Presseschau
Sächsisches Sorgenkind

Die internationale Presse sieht in dem Verkauf der SachsenLB an die LBBW vor allem den Auftakt zur Konsolidierung der deutschen Landesbanken-Landschaft. In den deutschen Blättern wird dagegen vor allem Kritik laut: So meint die FTD, der Deal sei "verdächtig schnell" über die Bühne gegangen. Die Frankfurter Allgemeine wittert "ein schlechtes Geschäft für Sachsen" und die Süddeutsche fürchtet gar, das ganze Land könnte zum Sorgenkind werden.

Anlässlich der Übernahme der SachsenLB durch die LBBW sucht die » Financial Times aus London nach Ursachen für den - verspäteten - Konsolidierungsprozess im deutschen Bankensektor. "Viele Banken stehen unter Fusions-Druck, nachdem der jüngste Marktaufruhr gezeigt hat, dass sie alleine zu schwach und unprofitabel sind", schreibt die FT. Die Wende sei aber schon vor zwei Jahren eingeleitet worden, als die Landesbanken ihre staatlichen Garantien verloren hätten - und damit auch die Möglichkeit, sich Geld zu sehr viel günstigeren Kreditzinsen zu leihen als ihre Rivalen. Besonders kompliziert sei die Situation in Nordhein-Westfalen, wo Sparkassen und Landesbanken "alles andere als eine glückliche Familie" seien. "Der Sparkassenverband fürchtet, dass die LBBW zu mächtig wird", zitiert das Blatt einen Landesbank-Manager.

Auch die » Neue Zürcher untersucht die Rolle der LBBW im Konsolidierungsprozess. Das Institut gelte als "Kondensationskern für den Umbau der Landesbanken-Landschaft", meinen die Zürcher. An eine bevorstehende Übernahme der WestLB durch die LBBW glaubt die schweizerische Zeitung aber nicht: Nordrhein-Westfalens Politiker fürchteten bei dieser Konstellation um die Rolle des Finanzplatzes Düsseldorf und favorisierten deshalb wohl "eine Verbindung mit einer grossen Sparkasse oder die Fusion mit den Landesbanken NordLB und HSH Nordbank" .

Die » Financial Times Deutschland kritisiert, der Verkauf sei "verdächtig schnell" über die Bühne gegangen. Durch den schnellen Deal seien andere Landes- und Privatbanken um die Möglichkeit gebracht worden, ebenfalls ein Gebot für die angeschlagene Landesbank abzugeben. "Nun sind Fakten geschaffen worden zugunsten der LBBW. Die macht zwar kein Geheimnis aus ihrem Ehrgeiz, zum dominanten Player unter den Landesbanken zu werden. Aber bei diesem Versuch muss es fair zugehen."

Die » Frankfurter Allgemeine sieht in dem Scheitern der SachsenLB das "jüngste Glied in einer langen Kette des Versagens in der öffentlichen Bankengruppe". Die kurze Geschichte der einzigen Landesbank in den neuen Bundesländern war "reich an Pannen", erinnert die FAZ. "Fast täglich ist nun von weiteren Liquiditätsengpässen die Rede. Die Folge: Sachsen verkauft seine Bank mit einem Eigenkapital von 1,5 Milliarden Euro für 300 Millionen an die Landesbank Baden-Württemberg. Das riecht nach einem schlechten Geschäft für Sachsen nach dem Motto 'Augen zu und durch'."

Die » Frankfurter Rundschau ahnt, dass kaum einer das "skandalumwitterte Institut" vermissen wird. "Ostdeutschlands einziger Landesbank, gegründet unter der Ägide des zur Besserwisserei neigenden Westimports Kurt Biedenkopf, haftet ein Geburtsfehler an", rekapitulieren die Frankfurter. Als eine gemeinsame Landesbank für Ostdeutschland nicht durchsetzbar gewesen sei, "hätten die eigensinnigen Sachsen auf einen Alleingang verzichten und wie alle anderen Bundesländer im Osten ein Bündnis mit einem westdeutschen Partner schmieden sollen."

Die » Welt stellt die Kritik an der sächsischen Landesregierung in den Mittelpunkt: Die Opposition werfe der Mannschaft von Ministerpräsident Georg Milbradt im Zusammenhang mit Krise und Verkauf der Landesbank "Vertuschung, Dilettantismus und Versagen" vor. In der Kritik stehe besonders Finanzminister Horst Metz (CDU), der noch vor einer Woche im Verwaltungsrat der SachsenLB erklärt habe, dass bei der Bank keine Risiken mehr bestünden; drei Tage später habe er intern eingeräumt, die Bank sei durch eine neu entdeckte Zahlungsverpflichtung gefährdet.

Die » Süddeutsche Zeitung sieht in dem Schnellverkauf auch eine persönliche Niederlage für den sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt: "Als früherer Finanzminister hatte er die Landesbank mitaufgebaut, nun muss er den Offenbarungseid des Instituts einräumen." Mit der Übernahme durch die LBBW sei zwar ein "Retter in höchster Not" gefunden worden, doch der neue Eigentümer übernehme längst nicht alle absehbaren Finanzrisiken. "Damit behält Sachsen eine schwere Hypothek: Das ostdeutsche Musterland könnte gleichsam über Nacht zum Sorgenkind geworden sein."

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%