Presseschau
Riskantes Spiel mit den Ölreserven

Die internationale Presse hinterfragt die Entscheidung der IEA 60 Millionen Barrel Öl-Reserven in den Markt zu pumpen, das Ben-Bernanke-Bashing geht weiter, und ein Cartoon erklärt die US-Wirtschaft. Die Presseschau.
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WiesbadenAls „Krisenreaktion“ und „Plünderung“ der Ölreserven wertet das Manager Magazin die Entscheidung der Internationalen Energieagentur (IEA),  60 Millionen Barrel Öl auf den Markt zu bringen. „Es ist ein dramatisches Signal: Die Industriestaaten zapfen ihre strategischen Ölreserven an, um den Höhenflug des Ölpreises zu stoppen. Zu groß ist die Angst der Wirtschaftsriesen mittlerweile, dass der globale Aufschwung einen Ölpreisschock erleidet.“ Experten kritisierten jedoch den Schritt. Es gebe derzeit keine Engpässe, jetzt zusätzlich Öl auf den Markt zu werfen, mache keinen Sinn. So mehrten sich z. B. in den USA und China Hinweise für eine Konjunkturabkühlung, die auch die Ölnachfrage drücken dürfte. Und schließlich verfüge das Ölkartell Opec über ausreichend Reserven, um Lieferausfälle aus Libyen zu kompensieren.

„Die IEA will die Lieferausfälle Libyens kompensieren? Das hätte sie schon vor Monaten tun können“, meint die Wall-Street-Journal-Schwester Market Watch. Damals habe man wohl geglaubt, dass der Konflikt in dem Land schnell gelöst sei. „Eine falsche Einschätzung, wie sich nun zeigt.“ Die Lieferausfälle bedrohten aber eher Europa, seine Raffinerien seien auf libysches Rohöl spezialisiert. In den USA habe die schwache Konjunktur ohnehin Druck auf den Ölpreis ausgeübt, und nun könnten die USA vom Anzapfen der Ölreserven mehr profitieren als Europa: „Der Pro-Kopf-Verbrauch an Öl ist in den USA sehr hoch, der sinkende Ölpreis könnte deshalb vor allem hier die Wirtschaft ankurbeln.“ Ein weiterer Profiteur werden die Fluggesellschaften sein. Doch letztlich seien auch 60 Millionen Barrel rasch aufgebraucht: „Sie könnten nur ein kurz wirkender Stimulus für eine todgeweihte Weltwirtschaft sein. Und an der Lage in Libyen ändern diese 60 Millionen Barrel auch nichts.“

Die Entscheidung der US-Regierung, ihre Öl-Rerseven anzuzapfen und rund die Hälfte der 60 Millionen Barrel Öl der IEA-Mitglieder zu bestreiten, zeigt nach Meinung der Financial Times aus London, wie wenig Möglichkeiten Barack Obama noch hat, um den US-Bürgern ein besseres Gefühl über ihre Wirtschaft zu geben. „Das ist eine Kernfrage in den anstehenden Präsidentschaftswahlen.“ Die bisherigen, wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Obama-Administration hätten kaum gewirkt, die Arbeitslosenrate betrage 9,1 Prozent, die Wirtschaft sei das beherrschende Thema - vor allem auch für Republikaner, die Obama nun ins Visier nehmen. „Viele halten die Entscheidung, an die Ölreserven zu gehen, für rein politisches Kalkül und den Versuch, die Öffentlichkeit psychologisch zu beeinflussen.“

Aus Sicht des Wall Street Journals zeigt die Entscheidung Obamas, die US-Ölreserven um 30 Millionen Barrel anzuzapfen, wie sehr er angesichts der hohen Öl- und Benzinpreise unter Druck stehe. „Die jüngsten Ölpreissteigerungen haben zur schlechten Konjunktur in den USA beigetragen.“ Immerhin resultiere eine Steigerung des Ölpreises um zehn Cent in einer Mehrbelastung der US-Bürger von 39 Millionen Dollar pro Tag. Doch Obamas Schritt werde von allen Seiten kritisiert. Republikaner meinten, dass der US-Präsident besser die eigene, nordamerikanische Ölindustrie fördern sollte, Mitglieder der eigenen Partei forderten dagegen, dass es Ziel sein müsse, den Energieverbrauch generell zu senken und z. B. die Herstellung verbrauchsarmer Autos zu unterstützen oder höhere Benzinsteuern einzuführen.

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  • Wenn diese maßnahme dazu führt, dass sich einige Spekulanten die Finger tüchtig verbrannt haben, ist dies Rechtfertigung genug.

  • also ich finde das sehr pragmatisch... falls sich herausstellt das sich die Weltwirtschaft wirklich merklich abkühlt, dann ist es doch sinnvoll die Ölbestände bei derzeit hohem Preis zu leeren, ordentlich Kasse zu machen und später wenn die Ölpreise absacken, weil sie wirklich kaum noch Angebot/ Nachfrage darstellen, die lager wieder mit günstigem öl füllen...

    also zum Punkt mit der Fed.... aus der Perspektive des nicht Dollar-Raums ist das nur zu begrüßen, dass er (Bernanke) die Geldmenge nicht noch weiter erhöht... die ganzen Inflationsprobleme rund um den Globus gehen ja nur auf dieses zusätzlich gedruckte "Klopapier" (oder auch hot money) zurück das nicht in den USA bleibt (gewaltiges Handelsdefizit) sondern gleich in die anderen Währungsräume abfließt und dort die Zentralbanken ihrerseits zur Geldmengenvermehrung zwingt..

  • Schon vor Jahren haben "Laien" vorausgesagt, das USAPleite ist, die Gelddruckmaschinen lassen grüßen.
    Bestes Beispiel das iPhone, ein hochwertiges Gerät um 700.-€ wird in China gefertigt. Amerika wie arm bist Du geworden.

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