpunkten – und das werde die Kreditkosten der USA nochmal um 100 Milliarden Dollar im Jahr steigern. 

Die Financial Times fürchtet, dass die „relative Ruhe“ an den Finanzmärkten jederzeit in Panik umschlagen könnte. Der endlose Krach über die Finanzpolitik und das steigende Risiko für eine selbstverursachte Katastrophe würden ja jetzt schon ihren Tribut fordern. Selbst wenn das Problem doch noch vor dem 2. August gelöst werde – „was eh keiner mehr erwartet“ – würde dieses Drama dennoch lange in den Köpfen der Investoren fort wirken. Die hätten schließlich alle gesehen, wie „Washington an den Rand eines grundlosen Finanzdebakels marschiert und dann auch noch ernsthaft darüber diskutiert, in den Abgrund zu springen“. Was immer auch jetzt noch geschehe, der neue Standard in „finanzpolitischer Verantwortungslosigkeit“ sei bereits gesetzt.

Das Wall Street Journal gibt sich dagegen gelassen und fragt, ob es wirklich so viel ausmachen würde, wenn das Kredit-Rating der USA nur noch AA statt AAA betrage? Dann hätte das Land zwar nur noch denselben Status wie etwa Slowenien und das sei per se schlecht. Doch die Meinung von S&P's sei ungefähr so wichtig, wie die von Sportjournalisten vor dem nächsten Spiel: „Unterhaltsam, aber am Ende kommt es darauf an, was auf dem Spielfeld passiert“. Und da müsse nicht unbedingt viel geschehen. Einige institutionelle Investoren mit strikten Regeln zum Thema Kreditwürdigkeit müssten dann ihr Portfolio verändern. Aber viele andere Anleger müssten ihre US-Anleihen deswegen keineswegs verkaufen. Staaten und Individuen würden auch weiterhin US-Anleihen kaufen – nicht weil sie die sichersten seien, sondern weil der Markt für diese Papiere „der größte und flüssigste der Welt“ sei. „Bislang gibt es einfach noch keine Alternative zu den US-Papieren,“ meint das Blatt.

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